15:27 19 September 2020
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    Chinas Seestreitkräfte üben in dieser Woche nördlich von Taiwan im Ostchinesischen Meer das Gefechtsschießen. Die Übungen werden an dem Tag beginnen, an dem der US-Gesundheitsminister in Taiwan weilt. Die USA verhandeln mit Taiwan über die erste Lieferung von vier Überwachungsdrohnen mit einer großen Reichweite.

    Die Übungen der chinesischen Marine finden unweit der Inselgruppe Zhoushan, rund 550 Kilometer nördlich von Taiwan, statt. Die erste Phase soll am 11. August beginnen und drei Tage dauern. Die zweite Etappe findet vom 16. bis 17. August statt. Nähere Einzelheiten werden nicht bekanntgegeben. Bekannt ist nur, dass es sich dabei um Schießübungen handelt, weshalb andere Schiffe in den Gewässern der Übungen nicht verkehren dürfen.

    In einem Kommentar der chinesischen Zeitung „Global Times“ wurden derweil die multinationalen Militärübungen RIMPAC unter US-Führung als “maritime Show” im Pazifischen Ozean bezeichnet. Die Übungen finden vom 17. bis 31. August statt.

    Nach Angaben der chinesischen Zeitung wurden an 25 Länder Einladungen zu den Übungen verschickt. Ein Verzicht auf die Teilnahme an dieser Übung wegen der Corona-Pandemie würden Zweifel an der US-Führungsrolle im Militärbereich auslösen. Deshalb würden verbündete Länder wie Japan und Südkorea es wohl aus Angst vor harten Sanktionen eher nicht wagen, den USA einen Korb zu geben.

    „Global Times“ zufolge versuchen die USA anscheinend, mit den RIMPAC-Übungen auf Konfrontationskurs mit ihren strategischen Rivalen zu gehen. Dennoch kann es sein, dass die Verbündeten Amerikas ihre Gefolgschaft verweigern, weshalb Washington wohl eher plant, ein „Schauspiel mit einem Akteur“ zu organisieren.

    Experte: Militärübungen vor der Inselgruppe Zhoushan – starkes Signal an Taiwan

    Die Übungen im Ostchinesischen Meer erfolgen vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Konfrontation zwischen den USA und China auf hoher See, darunter militärpolitische Provokationen der USA mit der Karte Taiwan. Experten drückten im Sputnik-Interview ihre Befürchtungen aus, dass der Taiwan-Besuch des US-Gesundheitsministers Alex Azar separatistische Stimmungen auf der Insel provozieren könnte.

    Der Taiwan-Experte Zhou Rong von der Chinesischen Volksuniversität sagte im Sputnik-Interview, dass die Übungen die Entschlossenheit Chinas widerspiegeln würden, die nationale Souveränität zu verteidigen und der Unabhängigkeit Taiwans gegenzusteuern.

    „Die Militärübungen mit Kampfschießen nahe der Inselgruppe Zhoushan im Ostchinesischen Meer sollen die Entschlossenheit Chinas zeigen, die nationale Souveränität zu verteidigen und der Unabhängigkeit Taiwans zu widerstehen. Die Situation in der Straße von Taiwan und im Südchinesischen Meer ist angespannt, doch in der Straße von Taiwan ist die Lage weitaus brenzliger. Bei einer Konfrontation mit China im Südchinesischen Meer haben die USA keine eigenen Kreaturen. Gleichzeitig sehen die USA in den Taiwan-Behörden und im Regime von Tsai Ing-weneigene Kreaturen, weshalb sie zu einer bewaffneten Einmischung in den Konflikt in der Straße von Taiwan bereit sind. Das erfordert von China Entschlossenheit, keine Angst vor Drohungen und Einschüchterungen seitens der USA zu zeigen und der Unabhängigkeit Taiwans gegenzusteuern.

    Tsai Ing-wen  sorgt mit ihren Handlungen zunehmend für Empörung. Sogar Mitglieder der US-Administration werden nach Taiwan eingeladen. Gleichzeitig untergraben die USA zunehmend offener den Geist des chinesisch-amerikanischen Communiqués, drängen Taiwan in die Unabhängigkeit und in eine Konfrontation mit Festland-China. Unter diesen Bedingungen müsse China das Unabhängigkeitsstreben Taiwans zähmen und verhindern, dass diese Kräfte reale Fortschritte für die Unabhängigkeit der Insel erreichen, also von verbalen Provokationen zu praktischen Handlungen übergehen. Selbst wenn jemand es wagen sollte, die Unabhängigkeit Taiwans auszurufen, wird Chinas Armee die nationale Souveränität und territoriale Integrität des Landes um jeden Preis verteidigen. Dabei denke ich, dass die USA nicht den Mut haben, den Vorfall in der Straße von Taiwan zu einer direkten militärischen Konfrontation mit China zu nutzen“, so der Experte.

