21:10 23 November 2020
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    Experten des Pentagons sagen, der im Nahen Osten zerschlagene Islamische Staat* errichte mit zügelloser Gewalt ein neues Kalifat, diesmal in Afrika. Die Terroristen setzen sich vielerorts gegen Regierungskräfte durch, erobern immer mehr Land und werben neue Kämpfer zu Tausenden an.

    Die Terrormiliz war Ende 2017 nur noch ein Häufchen bewaffneter Radikaler im tiefsten Untergrund. Die US-geführte Koalition, die irakische und syrische Regierungsarmeen und nicht zuletzt die russischen Luftstreitkräfte hatten den Terroristen die allermeisten besetzten Gebiete im Nahen Osten wieder entrissen. Der Islamische Staat griff nur noch vereinzelt hier und da an, ohne die Großoffensiven der Jahre davor.

    Gänzlich anders ist das Lagebild in Afrika, wie die Analysten der amerikanischen Militärakademie West Point in einem Bericht kürzlich dargelegt haben. Am schlimmsten wüten die Terroristen demnach im Westen des Kontinents und in der Sahelzone. Regelmäßig attackieren die Kämpfer in Nigeria, Niger, Kamerun, Tschad, Mali und Burkina-Faso militärische Objekte ebenso wie zivile Einrichtungen.

    Boko Haram, die berühmtberüchtigte Terrormiliz, hat dort das Sagen. Als sie im März 2015 dem IS die Treue schwor, wechselte sie auch gleich den Namen und heißt seitdem die „Westprovinz des Islamischen Staats“ oder „Islamic State's West Africa Province“ – ISWAP.

    Die mediale Aufmerksamkeit zog ISWAP erstmals im Oktober 2017 auf sich, als eine größere Terrorbande eine amerikanische Spezialeinheit unweit des Dorfes Tongo Tongo in Niger überfiel. Vier Amerikaner starben bei dem kurzen, aber heftigen Gefecht. Washington reagierte entsetzt, erstmals war vom „Afrikanischen IS“ die Rede – geschätzt auf 400 bis 500 Kämpfer. Bald darauf war von tausenden Mitgliedern die Rede.

    Anschläge und Angriffe aus dem Hinterhalt

    Allein im letzten Jahr führte der ISWAP 186 Angriffe auf militärische Objekte westafrikanischer Länder durch. Meistens schlichen sich die Terroristen an das Ziel heran und, zahlenmäßig überlegen, überwältigten sie die Militärs. Dutzende Polizeikräfte und Regierungssoldaten starben.

    Auch auf den Einsatz von Selbstmordattentätern will der ISWAP nicht verzichten: Fünf Mal sprengten sich Terroristen 2019 an Orten in die Luft, an denen sich Regierungskräfte versammeln. Drei Anschläge waren es in Nigeria, zwei weitere in Niger und Burkina-Faso.

    Seit diesem Jahr terrorisieren die Extremisten auch die Zivilbevölkerung. In Nigeria wurden binnen fünf Monaten dieses Jahres über 600 Christen getötet. Es gelte, die Länder Westafrikas von allerlei westlichem Einfluss zu säubern, erklärt der ISWAP dazu. Die Terroristen gehen mit maßloser Gewalt gegen ihre Opfer vor. Im September erst veröffentlichte die Terrormiliz ein grausames Video von der Hinrichtung zweier christlicher Helfer.

    Nicht einmal Kinder werden bei den Angriffen verschont, Frauen werden häufig als Sexsklavinnen entführt. Die nigerianischen Regierungskräfte erleiden eine Niederlage nach der anderen. Die Armee konzentriert sich auf den Schutz größerer Städte – kleinere Siedlungen und Dörfer fallen den Terroristen deshalb leicht zum Opfer.

    In den zurückliegenden Jahren ist es dem Westafrikanischen IS gelungen, seinen brutalen Einfluss auf den Südosten des Kontinents auszuweiten. In Mosambik halten die Terroristen bereits mehrere Ortschaften unter ihrer Kontrolle, an die anderthalbtausend Menschen haben sie hier seit 2017 getötet. Viele der Opfer wurden demonstrativ vor den Kameras enthauptet.

    Wie in Westafrika so vernichten die Extremisten auch in Mosambik alles, was nur irgendwie mit westlichem Einfluss zu tun hat. Im September landeten ISWAP-Terroristen auf zwei bei Hollywood-Stars beliebten Ferieninseln vor der Küste Mosambiks und zwangen die Urlauber unter Todesandrohungen in die Flucht. Danach brannten sie das komplette Ressort – die Bungalows, die Strandhäuser, die Warenmagazine – nieder.

    Parallel dazu agiert der ISCAP: „Islamic State's Central Africa Province“ – die „Zentralafrikanische Provinz des Islamischen Staates“. Das Gebiet dieser Terrormiliz ist hauptsächlich der östliche Teil der Demokratischen Republik Kongo.

    Erst seit 2019 gehören diese Extremisten dem IS an, haben aber bereits den Ruf absoluter Scheusale. Acht Prozent aller Terroranschläge in ganz Afrika im letzten Jahr wurden vom ISCAP verübt. Die Kämpfer greifen meist aus dem Hinterhalt an, beschießen vorbeifahrende Konvois der Regierungstruppen.

    Gleichzeitig ist im Norden Afrikas ein weiterer IS-Ableger aktiv: die „Sinai-Provinz des Islamischen Staates“ („Islamic State's Sinai Province“ – ISSP). Diese Terrormiliz bekannte sich zum Anschlag auf eine russische Passagiermaschine am 31. Oktober 2015, bei dem 224 Menschen starben.

    Zwei Jahre später, am 24. November 2017, tötete der ISSP 310 Menschen bei einem Anschlag auf eine Moschee im ägyptischen Bir al-Abd. 2019 führten die Terroristen 160 Angriffe durch, hauptsächlich gegen ägyptische Regierungskräfte. Im Moment hält der Sinai-Ableger des IS vier Dörfer besetzt und nutzt sie als Stützpunkte bei der Vorbereitung von Anschlägen.

    Außerdem kämpft der IS in Libyen, Algerien und Tunesien: zehn Anschläge gab es dort im Jahr 2019. Der terroristische Untergrund in diesen Ländern dient als Rekrutierungsbasis für alle anderen IS-Ableger in Afrika. Insgesamt 13 afrikanische Länder haben mit dem IS zu kämpfen. In mindestens zwei dieser Länder haben die Terroristen große Gebiete erobert und eine quasistaatliche Gewaltherrschaft errichtet.

    Daher schlussfolgern die Pentagon-Experten, dass der Kampf gegen den Terror sich endgültig vom Nahen Osten in den Süden verlagert hat. Nach Experteneinschätzung ist zu erwarten, dass der grausame Einfluss des IS in Afrika weiter zunehmen wird.

    * Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten

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    Tags:
    Extremismus, Terrorist, Afrika, Islamischer Staat