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03:31 24 Oktober 2019
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    Marc Chagall Jude in Rot 1915

    Rendezvous in Wien

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    Das ist einmal eine Idee für eine Ausstellung!

    Wer die Künstler der russischen Avantgarde schätzt und es bis jetzt nicht nach St. Petersburg geschafft hat, der schafft es vielleicht nach Wien, in die Albertina? In dieser Ausstellung ist St. Petersburg nämlich nach Wien gekommen mit herrlichen Leihgaben! 

    Wäre eigentlich ein Pflichttermin für alle Anhänger dieser Epoche der russischen Malerei. „CHAGALL BIS MALEWITSCH – DIE RUSSISCHEN AVANTGARDEN“ heißt die Ausstellung.

    Die Albertina in der Wiener Innenstadt ist als Gebäude ja schon eine Sehenswürdigkeit für sich. Ich  muss das wissen, ich bin in dieser Stadt aufgewachsen. Ein barockes Stadtpalais des hohen Adels, nahe dem riesigen Komplex der Hofburg gelegen, hat das herrliche Palais verschiedene Besitzer er- und überlebt, allen Wirren und Zerstörungen zweier Weltkriege zum Trotz. 

    Ich darf zitieren von der Website der Albertina (läßt sich bei Bedarf auch auf Fremdsprachen umschalten):

    DIE HABSBURGISCHEN PRUNKRÄUME DER ALBERTINA

    Seinen Namen erhielt das Palais Albertina vom Schwiegersohn von Maria Theresia, Herzog Albert von Sachsen-Teschen. Dieser ließ das barocke Stadtpalais des Grafen Silva-Tarouca zwischen 1802 und 1804 durch einen imposanten Prunkraumflügel erweitern. Die exquisite Ausstattung im Louis-Seize-Stil stammte aus den königlich-französischen Hofwerkstätten zu Paris und Versailles und wurde ursprünglich für Alberts Brüsseler Residenzschloss Laeken angefertigt.

    1822 veranlasste Erzherzog Carl, Adoptivsohn von Herzog Albert, die Neugestaltung der nunmehrigen habsburgischen Prunkräume im Stil des französischen Empire und beauftragte Joseph Danhauser, das gesamte Palais mit edlen Möbeln und kunstvollen Parkettböden auszustatten.
 

    Aus der Periode von Erzherzog Albrecht hat sich nur das sogenannte Rokokozimmer erhalten, und aus der letzten Ausstattungsphase unter Albrechts Neffen Erzherzog Friedrich stammt das Spanische Appartement, die einzige permanente Residenz des spanischen Königshauses außerhalb des eigenen Territoriums.

    Nach der Enteignung im Jahre 1919 durfte Friedrich alle beweglichen Güter, darunter die exquisiten Möbel, ins ungarische Exil mitnehmen. Die leeren Prunkgemächer dienten fortan als Studiensaal, Bibliothek, Ausstellungsräume, Depots und Büros.

    Im Jahr 2000 begann die umfassende Restaurierung der Prunkräume und ihre Wiederausstattung mit Originalmöbeln, die in den Jahren 2006/07 weitgehend abgeschlossen wurde.

    Heute entführen 20 preziöse Prunkräume BesucherInnen wieder in das prachtvolle Reich des Klassizismus, während die wiederhergestellten Fassaden die herausragende Stellung des Palais und den hochherrschaftlichen Rang seiner habsburgischen BewohnerInnen bezeugen.“

    Wer für solche Paläste Interesse hat sollte vielleicht etwas mehr Zeit einplanen, die Wiener Innenstadt hat auf diesem Gebiet viele Schätze zu bieten!

    Die Werke der russischen Avantgarde direkt in einem solchen Ambiente auszustellen wäre natürlich eine ästhetische Ohrfeige, aber keine Angst, man hat die Ausstellungssäle in einem kühl-schmucklosen Stil adaptiert der die Bilder optimal zur Geltung bringt, die Aufmerksamkeit des Betrachters nicht irritiert, durch wechselnde Wandfarben aber auch nicht einschläfernd wirkt.

    Und so wandert man dann zwischen beeindruckenden, teils großformatigen Bildern umher, die so unterschiedlich sind wie der „Spaziergang“ von Marc Chagall, wo die Dame wohl eher spazieren fliegt in ihrem bauschigen Kleid, die „Mädchen im Feld“ von Kazimir Malewitsch, deren flächig-schwere Erdgebundenheit in satten Farben die Hitze des russischen Hochsommers ahnen läßt und der „Radfahrer“ von Natalia Gontscharowa, der so schnell vorbei fegt, dass man keine klaren Umrisse mehr erkennt, wie auf manchen Sportfotos heutiger Zeit. 

    Natürlich sind das noch nicht alle Künstler, Wassilij Kandinsky zum Beispiel durfte ebenfalls nicht fehlen und von Kazimir Malewitsch ist auch das „Schwarze Quadrat“ zu sehen (in dem ich – es tut mir leid – gar nichts sehe außer Schwarz). Ein Fenster in der Nacht?

    Neugierig geworden? Bis 26. Juni 2016 läuft die Ausstellung noch, das sollte sich ja wohl ausgehen bis dahin!

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    Tags:
    Avantgarde, Malerei, Kunst, Marc Chagall, Kazimir Malewitsch, Natalia Gontscharowa, Österreich