18:31 23 November 2020
SNA Radio
    Аusland
    Zum Kurzlink
    2539415
    Abonnieren

    Die Vereinigten Staaten haben laut dem Sicherheitspolitiker Alexander Wenediktow, Vizesekretär des russischen Sicherheitsrates, kein Problem damit, die europäischen Länder immer dann zu drangsalieren, wenn es dem US-amerikanischen Eigeninteresse dient. Der Politiker äußerte sich in einem Sputnik-Gespräch.

    „Washington hat etwas angewiesen – die Sache der Europäer ist es, der Anweisung Folge zu leisten“. So bringt der Sicherheitspolitiker Wenediktow das Verhältnis der Vereinigten Staaten zu seinen europäischen Partnern auf den Punkt. Die USA selbst würden die Sicherheit Europas gefährden: Washington verreiße und zerreiße Abrüstungsverträge (INF, Open Skies), „damit die Europäer gefälligst wissen, wer der Herr im Hause ist“.

    Laut dem Sicherheitsberater unternimmt die US-amerikanische Führung alles, um die Länder Europas um deren Vorteile zu bringen. Gehe es darum, Europa vom billigen Erdgas aus Russland abzuschneiden, sei den US-Amerikanern jedes Mittel recht, sagt der russische Politiker mit Blick auf die Drohbriefe, die drei US-Senatoren in der vergangenen Woche an den Fährhafen Sassnitz-Mukran verschickt haben.

    Der Hafen auf Rügen ist die logistische Basis des Pipelineprojekts Nord Stream 2. Dagegen gehen die republikanischen Senatsabgeordneten Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson vor. Sie erwarten, dass der deutsche Hafen aufgrund US-amerikanischer Gesetze die Zusammenarbeit mit Nord Stream 2 einstellt, anderenfalls würde Mukran, so die Drohung der Politiker aus den USA, wirtschaftlich vernichtet.

    Regierungsvertreter in Berlin haben die US-amerikanischen Drohungen scharf kritisiert. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen (SPD), sagte dem „Handelsblatt“, die Drohbriefe seien in „Tonfall und Inhalt“ völlig unangebracht. Man wehre sich gegen die Ausübung von Druck auf deutsche Unternehmen. Europa dürfe sich nicht erpressbar machen. „Die US-Politik der extraterritorialen Sanktionen gegen enge Partner und Verbündete ist ein schwerwiegender Eingriff in unsere nationale Souveränität", so Annen weiter.

    Für den russischen Deutschlandexperten Alexander Kamkin vom Europa-Institut der Russischen Wissenschaftsakademie ist die Reaktion ein Signal, dass Deutschland sich in dieser Sache nicht zum Opfer machen lasse:

    „Die Kritik aus Berlin ist sehr deutlich, zumal im Zusammenhang mit den besonderen transatlantischen Beziehungen“, sagte der Wissenschaftler im Sputnik-Gespräch. „Hier lässt sich Berlin nicht zur Geisel Washingtons machen. In der Ukrainekrise mag Deutschland ein engeres Verhältnis zu den transatlantischen Partnern demonstrieren, aber beim Erdgas und in der Energiewirtschaft überwiegt das Geschäftliche. Gerade die deutsche Wirtschaft und das ganze Land profitieren von Nord Stream 2.“

    Die US-amerikanische Führung versucht, das Pipelineprojekt Nord Stream 2 zu verhindern, um in Europa beste Bedingungen für US-amerikanisches Flüssiggas zu schaffen. Washington hat scharfe Sanktionen gegen Unternehmen verhängt, die an der Verlegung der Ostseepipeline beteiligt sind. Solche Sanktionen sind auch im vom US-Parlament verabschiedeten Gesetz zum Rüstungshaushalt enthalten.

    „Die Amerikaner werden weiterhin alles daransetzen, das Pipelineprojekt zu hintertreiben“, sagt der Wissenschaftler Kamkin. Doch: „Deutschland schafft es auch diesmal, die Sache zu Ende zu bringen.“ Schließlich sei die deutsche Wirtschaft „gut im Rechnen“, so der Experte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Russland droht bei Weitergabe von Kontrollflug-Informationen an USA mit „harter Antwort“
    Nasa unterbricht Live-Stream: Was taucht hier vor ISS auf? – Video
    Waffenschmuggel vermutet: Ankara stoppt Bundeswehreinsatz auf türkischem Frachter
    Tags:
    Nord Stream 2, Open Skies (Offener Himmel), US-Sanktionen, Europa, EU, USA