13:44 29 September 2020
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    Nachdem TikTok das Angebot des US-Giganten Microsoft, der das chinesische soziale Netzwerk schlucken wollte, abgelehnt hat, legt nun eine Gruppe von Software-Entwicklern von Oracle ein neues Angebot vor. Dies wurde in dieser Woche bekannt.

    Politologen und Experten für Cybersicherheit halten es für möglich, dass die Amerikaner auch TikTok und andere ausländische soziale Netzwerke beobachten werden.

    Am 13. September schloss Oracle einen Vertrag mit der TitTok-Mutterfirma ByteDance ab – und wurde dadurch zum „zuverlässigen technologischen Partner“ der Chinesen in den USA. In dieser Woche wird sich der Ausschuss für ausländische Investitionen (CFIUS) mit diesem Deal befassen, der die Gründung eines Großunternehmens mit 25.000 Arbeitsplätzen mit Sitz in den Vereinigten Staaten vorsieht.

    Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump unter Berufung auf Sicherheitsgründe gedroht, TikTok in seinem Land total zu unterbinden, falls die Aktivitäten des sozialen Netzwerkes nicht von einem US-Unternehmen kontrolliert werden sollten. Als „Deadline“ für die Regelung dieser Frage legte er den 15. September fest.

    ​Einzelne Details des Deals sind zwar vertraulich, aber bei Oracle betrachtet man ihn nicht als einen Kauf- bzw. Verkauf. Zuvor hatte ByteDance ein von Microsoft unterbreitetes Angebot zum TikTok-Kauf zurückgewiesen.

    „Oracle wird zu den Augen und Ohren der US-Regierung“

    „Bei dem Deal zwischen Oracle und ByteDance geht es um Partnerschaft zur Datenaufsicht, aber nicht um einen Verkauf“, erläuterte Daniel Ives, der Verwaltungsdirektor für den Aktienmarkt bei der Firma Wedbush Securities.

    Er zeigte sich überzeugt, dass Microsoft nie an einer Partnerschaft mit dem chinesischen Unternehmen interessiert gewesen sei. In Wahrheit wollte der IT-Riese TitTok und dessen modernste Algorithmen kaufen. Aber laut dem chinesischen Nachrichtensender CGTN veröffentlichte die chinesische Führung Ende August eine neue Liste von Technologien, deren Export untersagt ist. „Das zeugt wohl davon, dass die im TikTok-Algorithmus eingesetzte Technologie ohne Zustimmung der Staatsführung nicht exportiert werden darf“, so der Experte.

    „Oracle wird zum technologischen Partner für TikTok – und zu den Augen und Ohren für die US-Regierung in Fragen der nationalen Sicherheit“, ergänzte Ives.

    Die Aufmerksamkeit des Weißen Hauses für TikTok zeuge davon, dass die US-Regierung „das Vorgehen ausländischer Unternehmen kontrollieren will, und zwar durch Einführung strenger Regeln dafür, wie diese mit persönlichen Daten und Informationen US-amerikanischer Nutzer umgehen sollten“, sagt der Cybersicherheitsexperte Pierluigi Paganini.

    „Oracle wird die US-Regierung bei der Beobachtung der Aktivitäten des chinesischen Unternehmens vertreten“, betonte er. Rein technisch werde sich kaum etwas ändern, „jedenfalls, wenn Oracle als ‚technischer Partner‘ fungieren wird. Das alles ist darauf ausgerichtet, zu verhindern, dass die chinesische Regierung die Daten US-amerikanischer Nutzer sammelt und eventuell missbraucht.“

    Zuvor hatte TikTok alle Vorwürfe entschlossen zurückgewiesen, das soziale Netzwerk hätte die Nutzerdaten illegal gesammelt.

    Das Aufsehen um die extrem populäre chinesische App sei „nichts als ein Versuch Washingtons, das Monopol der großen US-amerikanischen sozialen Netzwerke aufrechtzuerhalten“, meint der US-amerikanische Journalist und politische Analyst Caleb Maupin.

    „Unter den sozialen Netzwerken dominieren US-amerikanische Unternehmen, und die Angst vor dem unvermeidlichen Übergang zur Multipolarität ist groß“, betonte er. „Mit TikTok sind große Befürchtungen verbunden, dass die Wall Street und London die Kontrolle über soziale Netzwerke verlieren.“

    TikTok ist allerdings nicht die einzige chinesische Internetplattform, die großes Interesse vonseiten Washingtons hervorruft. Gleichzeitig setzte sich Präsident Trump – und ebenfalls aus Sicherheitsgründen – mit  der WeChat-App auseinander, die von der chinesischen Firma Tencent entwickelt wurde und gleichzeitig ein soziales Netzwerk, ein Messenger und auch ein Programm für mobile Geldüberweisungen ist.

    Zudem leitete der US-Staatschef einen regelrechten „Kreuzzug“ gegen chinesische Telekom-Giganten ein. Ende Juni 2020 nannte die Föderale Kommission für Kommunikationswesen die chinesischen Konzerne Huawei und ZTE „gefährlich für die nationale Sicherheit und für US-amerikanische Kommunikationsnetze“, weil die beiden „enge Kontakte mit der Kommunistischen Partei Chinas und dem Militärapparat Chinas pflegen“. Huawei und ZTE behaupteten ihrerseits, keine Spionage im Interesse Pekings zu betreiben.

    Oracle-ByteDance-Deal schlägt immer noch hohe Wellen

    Manche US-amerikanische Experten für Cybersicherheit haben inzwischen ihre Zweifel am Vertrag zwischen Oracle und ByteDance zum Ausdruck gebracht, während Trump dem Deal immer noch nicht zugestimmt hat, der noch in dieser Woche abgewickelt werden soll.

    Die auf Computertechnik spezialisierte Website The Verge stellte angesichts dessen fest, dass Oracles Status als „vertrauter Partner“ zwar „einige Audit-Codes vorsieht“, doch das sei noch keine Garantie dafür, dass ByteDance „beim Schmuggel schädlicher Software behindert wird, falls die Firma das tun will“.

    Der frühere Chef des Facebook-Sicherheitsdienstes, Alex Stamos, schrieb seinerseits auf Twitter, dass „das Abkommen, in dessen Sinne Oracle das Hosting ohne den Referenzcode und ohne wesentliche operative Veränderungen übernimmt, die Angst vor TikTok nicht vom Tisch räumen kann“. Unter Berufung auf Trumps Erlass zum TikTok-Verbot vom 6. August betonte Stamos, dass, wenn das Weiße Haus den Deal akzeptieren sollte, „wäre das ein Beweis dafür, dass dies ein lupenreiner Betrug war“.

    Experten zweifeln auch daran, dass der so intensiv debattierte Deal mit TikTok die Situation in den USA so schnell regeln könnte.

    „TikTok hat sich enorm viel Mühe gegeben, um den Anforderungen des US-amerikanischen außenpolitischen Apparats zu entsprechen – doch das hat kaum etwas geändert“, stellte Caleb Maupin fest.

    Daniel Ives meint seinerseits, dass TikTok und seine Inhalte künftig „noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnten, wenn man die Zuspitzung der Situation um TikTok zwischen Peking und Washington bedenkt“.

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    Tags:
    USA, Plattform TikTok