05:40 22 Oktober 2020
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    Die amerikanische Luftwaffe stationiert demnächst Kampfjetverbände in Alaska so stark wie auf keinem anderen Stützpunkt der USAF. Tarnkappenjets zählen ebenso dazu wie Überschallbomber. Offizielle erklären, man müsse Russland auch in dieser Region klare Grenzen setzen. Experten erkennen wirtschaftliche Motive.

    Es wird das größte Geschwader von Tarnkappenjets in der Arktis: 150 Flugzeuge des Typs F-22 „Raptor“ und F-35 „Lightning“ – so viele wie auf keinem anderen Stützpunkt der amerikanischen Luftwaffe. Die ersten 50 F-35 sind bereits im Frühjahr nach Alaska verlegt worden, nun sollen an die anderthalbtausend Soldaten als Bodenpersonal folgen. Die Kampfjets müssen auf den Einsatz unter den harschen Bedingungen der Arktis vorbereitet werden, die Piloten sind entsprechend zu schulen. Das offizielle Ziel der Verlegung lautet wie eine Schutzmission: man müsse Russland einhegen.

    „Alaska liegt fernab des amerikanischen Gebiets und dient deshalb als Brückenkopf gegenüber Russland. Nur eine Meerenge trennt hier Russland und die USA, die Staatsgrenze verläuft jeweils in Sichtweite. Für Washington ist dies eine strategische Region“, erklärt der Militärexperte und ehemalige Kampfpilot Wladimir Popow im Sputnik-Gespräch. „150 Jagdflugzeuge bedeuten für den Luftwaffenverband in Alaska mindestens eine Verdoppelung des Kampfwerts.“

    Gegenwärtig ist in Alaska auf zwei Stützpunkten – den Flugbasen Eielson und Elmendorf-Richardson – die 11. Air Force beheimatet: der größte Verband der amerikanischen Luftstreitkräfte im Norden der Pazifikregion. Die Flugzeuge dieses Geschwaders überwachen das Beringmeer und spähen bis in den Osten Russlands hinein. Der Hauptauftrag ist die Luftverteidigung und die Luftunterstützung des Indo-Pacific Command der US-Armee.

    Strategischer Brückenkopf

    An Bodentruppen halten die USA in Alaska lediglich zwei Infanteriebrigaden mit Artillerie und Truppentransportern vor. Als maritime Kraft ist allein die Küstenwache vorhanden. Ein richtiger Marinehafen fehlt, auch weil die Navy nur über wenige eisbrechende Schiffe verfügt. Allerdings hat die Regionalregierung den Bau eines Hochseehafens in Alaska angekündigt – als Signal an Russland und China, dass die Vereinigten Staaten es mit ihren Interessen in der Arktis ernst meinten.

    Experten werten das Signal als Ausdruck für den expansiven Kern der amerikanischen Militärdoktrin und als weiteren Versuch, Russland in ein Wettrüsten hineinzuziehen. „Die Kräfte der russischen Luftwaffe sind in dieser Region begrenzt“, erklärt der ehemalige Kampfpilot. „Die Luftstreitkräfte haben Abfangjäger auf Kamtschatka und Sachalin, die Seestreitkräfte verfügen über Marineflieger. Zählt man aber die Flugzeuge zusammen, kommt man allerhöchstens auf ein Regiment – dem amerikanischen Verband zahlenmäßig unterlegen. Zum Schutz des eigenen Gebietes sind Flugabwehrstellungen und Frühwarnradare aufgestellt. Die USA haben also nichts zu befürchten. Russland hält an der Grenze zu Alaska eine Verteidigungsposition.“

    Die Stationierung eines Großverbands der US Air Force in relativer Nähe zur russischen Grenze erfordere Gegenmaßnahmen auf russischer Seite, betont der Experte. Einiges wird auch schon unternommen: Entlang der russischen Nordküste werden Flugplätze für Abfangjäger reaktiviert und modernisiert, es entstehen Stützpunkte der Infanterie, die Flugabwehr wird ausgebaut.

    Daher stuft der Militärexperte Konstantin Siwkow die Stationierung zusätzlicher Kampfflugzeuge in Alaska zwar als eine Bedrohung für Russland ein – jedoch als eine beherrschbare:

    „Der Einsatzradius amerikanischer Flugzeuge erfasst zwar ganz Kamtschatka, aber die russischen Abfangjäger MiG-31BM verfügen über Abwehrraketen, welche die Gefahren in der Luft neutralisieren können ohne von der Gegenseite geortet zu werden. Mit der Unterstützung der Bodenradare, die im Meter-Bereich arbeiten, gelingt das erst recht.“

    Begegnungen zwischen amerikanischen und russischen Luftstreitkräften über dem Beringmeer sind ohnehin keine Seltenheit. Ende August patrouillierten russische Seefernaufklärer Tu-142 in rund 100 Kilometern Abstand zur Grenze der USA, ohne auch nur ein einziges Mal in den amerikanischen Luftraum eingedrungen zu sein. Die US Air Force schickte mehrere F-22 mit Unterstützung von Lufttankern zur Sichtkontrolle und Begleitung der russischen Maschinen.

    Anfang September entsandte die USAF mehrere B-1B-Bomber in die Arktis. Gestartet in Texas flogen die Überschalljets entlang der russischen Grenze über der Ostsibirischen See und landeten nach der Mission auf der Eielson Air Base.

    Zu erwarten ist derweil, dass die USA ihre Kräfte in der Region weiterhin verstärken, wie es die Arktis-Doktrin der Vereinigten Staaten ja auch erfordert. Darin heißt es unter anderem, die mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen in der Nordpolarregion würden die Konkurrenz um die wirtschaftliche Nutzung dieser Gebiete anspornen. Man müsse sich auf Kampfeinsätze in der Arktis vorbereiten. Den größten Rivalen – Russland und China – müsse primär mit Luftwaffe und Streitkräften im Weltraum begegnet werden.

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    USAF, Beringmeer, Alaska, Tarnkappentechnik, F-22 Raptor, F-35, Tu-142, Russland, USA