02:30 02 Dezember 2020
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    Nach Ansicht des CDU-Außenpolitikers Roderich Kiesewetter sollte die Giftanalyse des Münchner Bundeswehrlabors im Fall des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny aus Sicherheitsgründen nicht vollständig publik gemacht werden.

    „Die Bundesrepublik darf die Daten nicht offenlegen, weil die russischen Geheimdienste genau darauf warten. Sie können dann ableiten, mit welchen Analysemethoden gearbeitet wurde“, sagte der CDU-Politiker gegenüber der „Berliner Zeitung“.

    Kiesewetter betonte, Deutschland habe „eine hohe Kompetenz in der Analyse erworben“. Daher seien die Analysen „von sehr hoher Zuverlässigkeit“. Der CDU-Politiker sagte ferner, er wolle aber keine Schuldzuweisung machen.

    Der Sprecher des Verteidigungsministeriums für die Angelegenheiten der Streitkräfte und des Sanitätsdienstes, Christoph Czwielung, erklärte am Donnerstag gegenüber der Agentur RIA Novosti, die Untersuchungsbefunde von Nawalny seien dem Auswärtigen Amt übergeben worden, welches diese der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) übermittelt habe. 

    Laut dem ständigen Vertreter Russlands bei der OPCW, Alexander Schulgin, hat die Organisation noch keine Materialien im Zusammenhang mit dem Fall Nawalny bekommen.

    Fall Nawalny

    Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete und er in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein küstliches Koma versetzt wurde. Sobald ihn die Omsker Ärzte als transportfähig erklärt hatten, wurde Nawalny auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt.

    Die Bundesregierung hatte am 2. September nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei.

    Die Behauptung der Bundesregierung steht im Widerspruch zu den Befunden der russischen Ärzte, die Nawalny zunächst im Omsker Krankenhaus behandelt hatten. Die Omsker Ärzte gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Laut dem leitenden Toxikologen Sibiriens, Alexander Sabaew, wurden in Nawalnys „Entgiftungsorganen“ (Leber, Lungen, Nieren) keine Giftstoffe entdeckt.

    Nawalnys Zustand verbessert sich

    Am Montag hatten die Ärzte der Berliner Charité mitgeteilt, dass der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Berliner Charité behandelt wird, sich verbessert habe. Den Angaben zufolge konnte das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten beendet werden.

    Am Donnerstag berichteten „Spiegel” und „Bellingcat” von einer weiteren Verbesserung des Gesundheitszustandes von Nawalny. Demnach kann er wieder sprechen und „sich vermutlich an Details vor seinem Zusammenbruch an Bord eines Flugzeugs vom sibirischen Tomsk in Richtung Moskau erinnern”.

    ac/mt/dpa/sna

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    Tags:
    die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), Bundeswehr, "Nowitschok", Vergiftung, Veröffentlichung, Analyse, Labor, Alexej Nawalny