18:23 27 November 2020
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    Nordmazedonien, das Heimatland des albanischen Terroristen, der den Terroranschlag in Wien verübte, will der österreichischen Polizei alle notwendigen Informationen bereitstellen.

    Nur mit gemeinsamen Anstrengungen könne die Region das Problem der „schlafenden Terroristen“ lösen und potentielle Gewalt verhindern, sagte der Koordinator für Integration der Grenzverwaltung beim Ministerkabinett Nordmazedoniens, Wladimir Piwowarow.

    Der Attentäter mit albanischen Wurzeln wurde in Wien geboren, seine Eltern stammen aus Nordmazedonien. Österreichs Polizei ersuchte via Europol unmittelbar nach dem Terroranschlag bei den nordmazedonischen Kollegen um entsprechende Angaben.

    Der 20 Jahre alte Kujtim Feyzullah wurde getötet. Offensichtlich opferte er sein Leben für die Ideen des IS, dem er sich jedoch nicht angeschlossen hatte. Sein Versuch, sich den Terroristen in Syrien anzuschließen, endete im April des vergangenen Jahres mit einer Festnahme. Er wurde zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Im Dezember wurde er vorzeitig freigelassen – dank österreichischen Gesetzen, die eine Strafmilderung für junge Verbrecher vorsehen. Laut österreichischen Medien wurde im Juli dieses Jahres ein weiterer Versuch Feyzullahs gestoppt, nach Syrien zu gelangen.

    Balkan verfolgt aufmerksam ehemalige IS-Kämpfer

    Nach Medienangaben hatte der Attentäter eine doppelte Staatsangehörigkeit – die österreichische und die nordmazedonische. Er stand bereits im Visier des österreichischen Antiterrordienstes. Die Informationen, ob er Kontakte mit „Waffenbrüdern“ in Nordmazedonien hatte, will Skopje der österreichischen Polizei bereitstellen.

    Nach Angaben des nationalen Ausschusses zur Verhinderung des gewaltsamen Terrorismus wurden nach dem aktuellen Stand von den 150 Staatsbürgern Nordmazedoniens, die in Syrien und Irak in den Kampf zogen, rund 80 in die Heimat zurückgebracht, weitere 30 warten auf ihre Rückholung. Der Vertreter des Ausschusses Borce Petrewski sagte, dass gegen jene Rückkehrer, bei denen bewiesen werde, dass sie an Kampfhandlungen in bewaffneten Gruppierungen im Ausland teilgenommen haben, Strafverfahren eingeleitet werden. Allen anderen werde auf freiwilliger Grundlage psychologische Unterstützung angeboten.

    In den vergangenen Jahren wurden in Nordmazedonien keine neuen Fälle von Ausreisen von Staatsbürgern nach Syrien und Irak zur Teilnahme an militärischen Handlungen aufseiten des IS festgestellt. Neben der Niederlage des IS hing dies auch damit zusammen, dass vor sechs Jahren im damaligen Mazedonien ein Gesetz verabschiedet wurde, laut dem die Beteiligung an Kampfhandlungen  bei ausländischen Streitkräften und die Finanzierung dieser Teilnahme als Strafverbrechen gilt, für das bis zu fünf Jahre Haftstrafe drohen.

    Sie bleiben nicht unbemerkt

     Am 1. September wurde während einer Operation der nordmazedonischen Polizei eine Terrorzelle im Norden des Landes - in Kumanovo - ausgehoben. Gegen drei Personen wurden Verfahren wegen Terrorismus eingeleitet. Bei ihnen wurden fünf automatische Sturmgewehre, Granaten, Sprengstoff und viel Munition sowie Flaggen und andere IS-Symbole entdeckt. Alle drei Personen hatten Kampferfahrung in Syrien und sollen in das Land zurückgekehrt sein, um neue IS-Kämpfer zu werben, so die Ermittler.

    Auf die Frage, ob die Behörden Nordmazedoniens die Staatsbürger, die aus den nahöstlichen Kampfgebieten zurückgekehrt sind, verfolgen, antwortete Wladimir Piwowarow eindeutig:

    „Ja sicher. Sie werden nicht nur täglich, sondern ständig beobachtet. Über sie werden alle operativen Angaben gesammelt, auf deren Grundlage die Sicherheitsdienste ihre Schlussfolgerungen ziehen, was da passiert und wie man vorgehen soll“, sagte Piwowarow zu Sputnik.

    „Schläfer“ als Zeitbombe

    Laut Piwowarow hat er sofort nach dem Ersuchen der österreichischen Polizei mit dem Chef der Nationalen Sicherheitsagentur gesprochen. Demnach tue die mazedonische Seite alles Mögliche. Alle Länder der Region, die über gewisse Angaben verfügen, sollen diese Österreich übermitteln:

    „Ich sagte immer, dass Menschen, die aus den Konfliktgebieten zurückgekehrt sind und für IS gekämpft haben – Zeitbomben sind, früher oder später werden sie dorthin zurückkehren. Alle Geheimdienste auf dem Balkan, auch unsere, verfolgen ihre Bewegungen, Kontakte und Verbindungen. Das sind so genannte schlafende Terroristen. Sie können ein Signal bekommen, um so etwas zu machen, was wir in Wien gesehen haben. Wir brauchen eine deutlich engere und produktivere Zusammenarbeit aller Aufklärungsdienste und Abwehrdienste in der Region, um solchen Terroranschlägen rechtzeitig vorzubeugen“.

    Laut Piwowarow gibt es Terrorgruppen nicht nur in Nordmazedonien, sondern auch im Kosovo, Albanien und Bosnien-Herzegowina, überhaupt in der ganzen Region, es handelt sich um sehr gut ausgebildete Kämpfer. Ihm zufolge stellen Selbstmordattentäter die größte Gefahr dar, weil die von ihnen verübten Terroranschläge viele zivile Todesopfer mit sich bringen.

    Isoliertes Arbeiten der Sicherheitsdienste – nicht die beste Lösung

    Europa sollte seine Lehre daraus ziehen und eine Spezialeinheit für den Kampf gegen dieses Problem bilden, das in der Zukunft noch schlimmer wird. Wir müssen die Gesetze einzelner Staaten so neu gestalten, dass diese Einheiten in ganz Europa vorgehen können“, sagte Piwowarow.

    Ihm zufolge wird das isolierte Arbeiten der Sicherheitsdienste verschiedener Länder zur Wiederholung des schrecklichen Wiener Szenarios führen. Terroranschläge würden post factum besprochen, statt sie effektiv zu verhindern.

    Laut dem Experten sollte zur Verhinderung von Terroranschlägen zudem viel an der Resozialisierung der Rückkehrer aus Kampfgebieten im Nahen Osten gearbeitet werden.

    Nordmazedonien hat ein Spezialzentrum ins Leben gerufen, wo es sich gerade damit befasst. Die Arbeit läuft auch mit Rückkehrern, die wegen ihrer Teilnahme an Kampfhandlungen bei ausländischen Streitkräften, eine Haftstrafe abbüßen, und mit ihren Familien.

    Auch mit dem Wiener Attentäter hatten die österreichischen Behörden an der Resozialisierung gearbeitet, allerdings vergeblich, wie der blutige Anschlag zeigt.

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    Tags:
    Terrorzelle, Islamischer Staat, Terroristen, Terroranschlag, Wien, Balkan, Terrorismus, Nordmazedonien