07:07 30 September 2020
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    „Unfair, dass die USA weltweit die höchsten Arzneimittel-Preise zahlen“, kritisiert US-Präsident Donald Trump schon länger. Nun bringt er eine weitere Entscheidung auf den Weg, die künftig Medikamenten-Preise für den US-Markt und dortige Menschen reduzieren soll. Das könnte die Pharma-Industrie hart treffen, so Experten. Aktien brechen bereits ein.

    Wie das Weiße Haus in Washington am Sonntag mitteilte, hat US-Präsident Donald Trump eine sogenannte „Executive Order“ erlassen, die die Preise von US-amerikanischen Pharmazie-Produkten regulieren und begrenzen wird.

    Eine solche Order kann im US-Politiksystem mit einem präsidialen Erlass bzw. Gesetz verglichen werden. Der Sputnik-Redaktion liegt die Mitteilung vor.

    Die Entscheidung beinhaltet unter anderem „die Politik der Vereinigten Staaten, dass Kunden (…) für teure, verschreibungspflichtige Medikamente oder biologische Produkte (…) nicht mehr als den Meistbegünstigungspreis zahlen sollten“. Dieser „Meistbegünstigungspreis“ stellt den niedrigsten Preis für US-Medikamente „nach Bereinigung des Volumens und der Unterschiede im nationalen Bruttoinlandsprodukt für ein Arzneimittel“ dar. Zusammengefasst bedeutet das: Arzneimittelhersteller müssen die Preise ihrer Produkte für die USA senken, die sie ebenso „in einem Mitgliedsland der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD)“ oder in einem anderen Land „mit einem vergleichbaren Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt“ verkaufen.

    Soweit es im Einklang mit dem neuen Gesetz stehe, „ergreift der US-Minister für Gesundheit (Alex Azar, Anm. d. Red.) unverzüglich geeignete Schritte, um seinen Plan zur Festlegung von Regeln umzusetzen und ein Zahlungsmodell zu testen (…), um für bestimmte teure verschreibungspflichtige Medikamente und biologische Produkte (…) nicht mehr als den Meistbegünstigungspreis zu zahlen“. Das neue Preis-Modell solle prüfen, „ob Patienten, die eine pharmazeutische Behandlung benötigen, nicht mehr als den Meistbegünstigungspreis zahlen können“. Außerdem wolle die US-Regierung damit „schlechte klinische Ergebnisse ermitteln und erhöhte Ausgaben im Zusammenhang mit hohen Arzneimittelkosten“ senken.

    „Pharma-Konzerne müssen USA niedrige Preise anbieten“ – Trump

    Trump befindet sich „im Kampf gegen Big Pharma“, titelte der republikanische und regierungsnahe US-TV-Sender Fox News am Montag mit Blick auf die neue Verordnung. Sie ziele „darauf ab, den US-Amerikanern die gleichen Preise zu bieten, die ausländische Käufer genießen“. Präsident Trump unterzeichnete am Sonntag eine Order, „um die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente zu senken“, teilte er auf Twitter mit:

    „Ich habe gerade eine neue Verordnung zur Senkung der Arzneimittelpreise unterzeichnet! Meine Bestellung für die meistbegünstigte Nation wird sicherstellen, dass unser Land den gleichen niedrigen Preis erhält, den Big Pharma für andere Länder gibt. (…) Die Zeiten der globalen Trittbrettfahrer auf Amerikas Kosten sind vorbei (…) und die Preise fallen SCHNELL! Außerdem wurden gerade alle Rabatte für Zwischenhändler beendet, wodurch die Preise weiter gesenkt wurden.“

    Die Trump-Regierung hatte zuvor die Arzneimittelkosten immer wieder „in den Mittelpunkt ihrer Gesundheitspolitik gestellt“, kommentierte der US-Sender. „Der Präsident hat bereits im Juli eine Reihe von vier Aufträgen zur Senkung der Arzneimittelpreise unterzeichnet.“ Darunter unter anderem für Insulin und Adrenalin. Die Entscheidung ziele außerdem darauf ab, ein „Schatten-System von Zwischenhändlern“ zu beenden.

    Weitere Details würde das Weiße Haus in den nächsten Tagen vollständig vorstellen.

    Pharma-Aktien brechen bereits ein

    „Trump erhöht mit einer neuen Verordnung zur Senkung der Arzneimittelpreise den Druck auf Pharmakonzerne in den USA“, meldete die Nachrichtenagentur Reuters Anfang der Woche. „Der neue Erlass, der weniger als zwei Monate vor den US-Präsidentschaftswahlen am 3. November erfolgt, würde eine Verordnung Trumps vom 24. Juli ersetzen.”

