07:57 23 Oktober 2020
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    „Ständige Präsenz“ ist das Ziel der US-Streitkräfte in der Arktis, so aktuell ein US-amerikanisches Militärmagazin. Es räumt aber ein: „Bisher senden Washington, US-Militär oder Kongress kaum Signale, wie das umgesetzt werden soll.“ Im Vergleich dazu verfolge Russland in der Nordpol-Region eine „kohärente Strategie“. Sputnik auf Spurensuche.

    Von einer „dramatischen und kaum überraschenden“ Entwicklung in der Arktis berichtet aktuell das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Die Eisdecke rund um den Nordpol „schmilzt weiter“ und schwinde drastisch. „In diesem Sommer so stark wie noch nie.“ Der Ausblick sei fatal, warnen Polarforscher.

    Das „Meereis in der Arktis schmilzt auf den geringsten Wert seit acht Jahren“, meldete der Deutschlandfunk (DLF) am Dienstag. „Dies teilte das Nationale Schnee- und Eisdaten-Zentrum der USA unter Berufung auf Satellitendaten mit.“ Die Forscher würden vor einem „deutlichen Trend“ warnen. Demnach handle es sich um den zweitkleinsten Wert seit Beginn der Messungen vor mehr als 40 Jahren. „Man bewege sich in Richtung eines saisonal eisfreien Arktischen Ozeans, warnte die Behörde.“

    Das arktische Meer besaß am 15. September in diesem Jahr während der jährlichen Sommerschmelze „seine geringste Ausdehnung“ bei etwa 3,74 Millionen Quadratkilometern. „Weniger Meereis gab es rund um den Nordpol bisher nur einmal im Jahr 2012.“

    Arktis: „Wettbewerb der Militär-Mächte verschärft sich“

    Das Schmelzen der Eiskappen am Nordpol habe militärische Konsequenzen, berichtete das US-Fachmagazin „Defense News“ am Mittwoch in einem Kommentar. Darin wird gesagt, dass sich „in der auftauenden Arktis der Wettbewerb der Militär-Großmächte untereinander verschärft: Und die USA müssen reagieren.“

    Der Bericht – verfasst von einem ehemaligen nationalen Sicherheitsberater im US-Senat – beschreibt, was Sputnik bereits Mitte September berichtete: US-Politiker hätten die Arktis als strategische Region lange verkannt.

    „Russland und China sind in einer sich schnell verändernden Arktis beschäftigt, und Amerika scheint es kaum bemerkt zu haben. Die USA konzentrieren sich auf andere Bereiche und sind schlecht vorbereitet, um in der auftauenden sowie ressourcenreichen Region zu konkurrieren.“ Die Arktis biete darüber hinaus „Gegnern der USA“ Möglichkeiten, sich dem US-amerikanischen Festland zu nähern.

    „Wenn Amerika effektiv gegen Russland und China antreten will, muss Washington erkennen, dass sich die Konkurrenz auch in der Arktis abspielt – und entsprechend handeln“, fordert der Kommentator.

    „Riesige Vorkommen“ an Öl, Gas und Seltenen Erden vermutet

    „Das steigende Interesse und die Aktivität in der Arktis fallen weitgehend mit dem anhaltenden Rückzug des Meereises zusammen. Entsprechend hat der Schiffsverkehr in Gewässern nördlich der Beringstraße in den letzten zehn Jahren um 128 Prozent zugenommen.“ Es werde erwartet, dass dies künftig noch weiter zunehmen werde, „wenn die Region in den nächsten 15 bis 30 Jahren eisfreie Sommer erleben wird“.

    Der arktische Auftauprozess wiederum werde den Zugang zu „riesigen Vorkommen von Öl, Erdgas, nachgefragten Mineralien und Seltenen Erden ermöglichen“ sowie auch deutlich kürzere Seewege. Dies sei „keine Kleinigkeit, denn in der Arktis werden schätzungsweise 22 Prozent der unerschlossenen Öl- und Erdgasressourcen der Welt vermutet“.

    „Russland hat neue Situation am Nordpol schnell genutzt“

    Russland habe die neuen Bedingungen im Norden „schnell genutzt“, auch weil das Land über „nicht genügend Warmwasserhäfen verfügt“. Moskau habe viel in militärische Aktivitäten in der Arktis investiert und ein auf die Eis-Region ausgerichtetes „gemeinsames strategisches Kommando eingerichtet“.

    Dazu würden 50 arktische Standorte Russlands mit Flugplätzen, Radar- und Rettungsstationen sowie „16 Tiefwasserhäfen“ gehören. Moskau sei bestrebt, seinen eigenen Zugang zur Region zu sichern.

