21:21 23 November 2020
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    In Weißrussland sind nach Angaben der Menschenrechtsgruppe „Wesna“ im Zuge der landesweiten Proteste am Sonntag mehr als 760 Menschen festgenommen worden. Die Sicherheitskräfte haben laut Medienberichten gegen die Protestierenden Tränengas, Lärm- und Blendgranaten eingesetzt. 

    Die Liste der Festgenommenen wurde auf der Internetseite der Menschenrechtsgruppe „Wesna“ veröffentlicht. Es handele sich dabei um 767 Menschen, von denen die meisten in Minsk festgenommen worden seien, berichtet „Wesna“. Es habe auch in mehr als zehn anderen Städten Weißrusslands Festnahmen gegeben.  Unter den Festgenommenen seien erneut Journalisten gewesen. Der weißrussische Journalistenverband meldete mindestens 23 Festnahmen von Journalisten, von denen einige nach Überprüfung ihrer Dokumente freigelassen worden seien.

    In der Hauptstadt Minsk setzten die Sicherheitskräfte Tränengas und Blendgranaten gegen friedliche Demonstranten ein, wie Videos im Nachrichtenkanal Telegram zeigen. Auf diese Weise lösten sie einzelne Kundgebungen auf. Augenzeugen berichteten zudem von Gummigeschossen.

    Zu sehen war, wie Demonstranten vor Uniformierten wegrannten oder Festnahmen verhinderten. Es kam dabei zu Auseinandersetzungen. Immer wieder prügelten Sicherheitskräfte auf Menschen ein. Auf den Straßen waren Uniformierte mit Sturmgewehren zu sehen. Polizisten zerrten und trugen Frauen und Männer in Gefangenentransporter und Kleinbusse.

    Ein Sputnik-Korrespondent begegnete unweit der U-Bahn-Station  „Puschkinskaja“, wo der nicht genehmigte Protestmarsch begann, einer Frau, deren Hose zerrissen und blutbeschmiert war. Die Dame saß auf einem Bordstein und weigerte sich, mit dem Sputnik-Reporter zu sprechen oder sich von ihm fotografieren zu lassen. Augenzeugen behaupteten, sie sei bei der Explosion einer Lärm- und Blendgranate verletzt worden. Die Ordnungskräfte hätten mehrere Lärmgranaten eingesetzt, als eine große Kolonne von Demonstranten auf die Fahrbahn vorgedrungen sei.

    Erneut waren wieder etwa 15 Metro-Stationen in Minsk gesperrt, damit Demonstranten nicht ins Stadtzentrum gelangen konnten. Auch das mobile Internet war weitgehend abgeschaltet –  diesmal bereits am Morgen. Zudem waren mehrere Straßen und Plätze teils mit schwerer Technik abgeriegelt.

    Es war der mittlerweile 99. Protesttag. Die Demonstranten erinnerten dabei an den Tod eines 31-Jährigen vor wenigen Tagen. Der Mann, den die Demokratiebewegung als Helden verehrt, soll überfallen worden sein. Einen Tag später starb er an seinen Verletzungen. 

    Im Zuge der Proteste sind laut der Ex-Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja mehr als 18.000 Menschen festgenommen worden.  Am Samstag teilten Mitglieder einer oppositionellen Gruppierung, die auf Initiative des Oppositionellen Pawel Lautschko gegründet wurde, auf ihrem Telegram-Kanal mit, sie würden eine Kopie eines Berichts des belarussischen Innenministeriums besitzen. Laut dem Bericht wurden vom  9. August bis 3. November mehr als 25.800 Menschen festgenommen.

    Proteste in Weißrussland

    Bei den Präsidentenwahlen in Weißrussland am 9. August hatte Alexander Lukaschenko mit mehr als 80 Prozent der Wählerstimmen nach offiziellen Angaben zum sechsten Mal in Folge gesiegt. Die Opposition erkannte das Ergebnis nicht an und erklärte seine Herausforderin Tichanowskaja zur wahren Siegerin.

    Daraufhin kam es landesweit zu Protesten, die von den Ordnungskräften zunächst gewaltsam niedergeschlagen wurden. Die Opposition fordert seither Lukaschenkos Rücktritt, die Freilassung aller politischen Gefangenen und Neuwahlen. Die Beziehungen von Belarus zu den EU-Ländern hatten sich nach den Präsidentschaftswahlen vom 9. August stark verschlechtert. Die Europäische Union hat Lukaschenko nicht als legitimen Präsidenten von Belarus anerkannt.

    ekn/sna/dpa/gs

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    Tags:
    Alexander Lukaschenko, Swetlana Tichanowskaja, Proteste, Weißrussland