16:46 05 Dezember 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (125)
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    Die Untersuchungsbefunde des Kremlkritikers Alexej Nawalny sind dem Auswärtigen Amt übergeben worden, welches diese der Organisation für das Verbot chemischer Waffen übermittelt hat. Das erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums für die Angelegenheiten der Streitkräfte und des Sanitätsdienstes, Christoph  Czwielung, gegenüber RIA Novosti.

    Allerdings gab Czwielung nicht bekannt, welche Informationen der Organisation übermittelt wurden.

    „Wir haben ja in unserem Labor lediglich den Nachweis geführt. Die Ergebnisse dieses Nachweises liegen beim Auswärtigen Amt und wurden von dort aus an die OPCW weitergeleitet. Was sie im Einzelnen weitergeleitet haben, das kann ich Ihnen nicht beantworten. Es ist aber ja so, dass das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr eines von 17 weltweit akkreditierten Labors der OPCW ist, soll also heißen, wenn die OPCW über das Auswärtige Amt über den Verstoß gegen die Chemiewaffenkonvention in Form dieses Einsatzes eines Nervenkampfstoffes aus der Nowitschok-Gruppe informiert wurde, dann obliegt es jetzt im Weiteren der OPCW, das nochmal zu untersuchen. Was da genau übermittelt wurde, da müssten Sie bitte einmal Kontakt mit der Pressestelle des Auswärtigen Amtes aufnehmen“, sagte Czwielung gegenüber einer Journalistin von RIA Novosti.

    Zudem teilte Czwielung mit, dass er nicht beantworten könne, wie es dann intern innerhalb der OPCW laufe. Allerdings würde die OPCW sicherlich die Möglichkeit haben, sich diese Befunde beim Institut anzufordern. Ob sie das getan hätten und in welcher Detailschärfe sie das getan hätten, ist Czwielung unklar.

    Zuvor hatte der ständige Vertreter Russlands bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen, Alexander Schulgin, gesagt, dass die Organisation noch keine Materialien im Zusammenhang mit dem Fall Nawalny bekommen habe.

    Fall Nawalny

    Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete und er in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein küstliches Koma versetzt wurde. Sobald ihn die Omsker Ärzte als transportfähig erklärt hatten, wurde Nawalny auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt.

    Die Bundesregierung hatte am 2. September nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei.

    Die Behauptung der Bundesregierung steht im Widerspruch zu den Befunden der russischen Ärzte, die Nawalny zunächst im Omsker Krankenhaus behandelt hatten. Die Omsker Ärzte gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Laut dem leitenden Toxikologen Sibiriens, Alexander Sabaew, wurden in Nawalnys „Entgiftungsorganen“ (Leber, Lungen, Nieren) keine Giftstoffe entdeckt.

    Am Montag hatten die Ärzte der Berliner Charité mitgeteilt, dass der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Berliner Charité behandelt wird, sich verbessert habe. Den Angaben zufolge konnte das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten beendet werden.

    Am Donnerstag berichteten „Spiegel” und „Bellingcat” von einer weiteren Verbesserung des Gesundheitszustandes von Nawalny. Demnach kann er wieder sprechen und „sich vermutlich an Details vor seinem Zusammenbruch an Bord eines Flugzeugs vom sibirischen Tomsk in Richtung Moskau erinnern”.

    ac/mt/sna

     

     

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    Tags:
    "Nowitschok", Vergiftung, Untersuchung, OPCW, Auswärtiges Amt, Alexej Nawalny, Bundesverteidigungsministerium