02:18 27 November 2020
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    Hunderte Meter tief im norwegischen Fels liegt ein Hochsicherheitsbunker, der einem nuklearen Direktschlag standhalten kann. Es ist die U-Boot-Basis Olavsvern: Die US-Marine will den Stützpunkt aus dem Kalten Krieg wieder hochfahren, um dort eigene Jagd-U-Boote dauerhaft zu stationieren – direkt an den Routen der russischen Nordmeerflotte.

    Die U-Boote der Seawolf-Klasse zählen zu den geheimsten der amerikanischen Marine. Speziell dafür entwickelt, in feindlichen Domänen zu wildern, sind sie besonders geräuscharm und schwer zu orten. An Bord: starke Waffen für die Jagd auf Kampschiffe und U-Boote – an die 50 Marschflugkörper (Tomahawk oder Harpoon) oder wahlweise ebenso viele Torpedos. An die dreißig dieser U-Boote wollten die Amerikaner Ende der 1980er-Jahre bauen; entstanden sind – nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion – nur drei.

    Diese drei „Seewölfe“ will die US Navy nach Olavsvern verlegen. Eines der Boote ist bereits im August probeweise von den USA nach Norwegen gefahren, in den Hafen Tromsö. Diesen Hafen nutzen die Amerikaner für Zwischenstopps, Wartungsarbeiten und zum Auffüllen der Vorräte.

    Gebaut wurde der Bunker Olavsvern noch in den 1960er-Jahren. Anfang der 2000er herrschte kaum noch militärischer Betrieb auf dem Stützpunkt, 2009 wurde das Objekt letztlich stillgelegt. Die amerikanische Marine will die Basis wieder hochfahren, weil Russland, wie sie sagt, in der Arktis erstarke. Der Hafenbunker liegt nur 350 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, direkt an den Routen der russischen Nordmeerflotte.

    Der riesige unterirdische Komplex wurde in den Fels gehauen und ist durch eine 300 Meter dicke Gesteinsschicht geschützt. Auf mehr als 25.000 Quadratmetern sind Vorrats- und Munitionslager, Mannschaftskasernen und Reparaturdocks untergebracht. Umgerechnet 500 Millionen Dollar hatte es gekostet, die Tunnelanlage anzulegen.

    Im Kalten Krieg stationierten die Amerikaner mit ihren Verbündeten eine U-Boot-Flotte in Olavsvern, die für den Arktischen Ozean zuständig war. Mannschaften der Nato standen jederzeit bereit, der russischen (damals sowjetischen) Nordmeerflotte den Zugang zum Nordatlantik abzuriegeln.

    Das Tor zur Arktis

    Mit der Modernisierung und Reaktivierung von Olavsvern schafft die Nato definitiv eine weitere Bedrohung für Russland, sagt Admiral Wjatscheslaw Popow, ehemaliger Oberkommandeur der Nordmeerflotte: „Die Amerikaner machen einen weiteren Schritt näher zu den russischen Grenzen in der Arktis. In dieser Region ist Russland dank seiner Eisbrecher-Flotte führend. Die amerikanische Seawolf-Klasse ist übrigens optimal für Einsätze in arktischen Gewässern unter Eis gerüstet.“

    Es könnten aber noch Schwierigkeiten mit der Nutzung des Bunkers auf die Navy zukommen. Derzeit ist die Basis nämlich in privater Hand. Nach dem Ende des Kalten Krieges entschieden die verantwortlichen Politiker, der Bunkerkomplex sei in seiner Unterhaltung zu teuer. Olavsvern wurde versteigert.

    2011 kaufte ein norwegischer Geschäftsmann den Stützpunkt für viereinhalb Millionen Dollar. Er vermietete die Anlage – auch an russische Firmen: Russische Forschungsschiffe liefen die Basis immer wieder mal an. Die norwegischen Militärs waren fassungslos. „Wir haben uns selbst eines wichtigen Stützpunkts beraubt und lassen unsere U-Boote hunderte Zusatzmeilen fahren. Wir haben doch eine gemeinsame Grenze mit Russland und müssen deshalb selbstverständlich über eine Marinebasis in der Arktis verfügen“, wetterte ein norwegischer Vize-Admiral.

    Nach knapp einem Jahrzehnt hat die Nato den Fehler offenbar erkannt. Ranghohe Pentagon-Mitarbeiter haben Olavsvern in den zurückliegenden Wochen mehrmals besucht, berichtet der Norwegische Rundfunk, derweil das norwegische Verteidigungsministerium einem Abkommen zugestimmt hat, das es den Nato-Verbündeten erlaubt, den Bunker wieder militärisch zu nutzen.

    „Gegenüber Russland verhält sich die norwegische Führung somit unfreundlich, obwohl Russland sich mit Norwegen kürzlich erst auf einen Vertrag über die Abgrenzung der Gebiete in der Barentssee verständigt hat“, erklärt der Marineexperte und ehemalige Fregattenkapitän Michail Nenaschew. „Von russischer Seite war es eine Geste der gutnachbarschaftlichen Beziehungen zur Förderung der Zusammenarbeit in der Region. Natürlich bestand die Erwartung, dass Norwegen sich analog dazu verhält. Stattdessen steigert Oslo, von den guten Freunden in Washington angeleitet, das Maß der Bedrohung gegenüber Russland in der Arktis.“

    Die russische Nordmeerflotte werde die norwegische Basis natürlich im Auge behalten müssen: „Alle dafür nötigen technischen Mittel sind ja vorhanden“, fügt Admiral Wjatscheslaw Popow an.

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    Tags:
    U-Boot, NATO, Russland, USA, Norwegen