05:36 15 August 2020
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    Persönliche Offenbarungen, Tränen und Gedanken über Abtreibungen – der erste öffentliche Wahlkampfauftritt des US-Präsidentschaftskandidaten Kanye West geriet zum chaotischen Seelenstriptease des Rappers.

    Er wurde zwar nur im US-Bundesstaat Oklahoma in die Wahlliste aufgenommen, doch seine Wahlkampfkampagne hat bereits begonnen. Viel früher als die seiner weitaus ernster zu nehmenden Mitbewerber – Joe Biden und Donald Trump. Ein Wahlkampf, dessen Ausgang immer unvoraussagbarer wird.

    Versprechungen und Offenbarungen

    Der US-Rapper, Produzent und Designer Kanye West hat eine große Titelsammlung: Grammy-Rekordhalter (21), der am besten verkaufte Musiker, ständiger Vertreter der Forbes-Liste, einer der einflussreichsten Menschen der Welt laut dem „Time“-Magazin. Jetzt will Kanye Präsident werden – an der Spitze der Birthday Party.

    Der Wahlkampf wurde mit viel Getöse gestartet – bei einer geschlossenen Wahlkampfveranstaltung in Charleston in South Carolina. Der Bewerber sah extravagant aus – in einem einfachen T-Shirt und Panzerweste, mit am Hinterkopf einrasierten Zahlen 2020. Er trat ohne Mikrofon auf. Als es um Abtreibungen ging, brach er in Tränen aus – sein Vater war „zu beschäftigt“ und die Mutter wollte abtreiben. „Ich selbst habe meine Tochter beinahe getötet“, gab der Rapper zu. Als seine Frau, TV-Show-Star Kim Kardashian, schwanger wurde, überlegte er, ob man das Kind behalten sollte oder nicht. Der Rapper schlug vor, jedem, der Kinder hat, eine Million Dollar zu geben.

    Am darauffolgenden Tag erzählte er, dass Kardashian einmal um medizinische Hilfe gebeten hatte, um ihren Ehemann zu Hause einzusperren. Anfang Juli berichtete TMZ unter Berufung auf Insider, dass die Angehörigen des Rappers besorgt seien, ob sich bei ihm die bipolare Störung verschärfe. Zuvor hatte der Musiker zugegeben, dass er nicht immer Medikamente gegen seine psychischen Probleme einnehme.

    Die Reaktionen der Kämpfer um die Rechte der Afroamerikaner auf den Kandidaten West sind zwiegespalten, obwohl einige der Meinung sind, dass er schwarze Wähler, die eher für Joe Biden votieren würden, von sich überzeugen könnte. Doch wie die Kandidatur von West ablaufen wird, weiß keiner genau. Denn sein Wahlkampf mutet eher wie eine PR-Kampagne für ein neues Album an.

    Anfang vom Ende

    Die Absicht, für das Präsidentschaftsamt zu kandidieren, verkündete Kanye West am Unabhängigkeitstag - dem 4. Juli. Der ehemalige Trump-Fan wandte sich vom amtierenden Präsidenten ab – „Ich setzte die rote Baseballmütze ab“.

    Jetzt sind in der Datenbank der Föderalen Wahlkommission bislang 1144 Bewerber gemeldet. Darunter auch der Namensvetter Kanye Deez Nuts West sowie eine Person aka. „Your Mom“.

    Bei der Wahlkommission kann jeder Normalo einen Antrag als Präsidentschaftskandidat einreichen, politische Erfahrungen sind kein Muss. Doch es gibt eine Regel: mindestens eine Spende in Höhe von 5000 US-Dollar für den Wahlkampf. Die föderale Kommission befasst sich vor allem mit der Finanzierung und nicht mit der Überprüfung und dem Herausfiltern von merkwürdigen Figuren. Das ist Aufgabe der einzelnen Regionen.

    In den US-Bundesstaaten gelten unterschiedliche Wahlregeln. So ist in Florida die Registrierung der Kandidaten bereits nicht mehr möglich. In vielen anderen Bundesstaaten wird dies demnächst auch der Fall sein. Der erste Schritt auf dem Weg zum Präsidentenamt ist ein Eintrag in diese Listen. Dazu muss eine bestimmte Anzahl von Unterschriften gesammelt und eine Gebühr gezahlt werden. Auf diese Weise tat dies auch West in Oklahoma  – er zahlte 35.000 Dollar.

    Sollte der US-Rapper tatsächlich einen Antrag in die Föderale Kommission eingereicht haben (daran gibt es Zweifel), muss er innerhalb eines Monats seine finanzielle Lage der Öffentlichkeit preisgeben. Danach startet gewöhnlich der Wahlkampf. Doch der Musiker ging den umgekehrten Weg – er begann mit Auftritten vor  dem Publikum.

    Ernsthafte Kandidaten

    Der Demokrat Joe Biden und der Republikaner Donald Trump stehen mitten in den Vorbereitungen auf den  Wahlkampf. Offiziell werden sie im August nach den Parteitagen nominiert werden. Öffentliche Veranstaltungen wurden bislang wegen der Notstandssituation verschoben. Vor dem Hintergrund der andauernden Covid-19-Epidemie in den USA befinden sich die Popularitätswerte des US-Präsidenten im Abwärtstrend. Sein Rivale wird zunehmend beliebter, vor allem in den sogenannten “Swinging States”, von denen in vielerlei Hinsicht der Ausgang der Abstimmung abhängt. In Pennsylvania wird er von 52 Prozent der Wähler und Trump von 42 Prozent unterstützt. Der Abstand von zehn Prozent sei eine durchschnittliche Kennzahl, heißt es in einer Umfrage von “New York Times/Siena College”. Nach “Fox News”-Angaben liegt der Unterschied bei Umfragewerten Bidens und Trumps bei acht Prozent –  49  bzw. 41 Prozent. Laut CNN wird Biden derzeit von 55 Prozent der Wähler unterstützt. 

    Vertreter der beiden Parteien versuchen beharrlich, ihre Opponenten zu diskreditieren. Die Demokraten warnten zuletzt vor einer bevorstehenden Desinformationskampagne gegen den Kongress, forderten vom FBI ein Briefing und eine Warnung für jedes Kongressmitglied. Diese Gefahr sei angeblich mit dem Versuch von Russland-nahen Kräften verbunden, Bidens Wahlkampf zu untergraben.

    Trump werden ein Scheitern bei Anti-Covid-19-Maßnahmen, die Unterstützung für weiße Rassisten, der fehlende Wunsch, die Polizeireform angesichts der Unruhen durchzusetzen, ein zu freundschaftliches Verhalten zu den strategischen Rivalen und „Revisionisten“ – Russland und China – vorgeworfen.

    Biden werden Harassment-Fälle und Altersdemenz (er ist derzeit 78) vorgeworfen. Zudem unterstellen ihm seine Rivalen eine Affäre um fragwürdige Verbindungen des ehemaligen Vizepräsidenten mit der Ukraine.

    Dennoch widerspiegeln Umfragen nicht die tatsächliche Lage. Wähler antworten nicht immer ehrlich, auch ihre Meinung ändert sich je nach der Situation. Die Lage in den Vereinigten Staaten ist unruhig – Wirtschaftsflaute, Epidemie, ständige Proteste, begleitet von der Demontage der Denkmäler für historische Persönlichkeiten. Unter diesen Bedingungen ist schwer vorherzusagen, wer mehr Siegeschancen hat. 

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    Tags:
    USA, US-Präsidentschaftswahlen, Donald Trump, Kanye West