    China testet bei Übungen Kompatibilität der Truppengattungen

    Der Experte Pawel Kamennow des Instituts für den Fernen Osten sagte im Sputnik-Interview, dass die bevorstehenden Übungen der Implementierung der chinesischen Militärreform dienen würden:

    „2020 soll in China die Militärreform abgeschlossen werden. Sie umfasst die Reform der höchsten Militärführung – Reform der ehemaligen Militärbezirke und auf deren Basis die Schaffung von Kommandos der chinesischen Volks- und Befreiungsarmee auf den Kriegsschauplätzen. Dazu gehört auch die Bildung des Kommandos Ost, das an diesen Übungen teilnehmen soll. Zum Kommando gehören sowohl die Landstreitkräfte als auch die Luftstreitkräfte, zu den Kommandos Ost und Süd die entsprechenden Flotten. Zum ersten Mal in der Geschichte exerzieren die Chinesen Planspiele der verschiedenen Waffengattungen bei gemeinsamen Operationen durch. Früher war das anders, früher spielten immer die Landstreitkräfte die dominierende Rolle. Mit Blick auf die bewaffneten Konflikte weltweit in den vergangenen Jahrzehnten modernisierte China komplett sein Militärsystem. Ich denke, dass bei den bevorstehenden Übungen gemeinsame Kampfeinsätze der Ost-Flotte, der Land- und Luftstreitkräfte durchgearbeitet werden. Laut den jüngsten Erklärungen des chinesischen Staatschefs  Xi Jinping sind gemeinsame Operationen der Waffengattungen von großer Bedeutung“.                                    

    USA provozieren Spannungen um Taiwan

    Ende der vergangenen Woche erklärte Peking, dass die USA ihre Waffenverkäufe an Taiwan stoppen sollen. Die Warnung erfolgte unmittelbar nach der Reuters-Meldung zu den Verhandlungen über den Verkauf von mindestens vier Hightech-Drohnen an Taiwan. Es handelt sich um Überwachungsdrohnen “SeaGuardian” mit einer Reichweite von 6000 Seemeilen bzw. 11.100 km. Die Reichweite der aktuellen Drohnen Taiwans liegt bei nur 200 Kilometern. Neue Waffen würden der Insel potentiell mehr Möglichkeiten zur Überwachung des Festlandes, seiner Luftstreitkräfte, Raketenanlagen und anderer Objekte geben.

    Laut einer Mitteilung des Think Tanks South China Sea Strategic Situation Probing Initiative (SCSPI) vom 9. August war am Tag zuvor im Südchinesischen Meer ein Kampfverband mit dem Flugzeugträger USS Ronald Reagan an der Spitze aufgetaucht. Am selben Tag wurde ein Anti-U-Boot-Patrouillenflugzeug der US-Marine P-8A im südlichen Gewässer Taiwans gesichtet.

    Dieselbe Quelle berichtete, dass die USS Ronald Reagan im Juli und August im Ostchinesischen und Südchinesischen Meer verkehrte. Satelliten stellten am 28. Juli fest, dass sich der Träger in den Süden im Südchinesischen Meer bewegte. Am 4. und 17. Juli nahm die USS Ronald Reagan an zwei Flugzeugträger-Übungen im Südchinesischen Meer teil, danach beteiligt sich der Träger an Militärübungen mit Japan und Australien im Philippinischen Meer.

    Am vergangenen Donnerstag vereinbarten die Verteidigungsminister Chinas und der USA telefonisch, in Kontakt zu bleiben, um das Risiko eines militärischen Zusammenstoßes zu minimieren. Es war das zweite Telefongespräch der Minister Wei Fenghe und Mark Esper in diesem Jahr. Das Gespräch erfolgte am Tag nach dem Nachtflug des US-Aufklärungsflugzeugs über dem Gewässer nahe der Provinz Guǎngdōng. Der chinesische Militärchef rief die USA dazu auf, die Risiken auf hoher See besser zu kontrollieren, und  warnte vor „gefährlichen Schritten“, die zur Eskalation der Spannungen führen können.

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    Tags:
    Taiwan, China, USA