17:12 18 November 2019
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    Mein Handy will nach Moskau!

    © Sputnik / Anton Denisow
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    Nichts hält ewig, damit müssen sich auch jene abfinden, die wie ich explizite Gegner der Wegwerfgesellschaft sind. Immerhin hat diese Abneigung aber dazu geführt dass ich, obwohl ich seit den späten 1990er-Jahren immer ein Handy bei mir trage, kürzlich erst das fünfte Gerät gekauft habe.

    Ich habe sie alle zu Schrott telefoniert, sie so lange benützt, bis etwas irreparabel kaputt war, kein Akku oder Ladegerät mehr zu bekommen war und so weiter.

    So auch diesmal, mein tüchtiges, handliches altes Nokia war nur mehr am Stromnetz zu betreiben (sehr sinnvoll bei einem Handy…) das rückwärtige Cover hielt auch nicht mehr richtig zu. Dann also „Adieu!“ und welches jetzt kaufen? Habe eine Weile gezögert, dann kam mir eine Aktion meines Netzanbieters in die Finger, die etliche Teuronen wert war und auf der Rechnung letztlich eine Null ergab. Auch nicht zu verachten.

    Also ab in den Handyladen meines Vertrauens, dort arbeitet ein Mann der ein Kuriosum darstellt: Ein technisches Genie, aber er lehnt es auch ab, ständig etwas Neues zu kaufen, nur weil es neu ist. Dass ich kein Smartphone mag, wusste er schon, das hat auch seine Gründe: Zu empfindlich, braucht zu viel Strom, für das Internet unnötig, für Musik zu schwach (meine bevorzugten Kopfhörer würden das Ding ohnehin umbringen), als e-book zu klein, Fotos und Videos passieren mit Spiegelreflex etc. Vor allem brauche ich keine gefühlten siebenhundert Apps und Selfies mache ich schon gar nicht. Sicher nicht.

    Und was statt dessen? Ob ich irgendwelche besonderen Wünsche hätte?

    Oh ja! Die hatte ich! Tasten, aber doch ein paar moderne Features, mehr Dichtigkeit gegen Wasser und Staub als bisher, bessere Stoßfestigkeit, laaaange Standby-Zeit, Kamera mit Licht für Notfälle. — Fertig? – Ja, fertig. 

    Ohne mich überhaupt in den Regalen umzusehen, habe ich dann etwas hirnlos gefragt, ob es überhaupt noch Tastenhandys aus heutiger Produktion gäbe, abgesehen von den Senioren-Handys. Das hat allerdings Gelächter ausgelöst: „Dreh dich einmal um, die erste Vitrine – alles seit Jahresanfang geliefert und das hier ist überhaupt etwas ganz Neues!“ Erst schauen und dann fragen. 

    Das Handy-Genie hatte ganz richtig verstanden, dass ich mir eigentlich ein Outdoor-Gerät wünschte für sorgloses Herumschleppen. Das ist es tatsächlich: Wirklich wasserdicht, staubdicht, sturzfest… Na bitte! Offensichtlich bestand Nachfrage nach einem Handy das man nicht behandeln muss wie ein rohes Ei. Vertrieben wird das robuste Wunderding ausgerechnet unter der Marke eines weltbekannten Herstellers von Baufahrzeugen!

    Bis Geschäftsschluss war noch ein bisschen Zeit, also hat der Verkäufer mich noch in einige Details eingewiesen, wo welche Funktion dahinter steckt, unter anderem auch eine Weltzeit-Uhr für viele Städte. Und jetzt kommt’s:

    Wenn man in das Programm einsteigt erscheint voreingestellt als erstes – MOSKAU! 

    Nanu? Laut Beschreibung wird das Handy in China gebaut! Kleine Verneigung vor einem befreundeten Land? Egal, ich hab’s als Fingerzeig gewertet, als kleinen Schubs an meine Vernunft, gefälligst zu sparen wenn ich nächstes Jahr wirklich nach Russland gelangen möchte. Aber bitte, ich habe ja schon angefangen – vierhundert Euro hätte ich auch ausgeben können für ein Smartphone!

    Eines ist nämlich fix: Allein verreisen lasse ich mein Handy nicht!

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    Tags:
    Handy, Russland