06:35 03 Dezember 2020
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    Um den Konflikt in Frankreich zu entschärfen, reicht es nicht aus, die höchste Terrorwarnung auszurufen. Alle verantwortungsvollen Beteiligten müssen Religion von Terror lösen – auch in der Rhetorik. Der österreichische Politikwissenschaftler Dr. Heinz Gärtner analysiert die Ursachen der Terrorattacken in Frankreich gegenüber Sputnik.

    Es gebe viele Definitionen von Terrorismus und sie enthielten verschiedene Elemente. Vor allem sei Terrorismus politische Gewalt, die sich bewusst und wahllos gegen Zivilisten richte. Die Terrorattacken in Frankreich erfüllten diese Bedingungen, so Gärtner.

    „Terrorismus gibt es unabhängig davon, ob er politischer, ideologischer, oder religiöser Natur ist. Die Beifügung ‚islamischer Terrorismus‘ ist nicht erforderlich, um Terrorismus zu identifizieren. Oberflächlich betrachtet, sind die Anschläge Racheakte von radikalen islamistischen Personen, die sich an den Mohammed Karikaturen rächen wollen. Die französische Regierung verteidigt daraufhin die Meinungsfreiheit in einer laizistischen Gesellschaft. Dazu wäre es aber nicht nötig, dass Präsident Macron die „höchste Terrorwarnstufe“ ausrufen ließ. Die Bedrohungswahrnehmung für die Gesellschaft muss größer sein. Es wird befürchtet, dass der Terrorismus Furcht verbreiten soll, weitreichende politische Veränderungen der Gesellschaft zu erreichen“, so der österreichische Politikwissenschaftler.

    Laut Gärtner weisen die Reaktionen auf die Karikaturen und die Terroranschläge in vielen Teilen der Welt darauf hin, dass „diese französischen Maßnahmen nicht unberechtigt sind“. Sie offenbarten eine tiefe Spaltung der französischen Gesellschaft einerseits und zahlreiche Konflikte Frankreichs mit einer Reihe von islamischen Ländern andererseits. Aus ihnen seien viele moslemische Bürger eingewandert. Erinnerungen an die Kolonialmacht Frankreich mögen bei einigen Ländern mitspielen. Die Spannungen mit der Türkei seien am sichtbarsten. Frankreich und die Türkei stünden im Libyenkonflikt auf verschiedenen Seiten, die Rolle der ehemaligen Kolonialmacht im Libanon werde mit Misstrauen betrachtet. Religion werde von allen Seiten benutzt.

    „Französische Politiker sehen in den Anschlägen einen ‚islamischen Terrorismus‘, islamische Länder kritisieren Frankreich wegen ‚anti-muslimischer Maßnahmen‘, die Terrorgruppe des ‚Islamischen Staates‘ sieht in den Terroristen ihre Anhänger. Die Terroristen selbst sind Erfüllungsgehilfen von vielfältigen politischen Absichten. Um den Konflikt zu entschärfen, reicht es nicht aus, die höchste Terrorwarnung auszurufen. Alle verantwortungsvollen Beteiligten müssen Religion von Terror lösen – auch in der Rhetorik“, urteilt Gärtner.

    Univ. Prof. Dr. Heinz Gärtner ist Lektor an den Universitäten Wien und Krems. Er ist Vorsitzender des Beirates des International Institute for Peace (IIP) in Wien sowie des Beirates Strategie und Sicherheit der Wissenschaftskommission des Österreichischen Bundesheeres.

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    Tags:
    Islamismus, Frankreich, Terroranschlag, Nizza