22:19 24 November 2020
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    Ein Sachzwang, mehr Geld für Rüstung auszugeben, besteht für Taiwan laut Experten nicht. Dennoch plant die Regierung in Taipeh knapp 1,5 Milliarden US-Dollar mehr im nächsten Verteidigungshaushalt ein. Die Entscheidung kommt nicht ohne Druck der Vereinigten Staaten zustande, erläutern Analysten im Sputnik-Gespräch.

    Taiwan müsse seine militärischen Fähigkeiten erweitern, um das eigene Territorium ebenso wie die umliegenden Inseln verteidigen zu können, erklärte die Lobbyorganisation „Taiwans Vertretung in den USA“ am Mittwoch, dem 12. August. Zu diesem Zweck arbeite die Regierung in Taipeh gegenwärtig daran, in den USA bestimmte Waffensysteme wie Seeminen und Marschflugkörper zu beschaffen.

    Schon einen Tag später hat das taiwanesische Regierungskabinett verkündet, für den nächstjährigen Verteidigungshaushalt 15,42 Milliarden US-Dollar einzuplanen – bei 14,04 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr.

    Die vorgebliche Bedrohung von Chinas Seite ist nur ein Vorwand für die Aufrüstung, sagt Fernostexperte Alexej Maslow im Sputnik-Gespräch:

    „Objektive Gründe für die Erhöhung der Rüstungsausgaben gibt es genau genommen nicht, denn das chinesische Festland lässt im Verhältnis zu Taiwan in letzter Zeit Mäßigung walten. Taiwans Bereitschaft zur Aufrüstung ist vielmehr eine Einlassung auf Forderungen der Vereinigten Staaten.“

    Die zusätzlichen Mittel im Verteidigungshaushalt werden laut dem Experten zumindest anteilig für die Anschaffung neuer Waffen aus den USA verwendet. „Dass dies eine scharfe Reaktion aus Peking und folglich zunehmende Spannungen in der Region auslösen wird, liegt in der Natur der Sache“, so der Analyst. „Die Lage im Südchinesischen Meer verschärft sich ohnehin im Moment. Eine Eskalation auf beiden Seiten der Taiwanstraße würde letztlich einen weiteren Krisenherd in dieser Region erzeugen. Darauf zielen die USA momentan ab, es ist ein weiterer Schritt zur Belagerung Chinas mit zahllosen Brennpunkten.“

    Neben der Beschaffung von Seeminen und Marschflugkörpern beraten Taipeh und Washington laut Agenturberichten derzeit auch über den Kauf von vier Aufklärungsdrohnen für das taiwanesische Militär. Diese unbemannten Langstreckenflugzeuge haben eine Reichweite von über 11.000 Kilometern und würden die taiwanesischen Streitkräfte dazu befähigen, das chinesische Festland weit über die Küstenlinie hinein auszuspähen. Der Auftragswert beläuft sich laut der Agentur „Reuters“ auf 600 Millionen Dollar.

    Diese Rüstungsbeschaffungen könne man als eine „Geste guten Willens“ der taiwanesischen Regierung gegenüber Washington werten, erklärt der Vizedirektor des Instituts für internationale Beziehungen an der Universität Nanjing, Zheng Anguang: „Die eine Absicht der Regierung in Taipeh besteht darin, durch steigende Rüstungsausgaben dem Druck aus China zu begegnen. Streitkräfte vom chinesischen Festland haben in der Taiwanstraße starke Verbände von Kampfschiffen wie Flugzeugen stationiert und lassen dort unentwegt diverse Maßnahmen stattfinden. Das übt Druck aus auf die Demokraten in Taiwan. Das andere Ziel ist aber, durch die erweiterte Beschaffung amerikanischer Waffen die eigene Verbundenheit gegenüber den USA zu demonstrieren. Mehr als das ist der Kauf amerikanischer Waffen ein geeignetes Mittel, um größere Spannungen zwischen Peking und Washington zu schüren. Dieser politische Vorsatz der Regierung in Taipeh ist nach meinem Dafürhalten völlig offensichtlich“, so der Wissenschaftler.

    Taiwan ist sichtlich entschlossen, den diplomatischen Beistand der USA mit amerikanischer „Militärhilfe“ zu verknüpfen. Spannungen mit dem Festland gibt es da inklusive. Das Interesse des transpazifischen Schirmherrn wird dabei weit über die Interessen der Chinesen gestellt, die auf beiden Seiten der Taiwanstraße leben.

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    Tags:
    China, USA, Aufrüstung, Taiwan