12:51 25 Oktober 2020
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    Trotz der vereinbarten Waffenpause kommt es in Bergkarabach nicht zur Ruhe. Auf beiden Seiten gibt es Todesopfer. Der Präsident Aserbaidschans, Ilcham Alijew, und der armenische Premierminister, Nikol Paschinjan, haben ihre Ansichten zu dem Konflikt dargelegt. Sputnik hat die wichtigsten Auszüge der beiden Interviews zusammengefasst.

    Der Generaldirektor der Internationalen Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya, Dmitri Kisseljow, hat die Spitzenpolitiker Armeniens und Aserbaidschans parallel interviewt und ihnen dieselben Fragen gestellt. Dabei bekamen sie die gleiche Zeit, um sie zu beantworten.

    Alijew: Keine Unabhängigkeit für Karabach – doch friedliches Zusammenleben möglich

    „Unter keinen Umständen darf die territoriale Integrität Aserbaidschans verletzt werden, unter keinen Umständen wird Aserbaidschan der Unabhängigkeit von Bergkarabach zustimmen“, so Ilcham Alijew. Gleichzeitig betonte er aber, dass Armenier und Aserbaidschaner auf dem Territorium von Bergkarabach friedlich leben und koexistieren sollten. Schließlich lebten allein in der Hauptstadt Baku mehrere Tausende Armenier.

    „Aber natürlich müssten die Folgen der ethnischen Säuberungen beseitigt werden, und alle unsere Zwangsvertriebenen sollten in ihre eigenen Häuser zurückkehren.“

    Paschinjan: Bakus und Ankaras Pläne für „Blitzkrieg“ in Bergkarabach gescheitert

    Der Premierminister Armeniens hat die Lage in der Konfliktzone als „ziemlich schwer“ eingeschätzt.  „Die Gefechte sind sehr umfassend und grausam, und die Selbstverteidigungsarmee Bergkarabachs hält durch. Und de facto können wir sagen, dass die Pläne der Türkei und Aserbaidschans, Bergkarabach nach einem 'Blitzkrieg' unter ihre Kontrolle zu nehmen, gescheitert sind“, so Paschinjan.

    „Das ist ein Befreiungskrieg für Aserbaidschan“

    „Jeder Krieg bedeutet Grausamkeit, Opfer, Menschenleiden, Verlust von Angehörigen, aber der Unterschied besteht darin, dass für das aserbaidschanische Volk dieser Krieg ein Befreiungskrieg ist und für Armenien ist dieser Krieg ein Invasionskrieg“, so der aserbaidschanische Staatschef weiter. Alijew betonte, dass die armenischen Truppen die „international anerkannten Gebiete Aserbaidschans“ besetzt hätten, und dies könne man auf keinen Fall rechtfertigen.

     „Deshalb kämpfen und sterben wir und unsere Soldaten auf aserbaidschanischem Boden, und die armenischen Soldaten – sie sterben auf einem Land, das ihre Regierung unter Besatzung halten will“,  so Alijew weiter.

    Paschinjan: Türkei als „Hauptsponsor des Karabach-Kriegs“

    Laut dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan gibt es konkrete Videobeweise, dass Kämpfer und Terroristen aus Syrien in den Konflikt verwickelt seien. Diese seien von der Türkei nach Bergkarabach gebracht worden. Der Grund dafür sei die fehlende Kraft der aserbaidschanischen Armee, gegen die Selbstverteidigungsarmee von Bergkarabach zu kämpfen.

    „Deshalb beschloss die Türkei, Söldner und türkische Truppen heranzuziehen – sie beteiligen sich nicht nur an der Leitung der Kriegshandlungen, sondern es gibt auch unmittelbar vor Ort türkische Spezialkräfte“, so Paschinjan weiter.

    Außerdem äußerte der armenische Regierungschef die Überzeugung, dass die Türkei die Genozid-Politik gegen die Armenier im Südkaukasus fortzusetzen wolle.

    Der aserbaidschanische Staatschef  hat die Vorwürfe jedoch in seinem Interview abgestritten.

    „Es besteht keine Notwendigkeit für eine ausländische militärische Beteiligung in Aserbaidschan. Unsere Armee besteht aus mehr als 100.000 Soldaten und wenn es nötig ist, kann diese Zahl bei einer Mobilmachung um das Mehrfache aufgestockt werden“, so Alijew.

    Der Präsident betonte die wichtige Rolle Aserbaidschans im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. „Wir werden nie zulassen, dass irgendwelche terroristischen Organisationen auf unserem Boden ihre Nester bauen – insbesondere, wenn sie eine Bedrohung für unser Volk und für unsere Nachbarn darstellen.“

    Alijew: Pashinjan ist ein Produkt von Soros

    Der aserbaidschanische Präsident hat den armenischen Premierminister als „Produkt“ des Milliardärs George Soros bezeichnet. „Ich sage oft, dass Paschinjan ein Produkt von Soros ist. Ich glaube, alle würden mir zustimmen“, so Alijew.  Der Zerfall der Sowjetunion habe auch „mit dem Separatismus in Bergkarabach begonnen“. „Dies wurde der Auslöser. Viele vergessen diese Aufstände und die Menschen, die hinter ihnen standen”, betonte Alijew.

    Selbstbestimmungsrecht Bergkarabachs geht vor

    Armenien ist laut Paschinjan jedoch bereit, einen Kompromiss einzugehen – das Recht auf Selbstbestimmung dürfe Aserbaidschan den Einwohnern von Karabach aber nicht nehmen. „Das Selbstbestimmungsrecht von Bergkarabach ist für uns natürlich die ‚rote Linie‘, die wir keineswegs überschreiten können“, betonte Paschinjan. „Doch Aserbaidschan weigerte sich, diese Vereinbarungen zu unterzeichnen, denn Aserbaidschan wollte und will das Recht der Armenier in Bergkarabach auf Selbstbestimmung nicht akzeptieren“,  so Paschinjan weiter.

    ekn/gs/sna

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    Tags:
    Aserbaidschan, Armenien, Nikol Paschinjan, Ilcham Alijew, Bergkarabach-Konflikt