08:19 23 Oktober 2020
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    Eine Taskforce im US-Kongress bezeichnet Russland und China als existenzielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten und gibt dem Pentagon einen klobigen Leitfaden an die Hand, wie diese zu neutralisieren sei. Bio- und IT-Soldaten sollen die Lösung bringen.

    Eine Taskforce im US-Kongress bezeichnet Russland und China als existenzielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten und gibt dem Pentagon einen klobigen Leitfaden an die Hand, wie diese zu neutralisieren sei. Bio- und IT-Soldaten sollen die Lösung bringen.

    Fortschritte bei Cyberwaffen, Quantencomputern, Weltraum- und Biotechnologien führten bald dazu, dass die konventionelle Kriegführung endgültig in die Geschichte eingehe. Das schreiben Mitglieder einer Sondergruppe im US-Kongress: einer „Taskforce für die Zukunft der Verteidigung“ (Future of Defense Task Force, FDTF). Im Oktober letzten Jahres wurde dieses Gremium gegründet, um eine „Widerstandsstrategie“ gegen Russland und China auszuarbeiten. Nun sind erste Ergebnisse dieser Arbeit als 87-seitiger Bericht verfügbar.

    Bewaffnete Konflikte würden nicht mehr mit Luftangriffen, anschließenden Truppenlandungen und massiven Bodenoperationen beginnen, heißt es in dem Bericht, sondern mit punktuellen Hackerattacken auf die kritische Infrastruktur des Gegners: Stromnetze, Banken, Krankenhäuser. Kämpfe würden im Welt- und Cyberraum ausgetragen: Hier zu gewinnen hieße, den angegriffenen Staat lahmzulegen.

    Dass auch die Gegner der Vereinigten Staaten diese Methoden beherrschen, steht für die Kongressexperten außer Zweifel. Statt es mit der mächtigen Militärmaschinerie der USA aufzunehmen, würden sie es im Konfliktfall mit einigen punktuellen und nicht allzu kostspieligen Schlägen versuchen, diese gewaltige Streitmacht unschädlich zu machen.

    Zum Schutz gegen diese Bedrohung fordert die Taskforce massive Investitionen in die Wissenschaft: mindestens 3,4 Prozent des Rüstungshaushalts sind nach Ansicht dieser Experten für die Entwicklung neuer Technologien auszugeben. Die US-Armee ist zu verpflichten, diese Technologien dann auch in die einzelnen Truppengattungen aufzunehmen.

    Ein Schlaglicht wirft die FDTF auf die Künstliche Intelligenz.

    „Die KI wird auf alle gesellschaftlichen Lebensbereiche großen Einfluss haben“, schreiben die Taskforce-Mitglieder in ihrem Bericht. „Die Einführung der KI in die Streitkräfte und in das System der nationalen Sicherheit wird die Methoden der Kriegsführung fundamental verändern. Der Staat, der das Rennen um die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz gewinnt, erlangt einen kritischen und möglicherweise einen unangreifbaren Vorteil bei Militär und Wirtschaft.“

    So stellen sich das die Kongressstrategen im Einzelnen vor: „Das Militär wird die KI nutzen, um autonome Kampfplattformen zu schaffen, die fähig sein werden, gegnerische Ziele ohne das Zutun des Menschen selbstständig zu entdecken und zu bekämpfen. Besonders wirksam sind solche Waffen bei Schwarmtaktiken, wenn eine Vielzahl kleiner Roboter ein Ziel angreift.“ Und eigentlich werde das Land mit der weltweit ersten vollwertigen KI im Grunde die Weltherrschaft erlangen, schreiben die Experten.

    Viren, Hacker und Hyperschall

    Ebenso wichtig sind den Berichtautoren die Biotechnologien und die damit einhergehenden Risiken. China führe auf diesem Gebiet gegenwärtig, betonen die Mitglieder der Taskforce. Was ist es beispielsweise, wenn biologische Neuentwicklungen dafür verwendet würden, die Einsatzfähigkeit der Soldaten zu steigern? Oder wenn mit den Fortschritten in der synthetischen Biologie genetische Codes entstünden, die in der Natur nicht vorkommen? Es entstünde nach Ansicht der FDTF-Experten eine ebenso grausame wie wirkungsvolle Waffe: Kampfviren mit selektiver Wirkung, die etwa nur eine bestimmte Menschengruppe befallen. Oder landwirtschaftliche Schädlinge, die die Felder im Land des Gegners verwüsten und somit Hungersnöte auslösen.

    Die USA seien ja bei der Zahl der Corona-Infizierten führend, erinnern die Strategen in ihrem Bericht und werten dies als ein Zeichen für die Verwundbarkeit des amerikanischen Gesundheitswesens im Einzelnen und der nationalen Sicherheit im Ganzen.

    Dabei sind die Vereinigten Staaten selbst alles andere als rückständig beim Experimentieren mit Biowaffen. Zu erkennen ist dies unter anderem daran, dass in ehemaligen Sowjetrepubliken zahlreiche amerikanische Geheimlaboratorien aktiv sind, wo nach Ansicht von Militärexperten an der Entwicklung biologischer Kampfstoffe gearbeitet wird.

    Im Fokus des Berichts stehen auch Einsätze im Cyberraum. Speziell ausgebildete Hacker könnten in der Zukunft mehr zum Erfolg militärischer Operationen beitragen als entsandte Kampfverbände, schreibt die Taskforce. Politischer Einfluss, wirtschaftlicher Druck, Spionage und Angriffe auf kritische Infrastruktur – das alles vermögen IT-Soldaten.

    Eine Empfehlung der Kongressabgeordneten an das Pentagon: Nicht nur die offensiven Fähigkeiten im Cyberraum stärken, sondern sich auch zur Verteidigung rüsten. Denn die Digitalisierung und die Integration der amerikanischen Streitkräfte zu Netzwerken machten die Armee für Hackerattacken besonders anfällig.

    Teil dieser Strategie ist auch die Nutzung des Weltraums – darüber schreiben die amerikanischen Experten den ganzen Bericht hindurch. Russland und China hätten ihre Fähigkeiten im erdnahen Orbit in den vergangenen Jahren ausgebaut und würden an landgestützten Raketen zur Satellitenabwehr arbeiten. Diese Flugkörper könnten den amerikanischen Satellitenverband in der Erdumlaufbahn erheblich ausdünnen; dem müssten die USA eigene Weltraumwaffen entgegenstellen.

    Beispielsweise Hyperschallwaffen: Die Berichtsautoren fordern das Pentagon auf, das nationale Hyperschallprogramm zu forcieren. Ohne hyperschallschnelle Systeme würden die Vereinigten Staaten ihr Konzept des „Weltweiten Schnellangriffs“ (Prompt Global Strike) nicht umsetzen können.

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    Tags:
    Krieg, US-Kongress, Hackerangriff, Pentagon, China, Russland, USA