    An den Börsen in Europa setzte die Entscheidung Trumps „die Pharma-Werte unter Druck. Der europäische Pharma-Branchenindex notierte am Montag 0,1 Prozent schwächer und tendierte damit so schlecht wie kein anderer Branchenindex.“ Experten schätzen, dass diese neue Preis-Politik die Pharma-Industrie hart treffen könnte. Von einer „Trump-Keule gegen ‚Pfizer‘, ‚Merck‘ und Co“ berichtet aktuell das Finanz-Fachblatt „Der Aktionär“: „Dem US-Präsidenten sind die ausufernden Medikamentenkosten im Land schon lange ein Dorn in Auge. Mit einer Verfügung will er die Pharmakonzerne nun dazu zwingen, die Preise zu senken. Die Branche fürchtet um Milliardeneinnahmen.“

    Trumps Verfügung bedeute, dass US-Pharma-Unternehmen und das öffentlich wie bundesstaatlich organisierte US-Krankenversicherungs-Konstrukt „Medicare“ für ihre Produkte „nur so viel berechnen dürfen, wie sie es in internationalen Märkten tun. Amerika gilt als Industrienation mit den höchsten Arzneimittelpreisen.“ Von der neuen Regelung „wären alle großen US-Pharmakonzerne betroffen. (…) Die größte Handelsgruppe der Branche (…) prangerte Trumps Schritt als ‚rücksichtslosen Angriff‘ auf genau die Unternehmen an, die rund um die Uhr daran arbeiten, um ein Medikament zur Behandlung von Corona zu erforschen.“

    Washingtons Beschwerde: „Wir zahlen höhere Arznei-Preise als der Rest der Welt“

    Der Bedarf „an erschwinglichen Medikamenten“ sei derzeit besonders akut, so die Erklärung der US-Regierung weiter. Die Covid-19-Pandemie habe in den USA zu einer historischen Arbeitslosigkeit geführt, „einschließlich des Verlusts von 1,2 Millionen Arbeitsplätzen bei US-Amerikanern ab 65 Jahren im März und April 2020“. Die Krise „hat auch zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise geführt und die Budgets vieler US-Senioren belastet. Insbesondere derjenigen, die von festen Einkommen leben.“

    US-Amerikaner zahlten demnach mehr pro Kopf für verschreibungspflichtige Medikamente als Einwohner eines anderen Industrielandes der Welt. Es sei nicht hinnehmbar, dass sie „mehr für genau dieselben Medikamente bezahlen, die oft an genau denselben Orten hergestellt werden“. Auch um diese Bevölkerungsgruppen zu entlasten, sei das neue Gesetzesvorhaben erlassen worden.

    Nach Informationen der Trump-Administration zahlen in den meisten Ländern und „Märkten die größten Käufer (z. B. durch Massenbestellungen, Anm. d. Red.) die niedrigsten Preise. Dies gilt jedoch nicht für verschreibungspflichtige Medikamente. Die US-Regierung ist weltweit der größte Zahler für verschreibungspflichtige Medikamente; zahlt jedoch mehr als viele kleinere Käufer, einschließlich anderer Industrienationen.“ Wenn Washington ein Medikament erwerbe, das unter die in der Order beschriebenen Bedingungen fällt „und dessen Kosten von US-amerikanischen Steuerzahlern und Senioren, die das Medikament einnehmen, getragen werden, sollte die Regierung mindestens auf dem niedrigsten Preis bestehen, zu dem der Hersteller dieses Medikament an andere Industriestaaten verkauft“.

    „Unfaire Praxis beenden“

    Hohe Arzneimittelpreise in den USA seien nicht nur unfair, sondern „haben auch schwerwiegende wirtschaftliche und gesundheitliche Folgen für behandlungsbedürftige Patienten. Hohe Preise führen dazu, dass US-Amerikaner zu viel von ihren knappen Ressourcen für pharmazeutische Behandlungen (…) verwenden. Hohe Preise sind auch ein Grund, warum viele Patienten Dosen ihrer Medikamente überspringen, weniger als die empfohlenen Dosen einnehmen oder die Behandlung ganz abbrechen.“ Dies habe Trumps „Nationaler Wirtschaftsrat“ (Original: „National Economic Council“) festgestellt.

    Regierungen anderer Länder regulieren die Arzneimittelpreise, „indem sie mit den Arzneimittelherstellern verhandeln, um sich Schnäppchenpreise zu sichern. Die US-Amerikaner müssen den Unterschied ausgleichen und so Innovationen und kostengünstigere Arzneimittel für den Rest der Welt effektiv subventionieren“, kritisiert Washington. Dies wolle die Trump-Regierung nun ändern.

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    Preise, Pharma-Konzern, USA, Donald Trump