21:22 23 November 2020
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    In mehreren polnischen Städten sind am Mittwochabend erneut Tausende Menschen gegen eine Verschärfung des Abtreibungsverbots auf die Straße gegangen.

    Es war der siebte Protesttag in Folge seit der umstrittenen Entscheidung des Verfassungsgerichts, wonach Frauen auch dann nicht abtreiben dürfen, wenn ihr Kind schwere Fehlbildungen hat.

    Wie der TV-Sender TVN24 berichtete, seien in Polens drittgrößter Stadt Lodz rund 20.000 überwiegend junge Menschen auf die Straße gegangen. Auch im Zentrum der Hauptstadt Warschau versammelten sich am Abend viele Menschen. Die Demonstranten trugen Plakate mit der Aufschrift „Kämpft mit dem Virus, nicht mit den Frauen“ und „Kümmert euch um den Leib Christi“. Auf anderen Plakaten wurde die nationalkonservative Regierungspartei PiS mit derben Schimpfwörtern attackiert.

    Die Organisation Allpolnischer Frauenstreik, die bei den Protesten federführend ist, hatte für Mittwoch zu einem Streik aufgerufen. In vielen Städten blieben in den Stadtverwaltungen, Universitäten und manchen privaten Firmen die Beschäftigten der Arbeit fern - oft mit Billigung ihrer Vorgesetzten. Für den Abend forderte die Organisation die Protestierenden in Warschau auf, vor das Gebäude des Parlaments (Sejm) zu ziehen, wo die Abgeordneten tagten.

    „Alle vor den Sejm, wir organisieren ihnen den Lockdown“, schrieben die Aktivistinnen auf Facebook.

    Angesichts der zunehmend aufgeheizten Stimmung mahnte der Ständige Rat der polnischen Bischofskonferenz zur Mäßigung.

    „Wir rufen alle auf, einen sachlichen gesellschaftlichen Dialog aufzunehmen, Ansichten ohne Gewaltanwendung zu äußern und die Würde jedes Menschen zu achten“, hieß es in einer Erklärung.

    Polen verbietet Abtreibungen auch bei Fötus-Fehlbildungen

    Am 22. Oktober hatte das Verfassungsgericht in Warschau mit einer Mehrheit der Stimmen die Schwangerschaftsabbrüche aufgrund schwerer Fehlbildungen für verfassungswidrig erklärt.

    Schon zuvor hatte Polen über eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze in Europa verfügt. Nun hat das Verfassungsgericht in Warschau eine der letzten Ausnahmen vom generellen Abtreibungsverbot in dem streng katholisch geprägten Land verworfen. Nach Ansicht der Richter verstößt die bisherige Regelung gegen das in der Verfassung garantierte Recht auf Leben.

    ac/mt/dpa/sna

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    Tags:
    Verfassungsgericht, Verbot, Abtreibung, Proteste, Polen