12:49 03 Dezember 2020
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    Seit Ende Oktober wurden Schweiz, Österreich und Lichtenstein vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft. Auch wenn sie alle hohe Fallzahlen aufweisen, gehen sie alle anders mit den Situationen um.

    Während Österreich eine ganztätige Ausgangsbeschränkung anordnet, bleiben in der Schweiz noch alle Geschäfte und Restaurants offen.

    Lichtenstein

    In einem täglichen Rhythmus veröffentlicht die Liechtensteinische Regierung Berichte über die neuen Fallzahlen und das Infektionsgeschehen. Ende Oktober verhängte die Regierung Maßnahmen, die der Eindämmung des Virus gelten sollten. So gilt eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in öffentlich zugänglichen Innenräumen. Restaurants, Bars und Nachtclubs wurden am 24.10. vorübergehend geschlossen.

    Zudem gilt eine Obergrenze von maximal zehn Personen bei privaten Veranstaltungen ohne Schutzkonzept. Bei privaten Anlässen, die diese Maße überschreiten, gelten die gleichen Einschränkungen wie auch auf öffentlichen Veranstaltungen: Der Mindestabstand von 1,5 Metern müsse stets eingehalten werden, die Personen verpflichten sich zum Tragen einer Maske und auch auf Speisen und Getränke müsse verzichtet werden. 

    Die Maßnahmen sollten vorübergehend nur bis zum 15. November gelten. Da die Fallzahlen immer noch hoch sind, habe die Regierung sich gegen die Lockerung entschieden. Im Covid-19-Situationsbericht vom 15. November stehen 15 Neuinfektionen gemeldet. Im Vergleich dazu waren die Neuinfektionen vom Vortag, dem 14. November, bei 45. Über die letzten 14 Tagen zählte man dementsprechend hochgerechnet über 1100 Covid-19 Erkrankte auf 100.000 Einwohner.

    Österreich

    Ab Dienstag sollen in Österreich strengere Maßnahmen verhängt werden, schreibt die Österreichische Zeitung „Der Standard“. So weitet die Regierung die Ausgangsbeschränkungen aus: Statt Sperrstunden zwischen 20 und 6 Uhr soll nun ganztägig eine Ausgangssperre gelten. Der Einzelhandel muss wieder schließen – abgesehen von Läden, die der Grundversorgung dienen. Auch Schulen müssten wieder schließen.

    Um die Wohnung zu verlassen braucht es ab Dienstag wieder einen relevanten Grund, so etwa Hilfeleistungen für andere Menschen oder die Ausübung des eignen Berufs. Auch sei es noch zugelassen, seine „engsten Angehörigen“ zu sehen. Dazu gehören laut dem Österreichischen Gesundheitsministerium Eltern, Kinder, Geschwister, aber auch Menschen, mit denen man regelmäßigen Kontakt hat und physisch öfter sieht. Die Österreicher dürften dann zwar mehrere Menschen sehen, die sie als „wichtige Bezugspersonen“ oder „engste Angehörige“ bezeichnen – jedoch nur eine Person aus einem anderen Haushalt auf einmal.

    Dies nachzuprüfen, wird eine Herausforderung werden. Um die Wohnung zu verlassen, müsse man bereit sein, gegenüber der Polizei eine Auskunft zu geben. Der Verfassungsrechtler Peter Bußjäger sagte dem „Standard“, dass er sich auch vorstellen könne, wie die Polizei nach Informationen über die andere Person erfrage. Die Kontrolleure sollen jedoch vor allem darauf achten, dass nicht mehrere Menschen miteinander unterwegs sind.

    Schweiz

    Die Schweiz steht im Brennpunkt internationaler Kritik, aufgrund ihrer lockeren Umgangsweise. So schrieb auch beispielsweise die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die Schweiz betreibe einen „Blindflug“. Nachdem die Eidgenossenschaft bereits im Sommer die Maßnahmen vor allen Ländern aggressiv gelockert habe, verhänge sie auch jetzt keinen Lockdown.  Die Bundesregierung überlasse sehr vieles den einzelnen Kantonen. Auch die „Welt“ kritisiert die Schweiz, indem sie diese als „das zweite Schweden“ bezeichnet. Generell wurde dem Land in letzter Zeit oftmals vorgeworfen, dass sie wirtschaftlich orientiert handele, auf Kosten des Gesundheitssystems.

    Konkret sind in der Schweiz alle Diskotheken und Nachtclubs geschlossen. Versammlungen mit über 15 Menschen im öffentlichen Raum sind untersagt, genauso wie Veranstaltungen mit über 50 Personen. Gastronomische Betriebe dürfen noch offenbleiben, jedoch nur mit ausgearbeiteten Schutzkonzept. Die Maskenpflicht wurde ebenfalls ausgedehnt: Alle Kinder über zwölf müssen nun in der Schule eine Maske tragen, genauso Erwachsene bei der Arbeit. Schließlich gilt zwischen 23 Uhr und 6 Uhr eine Sperrstunde für sämtliche Läden und Restaurants. In einzelnen Kantonen herrschen jedoch strengere Auflagen.

    Der Gesundheitsminister Alain Berset gab bereits schon Anfang November seine Gründe an, weswegen er von einem Lockdown vorerst absehen will. Fakt ist jedoch, dass sich auch die Bevölkerung stark mit dem Thema auseinandersetzt. Der Bundesrat habe in den letzten Monaten wohl mehr Briefe und Schreiben erhalten hat, als die letzten Jahre. Die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga sagte zum „Schweizer Radio und Fernsehen“ dazu: „In den letzten Monaten hat sich die Anzahl der Zuschriften vervielfacht. Wir haben tausende Zuschriften erhalten.“ Dabei wären vier von fünf Zuschriften auf die Corona-Thematik bezogen.

    lm

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    Tags:
    Liechtenstein, Österreich, Schweiz, Maßnahmen, Corona-Impfstoff, Coronavirus