03:15 04 Dezember 2020
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    Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat während des Interviews mit russischen Journalisten zugegeben, dass er „wahrscheinlich ein bisschen zu lange“ im Amt ist.

    „Ja, ich bekleide meinen Posten wahrscheinlich ein bisschen zu lange. Man zeigt mich möglicherweise nicht nur im Fernsehen, sondern auch aus jedem Bügeleisen und Teekessel. Aber jetzt kann nur ich Weißrussland schützen“, sagte Lukaschenko gegenüber den russischen Journalisten.

    Das Interview mit den russischen Journalisten, darunter der Chefredakteurin von Sputnik und RT Margarita Simonjan, fand heute im Palast der Unabhängigkeit in Minsk statt.

    Wie einer der Journalisten, Roman Babajan von Radio „Govorit Moskwa“, mitteilte, schloss Lukaschenko während des Interviews die Neuwahlen nach einer Verfassungsreform in Weißrussland nicht aus.

    Lukaschenko zufolge brauchen die Organisatoren der Proteste „nicht Weißrussland, sondern Russland“.

    Die Journalisten stellten Lukaschenko auch Fragen über die Handlungen von Sicherheitsbeamten während der Proteste.

    „Er sagte, dass dies die ersten Emotionen dieser Zeit waren. Wie Lukaschenko sagte, könne man den Sicherheitsbeamten nichts verübeln, weil sie das eigene Land vor einem Blitzkrieg schützten. Dies ist seine wahre Position“, sagte Ewgeni Roschkow, ein Journalist des TV-Senders Rossija 1.

    Im Zuge des Interviews gab Lukaschenko auch zu, dass ihm die Proteste einerseits „psychologisch schwergefallen“ seien, andererseits verstehe er, dass ein Teil der Bürger vergessen habe, wie Weißrussland vor 20 Jahren ausgesehen habe.

    Massenproteste in Weißrussland

    Die Massenproteste in Weißrussland hatten am 9. August  nach der Präsidentschaftswahl begonnen, bei der sich Lukaschenko zum sechsten Mal in Folge zum Wahlsieger hatte ausrufen lassen. Nach Angaben der weißrussischen Wahlbehörde kam der seit 1994 regierende Lukaschenko auf 80,1 Prozent der Stimmen. Die führende Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja erhielt 10,12 Prozent.

    Allerdings erkennt sie ihre Niederlage nicht an: Laut ihrem Wahlkampfteam gewann sie die Wahl mit 70 bis 80 Prozent der Stimmen. Schon spät am Wahltag gingen landesweit Tausende Menschen auf die Straße. Die Demonstrationen waren nicht von den Behörden genehmigt.

    In der Hauptstadt Minsk errichteten Demonstranten Barrikaden aus Mülltonnen. Die Miliz (Polizei in Weißrussland - Anm. d. Red.) trieb zuerst nach eigenen Angaben die Protestierenden mit Tränengas, Wasserwerfern und Blendgranaten auseinander, verzichtete aber später auf solche Methoden.

    Baltische Länder verhängen Einreiseverbot für Lukaschenko

    Am 31. August hat Lettland die Einreise für 30 Bürger Weißrusslands verboten, darunter für den Präsidenten Alexander Lukaschenko und für Angehörige seiner Administration. Laut dem Außenminister Edgars Rinkevics seien diese Personen für Betrug bei den Präsidentenwahlen und für Gewalt gegen „friedliche Demonstranten“ in Weißrussland verantwortlich. Auch Estland hat ein fünfjähriges Einreiseverbot für Lukaschenko und einige Beamte verhängt. Denselben Schritt unternahm auch Litauen.

    ac/mt/sna

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