07:08 22 Oktober 2020
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    Briten und Amerikaner trainieren seit Tagen ukrainische Soldaten. Nato-Taktiken und westliches Kriegsgerät sollen den Ukrainern zur Gewohnheit werden. Kiew erklärt, man reagiere damit auf das russische Großmanöver in Südrussland. Auch das übergeordnete Ziel der Nato-Ausbildung verschweigt die Kiewer Führung nicht.

    Begonnen haben die „Vereinten Kräfte 2020“ mit der Landung britischer und ukrainischer Spezialeinheiten im Gebiet Nikolajew, einer Region in der Südukraine am Schwarzen Meer. Es war die Erstetappe des größeren Manövers. Fallschirmjäger der Royal British Army, von Transportflugzeugen C-130 „Hercules“ abgesetzt, landeten als Erste auf ukrainischem Boden. Ukrainische Soldaten folgten auf Luftfrachtern Il-76 und An-26. Am Boden angekommen und Übersicht über die Lage gewonnen, machten sich die Trupps zum Sammelpunkt auf, während sie auf dem Weg taktische Aufgaben erledigten.

    Eine Übung dieses Formats erfolge auf dem Gebiet der Ukraine zum ersten Mal, erklärte der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte. Das Ziel: „Praktische Auftragsumsetzung in multinationaler Umgebung gemäß Nato-Standards und -Verfahren sowie Steigerung der Kompatibilität zwischen den Armeeeinheiten der Partnerstaaten“.

    Die Briten lobten das Manöver als die größte Luftlandeoperation der vergangenen Jahrzehnte. Über 450 britische Armeeangehörige nahmen daran teil, befehligt von einem Brigadegeneral. Insgesamt sind an den „Vereinten Kräften“ circa 12.000 Soldaten, 700 Stück Militärtechnik sowie Berater und Beobachter der Nato beteiligt.

    Parallel dazu fand im Gebiet Lwow das „Rapid Trident 2020“ statt, ein Manöver mit Kräften der Ukraine, USA, Kanadas, Deutschlands und Polens – alles in allem 4.000 Mann. Die Amerikaner haben eigens dafür ihre Kipprotorflugzeuge V-22 „Osprey“ (auf Landeeinsätze zugeschnitten) in die Ukraine verlegt. Mit den Maschinen konnten Spezialeinheiten vor Ort erstmals das Absetzen ohne Fallschirme trainieren. Die multinationalen Kräfte übten, in dichtbebauten Städten zu kämpfen, lernten die Verletztenversorgung unter Einsatzbedingungen, tauschten Erfahrungen aus und stellten sich aufeinander im Einsatzalltag ein.

    „Augen auf, Richtung Russland“

    Kiew misst dem Manöver enorme Bedeutung bei, Präsident Selenski war persönlich beim Startschuss anwesend. Bei der Gelegenheit sprach er ausgiebig über die Umstellung der ukrainischen Streitkräfte auf westliche Standards und betonte den Beitritt des Landes zur Nato als strategisches Ziel.

    Die Allianz lässt sich mit der Aufnahme der Ukraine freilich noch Zeit und nutzt währenddessen die vielen Manöver mit dem Partnerland für „Feindaufklärung“. Auf dem Höhepunkt der Übung wurde es im Himmel über dem Schwarzen Meer regelrecht eng vor lauter Nato-Flugzeugen: acht Aufklärungsmaschinen waren darunter. Zuvor hatten strategische Bomber der US Air Force mehrmals Angriffe gegen Ziele auf der Halbinsel Krim aus dem ukrainischen Luftraum heraus simuliert.

    Nato-Manöver Rapid Trident 2020 bei Lwiw
    © Sputnik / Stringer
    Nato-Manöver Rapid Trident 2020 bei Lwiw

    Die Nato-Pläne mit der Ukraine reichen aber noch weiter. Im August dieses Jahres erklärte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace, London werde die Führungsrolle im internationalen Programm zur Ausbildung der ukrainischen Marine übernehmen. Die Ukrainer sollen gedrillt werden in operativer Planung, Navigation, Tauchwesen, See- und Zielaufklärung sowie in der Schadensabwehr an Bord von Kampfschiffen.

    Viele Experten sagen jedoch, mit dem Ausbildungsprogramm für die Ukraine verfolge die Nato andere Ziele nebenher. Mit der Ausbildungsmission könnten die Briten die dauerhafte Präsenz ihrer Marineschiffe im Schwarzen Meer verdecken. Mitte dieses Monats bereits wurde ein mit Sensoren gespicktes Aufklärungsschiff der Royal Navy unweit der Krim-Küste geortet.

    Abgedroschenes Szenario

    Auf dem Truppenübungsplatz Jaworowo bei Lwow bilden Nato-Spezialisten seit 2014 ukrainische Soldaten aus. Im Februar 2016 hatten ausländische Instrukteure die Ausbildung ihrer ersten ukrainischen Einheit abgeschlossen: eines Infanteriebataillons innerhalb einer mechanisierten Brigade. Vom Februar bis Juli 2016 arbeiteten auf Rotationsbasis entsandte Ausbilder aus den USA mit zwei ukrainischen Bataillons zusammen. Seit dem Sommer 2018 waren Berater der amerikanischen Nationalgarde auf dem Truppenübungsplatz Jaworowo im Einsatz, bis sie im Mai letzten Jahres von 130 Angehörigen der amerikanischen Fallschirmjägertruppe abgelöst wurden.

    US-Soldaten beim Nato-Manöver Rapid Trident 2020 bei Lwiw
    © Sputnik / Stringer
    US-Soldaten beim Nato-Manöver Rapid Trident 2020 bei Lwiw

    In toto haben rund 10.000 ukrainische Militärs die „Nato-Schule“ in Jaworowo durchlaufen. Taktik, Zielaufklärung, Panzerabwehr, Patrouilleneinsätze, Logistik und medizinische Versorgung sind Teil dieser Kriegsausbildung. Dort, in Jaworowo, lernen ukrainische Soldaten auch den Umgang mit der amerikanischen Panzerwaffe „Javelin“.

    Was die Ukrainer von der Nato übernehmen, wenden sie in gemeinsamen Manövern mit der Nato unverzüglich an. Gelegenheiten dazu gibt es reichlich. Allein im letzten Jahr fanden in der Ukraine das „Rapid Trident“, „Sea Breeze“, „Riverain“, „Warrior Watcher“ und andere Manöver statt. Für die Teilnahme der ukrainischen Armee an Nato-Übungen in diesem Jahr hat Kiew 2,55 Millionen Dollar ausgegeben.

    Aus der Anti-Russland-Ausrichtung dieser vielen Truppenübungen wird kein Hehl gemacht. Die Übungslage folgt vielfach einem primitiven wie abgedroschenen Szenario: ein „Aggressor“ destabilisiert die Lage in der Ukraine mit dem anschließenden Versuch, das Land zu „besetzen“. Ein multinationaler Verband „verbündeter“ Truppen setzt zur Verteidigung an und befreit die besetzten Gebiete.

    Dass es zu diesem Szenario nicht kommen muss, ist allerdings so offenkundig, dass auch die Nato es erkennen könnte. Die Allianzstrategen müssten nur mal ihre Vorstellungen mit der Realität abgleichen und mit dem, was die russische Seite seit Jahren immerwährend über alle Kanäle erklärt.

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    Großübungen „Rapid Trident, Ukraine, NATO