06:18 21 September 2020
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    Das US-Verteidigungsministerium im Pentagon in Washington warnt in einem neuen Bericht vor „chinesischer Aufrüstung im Atomarwaffen-Bereich“. Demnach wolle Peking bis zum Jahr 2049 „sein Depot an Nuklearwaffen verdoppeln“, so hohe Pentagon-Beamte in ihrer Sicherheitseinschätzung. Sputnik prüft die Zahlen anhand älterer SIPRI-Daten.

    „Das Militär der Volksrepublik China plant, den eigenen „Vorrat an Atomsprengköpfen in den nächsten zehn Jahren zu verdoppeln. Einschließlich solcher, die auf ballistischen Raketen transportiert werden können, die dann die Vereinigten Staaten treffen könnten.“

    Dies erklärte das US-Verteidigungsministerium im Pentagon in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Zeigleich meldete das „Defense News“, ein der US-Regierung nahestehendes Fachmagazin für militärische Nachrichten:

    „Selbst mit solchen Ausweitungen der Kapazitäten wäre Chinas Atomschlagkraft weitaus kleiner als die der USA, die schätzungsweise 3800 Sprengköpfe im aktiven Status und weitere in Reserve haben. Chinas Lagerbestand an Atom-Sprengköpfen wird von Fachleuten auf unter 200 geschätzt.“ In seinem jährlichen Bericht „China Military Power“ an den US-Kongress teilte das Pentagon nun mit, diese anvisierte Modernisierung und Erweiterung der chinesischen Nuklearstreitkräfte sei Teil „einer breiteren Anstrengung Pekings, eine durchsetzungsfähigere Position auf der Weltbühne zu entwickeln und Amerika bis 2049 einzuholen bzw. zu übertreffen, die dominierende Macht im asiatisch-pazifischen Raum zu sein.“

    Rüstet China wirklich auf – oder füllt es nur eigene Rückstände auf?

    Diese aktuellen Zahlen des Pentagon überraschen etwas:

    Denn der Sputnik-Redaktion liegen Daten des in Schweden beheimateten, sicherheitspolitischen SIPRI-Instituts aus dem Jahre 2012 vor. Damals besaß China schätzungsweise nur „mehr als 400 Atomar-Sprengköpfe“, während die USA zu dem damaligen Zeitpunkt bereits über „2200 nukleare Sprengköpfe“ zur Verfügung hatten. Demnach versucht das chinesische Militär aktuell also nur, seinen alten Stand an Nuklearwaffen wieder aufzubauen, wenn Peking laut US-Verteidigungsministerium momentan nur etwa 200 atomare Sprengköpfe besitzen sollte.

    China, so der neue Bericht des Pentagon, habe außerdem sein Verteidigungsbudget erhöht und die USA sowohl von der Anzahl her im Bereich bodengestützter Raketen als auch im Schiffbau übertroffen. „Die Volksbefreiungsarmee verfügt über eine Streitmacht von mehr als 350 Schiffen und U-Booten im Vergleich zu den 293 Schiffen der US-Marine“, so der Bericht.

    „China enthüllt ersten nuklearfähigen Bomber“ – US-Regierung

    Im Nuklearwaffenbereich entwickle China demnach „eine ballistische Nuklearrakete und enthüllte die H-6N als ihren ersten nuklearfähigen Bomber, der in der Luft betankt werden kann“, so der Pentagon-Bericht. China bewege sich zudem in Richtung einer breiter aufgestellten Position für seine Raketen, „mit einer erweiterten silobasierten Streitmacht“.

    Chinas neuer strategischer H-6N-Bomber ist eine in Lizenz gebaute Version bzw. Abwandlung des sowjetischen Bombers Tu-16. Dieser chinesische neue Bomber „könnte CJ-100-Überschall-Marschflugkörper oder die WZ-8-Überschall-Stealth-Spionagedrohne tragen und seine maximale Reichweite auf 6000 km (3728 Meilen) erhöhen", berichtete „Business Insider" bereits im November 2019.

    Der neue Pentagon-Bericht hält darüber hinaus fest, dass die Zahl der Sprengköpfe im Bereich Chinas landgestützter Interkontinentalraketen, die die USA bedrohen können, in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich auf rund 200 ansteigen werde. Chinas ICBM-Arsenal bestehe demnach aus 100 Raketen mit verschiedenen Reichweiten, heißt es darin weiter.

    „Wollen Einfluss in Pazifik-Region wahren“ – Peking

    US-Marine Chad Sbragia ist derzeit der stellvertretende Verteidigungssprecher für China im Büro für indopazifische Sicherheitsfragen im Ressort des US-Verteidigungsministers. Er kommentierte den neuen Bericht des Pentagon am Dienstag auf einer Veranstaltung des Think-Tank „American Enterprise Institute“. Er sagte, dass die chinesische Volksbefreiungsarmee (VBA) „nicht nur ein Vorzeigeobjekt der chinesischen Moderne sein soll“, sondern ein Werkzeug der chinesischen Staatskunst darstelle. „Die (in China regierende, Anm. d. Red.) Kommunistische Partei (KP) hat in den letzten Jahren die VBA vollständig reformiert und organisatorisch neu verkabelt, um sich in eine gemeinsame Streitmacht zu verwandeln, die kampfbereiter, innovativer und globaler ist“, fügte Sbragia hinzu. Chinas Fähigkeit, seinen Einfluss „in der Region und darüber hinaus“ zu wahren, habe in den letzten Jahren zugenommen, warnte er.

    „Pekings globale Ambitionen haben laut dem Pentagon-Bericht wahrscheinlich dazu geführt, dass Thailand, Singapur, Indonesien, Pakistan, Sri Lanka, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kenia, die Seychellen, Tansania, Angola und Tadschikistan als potenzielle Standorte für Militärlogistikeinrichtungen der chinesischen Armee in Betracht gezogen wurden.“

    US-Pläne zur Einkreisung Chinas

    Die Analyse des Pentagon kommt zu einer Zeit, in der „sich die USA vor Ablauf des New-START-Vertrags in Atomgesprächen mit Russland befinden“, kommentierte „Defense News“. „Ein wesentlicher Knackpunkt ist die Forderung der USA, China in jedes neue Abkommen aufzunehmen, auch wenn Chinas Regierung dies wiederholt ablehnt.“

    Parallel dazu schlägt US-Verteidigungsminister Mark Esper momentan vor, dass gleichgesinnte Nationen im Pazifik wie Indien, Australien und Japan „ein Nato-ähnliches Bündnis bilden könnten, dessen offensichtliches Ziel darin bestehen würde, China abzuschrecken und einzukreisen. Diese Woche beendete Esper seine diplomatische Reise nach Hawaii, Palau und Guam, wo er hochrangige Führungskräfte aus der ganzen Region traf. (...) Beamte des Pentagon hoben auf der Reise auch die interne Diskussion zur Umverteilung der in Südkorea und Japan konzentrierten US-Streitkräfte nach Guam und weiter südlich hervor.“

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    Tags:
    Pentagon, Stockholmer Friedensforschungsinstitut (SIPRI), Nuklearwaffen, China