    Das US-Magazin warnt davor, dass die Russische Föderation anderen Staaten „diesen Zugang verweigern könnte, etwa durch illegale Durchgangsbeschränkungen für die Nordseeroute“. Noch alarmierender sei der Vorwurf, Russland habe im vergangenen Jahr angeblich „einen ‚Bastion‘-Marschflugkörper“ direkt an der Küste über der Beringsee nahe Alaska eingesetzt.

    „Strategische Zusammenarbeit zwischen China und Russland in Arktis“

    Laut einem früheren Kommandeur des US-Nordkommandos (US NORTHCOM) könnte Moskau dieses System nutzen, um „den Zugang zur Arktis über die Beringstraße zu kontrollieren, aber auch um Ziele in Alaska ohne Vorwarnung durch militärische Geschosse zu treffen“.

    China sei momentan ebenso wie Russland in der Arktis recht aktiv und handle „zielgerichtet: Peking erhielt den Beobachterstatus beim Arktischen Rat, navigierte Kriegsschiffe durch US-Hoheitsgewässer, betrieb Forschungsstationen in Norwegen und Island, setzte zwei Eisbrecher ein, um die ‚Forschung‘ in der Arktis voranzutreiben.“ Außerdem bringe die Volksrepublik schon seit einiger Zeit die sogenannte „Polare Seidenstraße“ ins Gespräch.

    Pekings Streben nach einer arktischen Infrastruktur mit doppeltem Verwendungszweck – also zivil wie militärisch – werfe Fragen auf, kritisiert das US-Militärmagazin. Demnach äußerte das US-Verteidigungsministerium bereits Bedenken hinsichtlich von „Anzeichen einer entstehenden, aber wachsenden strategischen Zusammenarbeit zwischen China und Russland“. Sowohl weltweit als auch in der Arktis.

    Sorgenfalten in Washington: USA „kaum präsent und aktiv“ in Arktis-Region

    Alles Entwicklungen, die dem Bericht zufolge in Washington Sorgen auslösen. Die Vereinigten Staaten seien in der Nordpol-Region „relativ inaktiv“. „Vielleicht wird dieser schlechte Zustand der US-Politik in der Arktis am besten durch den US-Eisbrecher „Healy“ verkörpert, der dieses Jahr aufgrund eines Motorbrandes früh vom Betrieb zurückkehren musste – das ist Amerikas einziger mittelpolarer Eisbrecher.“

    Das Problem für die USA dabei: Es gebe derzeit „keine Prognose“ über dessen Wiederinbetriebnahme. Momentan „besitzen die USA keinen einsatzfähigen Eisbrecher zur Unterstützung der Arktis“. Präsenz sei gleichzusetzen mit Einfluss, konstatieren US-Militärexperten. Diese fehle jetzt in der eiskalten Region.

    „Und Amerikas erster neuer ‚Polar Security Cutter‘ soll erst 2024 ausgeliefert werden.“ Die US-Regierung hinke „ein paar Jahrzehnte hinterher“, was Militäraktivitäten in der Arktis betreffe.

    „In erstaunlichem Gegensatz dazu hat Russland 54 Eisbrecher, viele davon bewaffnet und einige mit Atomkraft betrieben. (…) Die USA können nicht effektiv mit Russland und China konkurrieren, indem sie die Arktis weiterhin vernachlässigen. Moskau und Peking schätzen die Bedeutung der Arktis und ergreifen dementsprechende Maßnahmen.“

    Das Fehlen von US-Eisbrechern in der Arktis sei nur einer von vielen Fällen, in denen die Fähigkeiten und Kapazitäten der USA „hinter den regionalen Anforderungen zurückbleiben“. Weitere wesentliche Defizite seien das Fehlen eines strategischen arktischen US-Hafens oder nicht vorhandene „Schiffe der US-Marine und Küstenwache zum Befahren der polaren Wasseroberflächen.“

    Fehler der US-Politik

    2019 hatte das Pentagon dem US-Kongress bereits eine Arktisstrategie vorgelegt. „Aber ohne dringende Maßnahmen ist das ohne Effekt, um die gewünschten Ziele und verfügbaren Mittel zu erreichen; so riskiert Washington eine strategische Insolvenz im Norden“, bilanziert „Defense News“.

    Washington müsse jetzt handeln, wolle „man sich eine bessere Position im Wettbewerb um die Arktis verschaffen“. So sollte der Kongress den Bau eines neuen Tiefwasserhafens in Alaska unterstützen, die Anmietung oder den Erwerb neuer Eisbrecher prüfen sowie die Seestreitkräfte anweisen, polarfähige Schiffe anzuschaffen.

    Außerdem sollte mit dem Nordkommando der US-Streitkräfte eine „Nationale Verteidigungsstrategie für die Arktis“ formuliert werden, so der Kommentar.

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    Tags:
    China, USA, Russland, Arktis