12:37 29 Oktober 2020
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    Ein Panzerverband der US-Armee hat sich in Litauen abgesetzt. Amerikanische Kampfhubschrauber waren da schon vor Ort. Ein Manöver läuft an, unter dem Decknamen „Atlantic Resolve“. Die Nato will Entschlossenheit zeigen, während die Verantwortlichen beschwichtigen, der Aufmarsch sei keine Aufregung wert – „nur Rotation“.

    Auf dem Truppenübungsplatz im litauischen Pabrade ballt sich eine kleine Streitmacht zusammen: Amerikanische Kampfpanzer, Schützenpanzer, gepanzerte Geländewagen zu Dutzenden. Kampfhubschrauber wie Apache und Black Hawk hatten die amerikanischen Streitkräfte vorher bereits nach Litauen verlegt. Das Truppenübungsgelände liegt 15 Kilometer vor der weißrussischen Grenze – und das weißrussische Verteidigungsministerium hat nachgezählt: 500 Soldaten, 29 Kampfpanzer und 43 Schützenpanzer sind dort gegenwärtig aufgelaufen.

    Die Regierung der baltischen Republik erklärt, amerikanische Soldaten würden mit litauischen Kräften die gemeinsame Operationsführung üben. Das Manöver sei planmäßig und gegen Drittstaaten nicht gerichtet. „Es ging unter Obama los, das Manöver ‚Atlantic Resolve‘ – ein Deckname für die rotationsmäßige Entsendung amerikanischer Truppen nach Europa“, erklärt Militärexperte Artjom Kurejew, Mitglied des Waldai-Klubs.

    „Zu den Ereignissen in Weißrussland hat das Manöver keinen direkten Bezug. Dennoch hält nicht mal die Corona-Pandemie die amerikanischen Streitkräfte auf. Sie halten sich strikt an den Rotationsplan und ziehen das geplante Manöver durch.“

    Nicht zu übersehen ist, dass Litauen von den USA geradezu verlangt, so häufig wie möglich Truppenübungen auf litauischem Boden auszurichten. Für den angenehmen Aufenthalt der Verbündeten im Land zu sorgen, ist derweil eine der selbstauferlegten Hauptpflichten der Regierung in Vilnius.

    „Die Nato-Gruppe im Baltikum wird sicherlich nicht kleiner werden. Zu bequem ist diese Art von Zusammenarbeit mit den USA für die Regierenden in den baltischen Staaten. Man demonstriert den Wählern Anstrengungen gegen die ‚Bedrohung aus Russland‘ und verdeckt damit alle weiteren Themen wie die miserable Wirtschaftsentwicklung, die unausgelasteten Ostseehäfen, den Unmut der russischsprachigen Minderheiten“, erklärt Experte Kurejew.

    An dieser transatlantischen Hilfe hängen die baltischen Regierungen so sehr, dass sie bereit sind (im Unterschied etwa zu Deutschland), die fremde Armee auf eigenem Boden üppig zu versorgen: Die Ausgaben für die Infrastruktur und die Mobilität der amerikanischen Truppen im Baltikum sind enorm, die Militärpräsenz der Amerikaner – Alltag.

    Die „Atlantic Resolve“ genannte Operation läuft seit 2014, seit der Wiedervereinigung der Krim mit Russland. Unter dem Vorwand, Russland verhalte sich aggressiv, schicken die Amerikaner ihre Truppen kreuz und quer durch Europa, wobei dieses Heer Truppennachzug um Truppennachzug anwächst.

    Binnen sechs Jahren hat die Nato ihre Schlagkraft unweit der russischen Grenzen nach Einschätzung von Experten verdoppelt. Sergej Schoigu, der russische Verteidigungsminister, sagte dazu, die Nordatlantikallianz wünsche sich die Verhältnisse des Kalten Krieges zurück: Militärische Einrichtungen in Osteuropa würden verstärkt, Anlagen zur Raketenabwehr weiter ausgebaut.

    Der größte Brückenkopf des Pentagons in Osteuropa befindet sich in Polen: 4500 vollausgerüstete amerikanische Soldaten halten sich dort gegenwärtig auf, zusätzliche 1000 werden bald dorthin verlegt. Den Ausbau der militärischen Zusammenarbeit haben Washington und Warschau mit einem Vertrag fest betoniert.

    Laut dem Dokument soll Polen noch stärker in die Führungsstrukturen der US-Armee eingebunden werden. Auf polnischem Gebiet sollen Armeeausbildungszentren entstehen sowie alle erforderliche Infrastruktur für die Aufnahme von Spezialkommandos und Luftstreitkräften, insbesondere von Transportfliegern. Dabei weichen die USA den Bestimmungen der Nato-Russland-Grundakte aus, die die Nordatlantikallianz seit 1997 dazu verpflichtet, keine wesentlichen Kräfte dauerhaft an der Ostflanke zu stationieren.

    Stattdessen verlegt die Nato mehrere Flugzeug- und Hubschrauberstaffeln ins östliche Europa. In Polen sind Kampfjets F-16 und Großraumfrachter C-17 stationiert worden. Auch ein Drohnengeschwader der kampf- und aufklärungsfähigen MQ-9 Reaper ist in Polen aufgestellt worden. Nach Litauen werden rotationsmäßig Kampfjets der Nato-Nationen entsandt, um den Luftraum im Ostseegebiet permanent überwachen zu können. Um noch mehr Eindruck zu machen, schickt das Pentagon dann und wann seine neuesten Kampfjets F-22 und F-35 in die Region.

    Und nicht nur die. Ende August haben drei Großbomber B-52 Raketenschläge gegen das russische Ostseegebiet Kaliningrad simuliert. In Großbritannien gestartet, flogen die strategischen Bombenflugzeuge über den Niederlanden, Deutschland, Polen in Richtung des estnischen Truppenübungsplatzes Tapa, wo die simulierten Raketenschläge gegen russisches Territorium erfolgten.

    Anfang September patrouillierten dann amerikanische B-52-Bomber über der Ukraine. Erstmalig flogen drei dieser Maschinen in Begleitung ukrainischer Kampfjets von der westlichen Grenze des Landes ans Asowsche Meer und zurück. Zehn Überflüge amerikanischer Bomber im Luftraum West- und Osteuropas zählten die russischen Luftstreitkräfte allein in der Woche vom 28. August bis 4. September.

    Nebenher patrouillieren Dutzende Aufklärungsflugzeuge der Nato ohne Unterbrechung entlang der russischen Grenzen. Für die russische Luftwaffe gehört es mittlerweile zum Alltag, mehrmals am Tag Kampfjets zu Begleiteinsätzen und Verwarnungen zu alarmieren. Immerhin: „Russland reagiert sehr viel gelassener als andere Länder auf Einsätze zur Simulation von Raketenschlägen gegen russisches Territorium“, erklärt der Experte Kurejew. Andere Streitkräfte hätten sofort alle Muskeln spielen lassen, Russland begnüge sich mit Alltagsmanövern.

    Bedrohungspotenziale erzeugt die Nato auch auf See. Im Schwarzen Meer sind Nato-Schiffe inzwischen zu „Dauergästen“ geworden. Ende des Sommers schickten die USA ein Atom-U-Boot an die norwegische Küste, kurz vorher trainierten Kampfschiffe der Militärallianz in nordatlantischen Gewässern die Schiffsjagd. Im Mai dieses Jahres war die US-Marine in die Barentssee eingelaufen – erstmals seit 30 Jahren. 

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    Tags:
    Truppenkonzentration, Schwarzes Meer, Kaliningrad, Russland, Polen, Atlantic Resolve, Weißrussland, USA, Litauen