16:06 05 Dezember 2020
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    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (115)
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    Läuft in den USA eine Schmähkampagne des Weißen Hauses gegen den Forscher Anthony Fauci? Oder haben sich Mitglieder der Corona-Beratergruppe, der US-Seuchenschutzbehörde und die Mehrheit der Ärzte gegen Donald Trump verschworen, um im Wahlkampf den Demokraten zum Sieg zu verhelfen?

    Fest steht: Der Wissenschaftler Anthony Fauci ist Teil der „Corona Task Force“. Deren Aufgabe ist es, das Weiße Haus zu den nötigen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des SARS-Corona-Virus-2 zu beraten. Und Fauci ist nicht nur das öffentliche Gesicht dieser Gruppe, sondern auch der Geschäftsführer des „Staatlichen Institutes zu Allergien und Infektionskrankheiten“. Als Experte für Gesundheitsfragen hatte er innerhalb der Taskforce und auch vor der Öffentlichkeit regelmäßig recht unverhohlen die Maßnahmen gegen die Corona-Epidemie in den USA bemängelt.

    Diese Position hat es ihm in der Nähe von US-Präsident Donald Trump allem Anschein nach nicht einfach gemacht. Jener lobt die Covid-19-Bekämpfung des Landes des Öfteren und stufte die Gefährlichkeit von Covid-19 als deutlich geringer ein, als von der Mehrheit der Experten angenommen. Fauci hat dagegen erst am Donnerstag zwar das Vorgehen mancher Städte gegen die Epidemie im Land positiv hervorgehoben, aber auch bemerkt:

    „Als ein ganzes Land – wenn man uns mit anderen Ländern vergleicht – glaube ich nicht, dass man sagen kann, dass wir eine gute Arbeit leisten.“

    Wer macht die gute Arbeit?

    „A great job“ – das ist das Lob, das Trump immer wieder dem Krisenmanagement und damit letztlich auch sich selbst austeilte. Aber diesen guten Job hat Fauci mehrere Male vereitelt. Zum einen warnte er vor dem von Trump als Wundermittel propagierten Hydroxychloroquin, zu dessen Nützlichkeit oder Schädlichkeit keine verlässlichen Daten vorlagen. Zum anderen kritisierte er wiederholt die zu langsamen und nicht ausreichend entschiedenen politischen Entscheidungen, die in den USA für den Anstieg der Zahlen gesorgt haben, der in letzter Zeit beobachtet werden kann. Er zeigte sich besorgt über die Wiederöffnung von Schulen, was wiederum Trump als „unakzeptabel“ bezeichnete. Diese Differenzen, die direkt die politischen Entscheidungen des Weißen Hauses betrafen, haben den Forscher naturgemäß auch interessant für die Opposition gemacht.

    So soll der künftige Kandidat der Demokraten, Joe Biden, bereits im Juni bemerkt haben, dass er Fauci als Chef des Instituts beibehalten und immer ein offenes Ohr für die Experten des Gesundheitswesens im Land haben werde. Damit war Fauci politisch betrachtet demokratisch vereinnahmt. Ob das sein Ziel war, sei dahingestellt. Jedenfalls trat um diese Zeit auch eine Funkstille ein, wenn man Faucis Aussagen vertrauen kann, denn dieser will Trump seit dem 02. Juni nicht mehr persönlich gesehen haben.

    Nett genug für Trumps Rache

    Letzte Woche betonte Trump bereits, auf Fauci angesprochen: „Er ist ein netter Mann, aber er hat viele Fehler gemacht.“ Am Montag kamen dann diese Fehler plötzlich in einem Gegenschlag des Weißen Hauses auf den Tisch. Bei diversen großen Medienhäusern landete eine Liste zusammengestellter Zitate Faucis zu bestimmten Covid-19-Themen, die ihn als Autorität auf dem Gebiet der Epidemiologie diskreditieren sollte, weil es so aussah, als sei der Experte bei so ziemlich allem daneben gelegen.

    Er soll die Gefährlichkeit des Virus unterschätzt, die asymptomatische Ansteckung verkannt und eine Umstellung von Lebensgewohnheiten sowie die Rolle von Masken heruntergespielt haben. Allerdings bemerkt die Washington Post, die die Zitate samt Kommentar als erste publiziert hatte auch, dass die Zitate gekürzt seien und aus dem Kontext gerissen waren. Einleitende Einschränkungen und klare Bezugnahmen auf die aktuelle Lage wurden einfach getilgt.

    Virus-Verschwörung gegen Wahlfreiheit und Wirtschaft?

    Aber damit hört der Kampf nicht auf. Ein weiterer Vorfall ist ein des konservativen Fernsehmoderators Chuck Woolery, den Trump zwar nur geteilt hat, dessen Botschaft es aber umso mehr in sich hat: „Die schrecklichsten Lügen werden über Covid-19 verbreitet“, liest sich der Tweet. „Alle lügen. Das CDC (Anm.d.Red.: US-Seuchenschutzbehörde), die Medien, die Demokraten, unsere Ärzte – nicht alle, aber fast alle, denen wir vertrauen sollen. Ich glaube, das hat alles mit den Wahlen zu tun und damit, die Wirtschaft von einem Wiederaufschwung abzuhalten, was auch mit den Wahlen zu tun hat. Ich habe es satt.“

    ​Schon erscheint Fauci nicht mehr nur als jemand, der mit gewissen Entscheidungen aus Gründen der öffentlichen Gesundheit nicht einverstanden sei, sondern als jemand, der für die Opposition arbeite, als Teil einer Wahlkampfverschwörung.

    Aber satt hatten es nicht nur konservative Moderatoren und der Präsident, sondern auch der Demokrat Joe Biden. Zumindest teilte am Montag der Kampagnen-Manager des Kandidaten, Andrew Bates, mit, dass die gesammelten Zitate des Forschers „der abscheuliche Versuch des Präsidenten sind, den schwarzen Peter dem Top-Experten für Infektionskrankheiten des Landes zuzuschieben – dessen Ratschläge er wiederholt ignoriert hat und die anzunehmen, ihn Joe Biden immer wieder inständig gebeten hat“. Die Antwort von Bates geht noch weiter, denn sie stellt die 135.000 Toten im Land dem Präsidenten in Rechnung, wegen dessen „Weigerung, auf die Wissenschaft zu hören“.

    Fauci ist also offenbar in ein politische Zerren hineingeraten, bei der eine Seite ihn versucht zu diskreditieren und die andere versucht, ihn zu instrumentalisieren. Der Forscher selbst sagt zu seiner Person und dem Grund, dass er mit der Zeit immer weniger Einladungen zu Fernsehshows hatte: „Ich habe, wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, den Ruf, immer die Wahrheit zu sagen und die Dinge nicht schönzureden.“

    vr/tm

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    Anthony Fauci?, Coronavirus, USA, Donald Trump