02:28 21 November 2019
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    Folge 4: Zug der Freiheit

    Folge 4: Zug der Freiheit

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    Chronik
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    Wie würde unsere Geschichte aussehen, wenn die #BerlinerMauer im Zeitalter der sozialen Netzwerke fallen würde und @realMichailGorbatschow und @ErichHoneckerDDR mithilfe der Twitter-Diplomatie das Schicksal Europas bestimmen würden?

    In der vierten Folge der interaktiven Sputnik-Serie „Die Mauer fiel – die Mauer steht“ erleben Sie Genschers Prager Balkonrede hautnah mit und nehmen am Treffen mit Bundeskanzler Kohl teil – und das alles im vertrauten Format sozialer Netzwerke mit Likes, Kommentaren und Chats.

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    Zug der Freiheit

    Am 4. September signalisiert die erste Montagsdemonstration in Leipzig mit schätzungsweise 1.000 Teilnehmern den sich beschleunigenden Zerfallsprozess der DDR, obwohl der Staat drei Tage später auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz noch einmal Stärke demonstriert und eine Protestkundgebung gegen die Kommunalwahlen vom 7. Mai gewaltsam auflöst. 80 Personen werden festgenommen.

    Am 9. September gründet sich in Grünheide bei Berlin, dort wo der Dissident Robert Havemann jahrelang Hausarrest und totale Überwachung erdulden musste, das „Neue Forum“. Nur einen Tag später folgt der Aufruf für einen „Aufbruch ´89“ mit dem das „Neue Forum“ in der Öffentlichkeit zum ersten Mal präsent wird.

    Am 10. September brüskiert die Regierung Ungarns die Regierung der DDR mit der ohne vorherige Absprache genehmigten Ausreise von DDR-Bürgern in Ungarn nach Österreich. Die immer wütenderen Proteste aus Ost-Berlin, die von „organisiertem Menschenhandel“ sprechen, verhallen wirkungslos. Bis Ende September können so schätzungsweise 30.000 DDR-Bürger in den Westen ausreisen.

    Am 19. September beantragt das „Neue Forum“ die offizielle Zulassung als Vereinigung, die schon am darauffolgenden Tag als „staatsfeindlich“ abgelehnt wird. Am gleichen Tag wird die BRD-Botschaft in Warschau wegen des Andranges von DDR-Bürgern geschlossen.

    Am 25. September demonstrieren nach dem Montagsgebet in der Leipziger Nikolaikirche bereits 5.000 Menschen mit einem stillen Marsch gegen das Verbot des Neuen Forums.

    In Prag lassen sich am nächsten Tag einige Botschaftsbesetzer auf ein Angebot der DDR-Regierung ein, sie innerhalb von einem halben Jahr ausreisen zu lassen, und kehren nach Ost-Berlin zurück. Der Großteil der Botschaftsbesetzer bleibt jedoch in ihrem Prager Exil.

    Am 27. September wird mit Verfassungsänderungen durch das slowenische Parlament, die der jugoslawischen Teilrepublik den Austritt aus der Föderation ermöglichen, der Zerfallsprozess des Staates Jugoslawien eingeläutet.

    Am 30. September, um 18:59 Uhr schreibt auf dem Balkon des Palais Lobkowitz in Prag, der Botschaft der BRD in der ČSSR, der seinerzeitige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher Weltgeschichte. Mit 13 Worten verkündete er einer Menge von rund 4.000 DDR-Bürgern, die sich zwischenzeitlich auf dem Gelände der westdeutschen diplomatischen Vertretung drängten, dass ihre Ausreise in die Bundesrepublik genehmigt worden sei.

    Die DDR versucht, in einem letzten verzweifelt trotzigen Akt der Demonstration ihrer staatlichen Souveränität, die Prager Botschaftsbesetzer mit Sonderzügen in die Bundesrepublik zu transportieren, die aber vorher noch das Hoheitsgebiet der DDR durchfahren müssen.

    Noch am Abend des 30. September werden die ersten Ausreisewilligen mit Bussen von der Botschaft zu einem Sonderzug in Prag gefahren. Die als Machtdemonstration gedachte Aktion entwickelt sich zu einem Desaster, die das staatliche Ende der DDR nur noch mehr beschleunigt. Denn weil sich die Fahrt der Sonderzüge aus Prag und ihre verordneten Zwischenstops auf dem Dresdner Hauptbahnhof schnell herumsprechen, kommt es zu regelrechten Belagerungsszenen entlang der Strecke und vor allem rund um den Hauptbahnhof in Dresden.

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    Flüchtlinge, Zug, Untergang, DDR