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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (124)
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    Die Tatsache, dass das künstliche Koma des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny beendet wurde, zeugt davon, dass gegen ihn kein „Nowitschok“-Giftstoff verwendet wurde. Dies teilte der Chemiewaffen-Experte Leonid Rink gegenüber RIA Novosti mit.

    „Ich schließe seine Vergiftung aus, weil typische Symptome nicht vorhanden sind. Wenn man aber eine Konzentration verwendet hätte, die um 99,75 Prozent geringer als eine tödliche Dosis ist, würden die Ärzte ihn aus dem Koma holen. Die Pupillenverengung aber würde trotzdem vorhanden sein. In diesem Fall hat es keine solchen Symptome gegeben“, sagte Rink, der auch an der Entwicklung des Nervengiftes „А-234 Nowitschok“ gearbeitet hatte.

    Laut Rink hatte man „Nowitschok“ entwickelt, um Atomwaffen auf dem Gefechtsfeld zu ersetzen. Der Giftstoff habe eine hundertprozentige Letalität, so Rink.

    Auch der russische UN-Militärexperte Igor Nikulin sagte, dass es Nawalny nicht gelingen würde, das Koma zu überwinden, falls man ihn mit „Nowitschok“ vergiftet hätte. 

    „Falls es sich um eine Vergiftung mit 'Nowitschok' handelte, würden wir ihn nicht mehr sehen – nicht in einer Woche oder in einem Monat. Bei der Verwendung eines Giftes der 'Nowitschok'-Gruppe ist das schon möglich. Das ist doch ein binärer Kampfstoff, bei dem es etliche Substanzen gibt, die getrennt relativ ungefährlich sind. Erst wenn sie sich vermischen, entsteht der eigentliche Kampfstoff, der tausendmal toxischer als jede seiner einzelnen Komponenten ist“, sagte Nikulin.

    Künstliches Koma bei Nawalny beendet – Charité

    Am Montag teilten die Ärzte der Berliner Charité mit, dass der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Berliner Charité behandelt wird, sich verbessert habe.

    Den Angaben zufolge konnte das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten beendet werden.

    „Der Patient wird schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt. Er reagiert auf Ansprache. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung sind weiterhin nicht auszuschließen“, heißt es.

    Hintergrund

    Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete und er in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein küstliches Koma versetzt wurde. Sobald ihn die Omsker Ärzte als transportfähig erklärt hatten, wurde Nawalny auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt.

    Die Bundesregierung hatte am Mittwoch nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei.

    Die Behauptung der Bundesregierung steht im Widerspruch zu den Befunden der russischen Ärzte, die Nawalny zunächst im Omsker Krankenhaus behandelt hatten. Die Omsker Ärzte gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Laut dem leitenden Toxikologen Sibiriens, Alexander Sabaew, wurden in Nawalnys „Entgiftungsorganen“ (Leber, Lungen, Nieren) keine Giftstoffe entdeckt. Im Falle einer Vergiftung jedoch müssten in den genannten Organen Giftspuren festzustellen sein.

    ac/mt/sna

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    Russland, Deutschland, Symptome, Vergiftung, "Nowitschok", Ende, Koma, Alexej Nawalny