09:14 15 November 2019
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    Ein Loch (Symbolbild)

    „There’s A Hole In The Bucket…!“

    © Flickr/ Scott Robinson
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    …oder warum nicht jedes Loch an irregulärer Stelle ein Leck, also etwas Zufälliges ist.

    Einige Tage lang habe ich mir das jetzt angesehen; nicht ganz so aufgeregt wie man es hätte sein können, hätte man es nicht schon eine Weile vorher mehr oder weniger gewusst, nicht nur geahnt infolge eines sattsam angekündigten Medienkrieges. Dmitrij Peskow, der Pressesprecher von Präsident Putin, hatte uns – jedenfalls jene, die hören wollten und nicht Wachs in den Ohren hatten, wie Odysseus bei den Sirenen – gewarnt, es käme eine Schlammlawine auf den Präsidenten zu und damit indirekt auch auf alle jene die auf seiner Seite stehen. Das sind bekanntlich nicht wenige.

    Da dürfte die Bombe in der Presseabteilung des Kreml bereits detoniert gewesen sein, grundlos geht eine solche Warnung nicht an die Öffentlichkeit hinaus. Impertinent formulierte Post hätte man bekommen, in einem Stil dass jeder Mensch der noch einen Rest von Selbstachtung besitzt garantiert nicht darauf antworten würde. Was dachten jene, wen sie vor sich haben? Ihresgleichen?

    Natürlich werden alle, die Russland und seinen Präsidenten ganz speziell hassen, begeistert auf den Zug aufspringen, jubelnd, dass ihnen jemand verlässlich die Richtung angibt. Lassen wir sie jubeln. Es wird wieder aufhören, auf die eine oder andere Art.

    Ebenso natürlich hat die Bombe der „Panama Papers“ auch auf der gegenüberliegenden Seite eingeschlagen und dazu gehört unser Laptop-Quartett, wie wir es genannt haben, ein etwas überreifer Mädels-Club, der sich von Zeit zu Zeit trifft und der Bequemlichkeit halber gemeinsam vor einen einzigen Laptop hockt, wenn wir alle zusammen über die gleichen Themen reden wollen. Jeder fällt etwas anderes ein, wo man noch nachsehen könnte, das Gerät wandert ein bisschen auf dem Tisch hin und her, nicht immer sieht man gleich gut auf das Display. Wohl aus diesem Grund hat eine meiner Freundinnen die „Panama Papers“ gleich zu Anfang umbenannt: „Waaas?…Wie heißt das?…BANANA PAMPERS?“

    Autsch! Wo unser Respekt hingerutscht ist für die erhabenen Enthüllungen, die man gnädig der tumben Menschheit hatte zuteil werden lassen wollen, überlasse ich der Fantasie des Lesers.

    Dann allerdings wurde es rapid weniger lustig. Wo wir überall herum gesurft und gewühlt haben, kann ich auswendig gar nicht mehr sagen. Allmählich herauskristallisiert hat sich aber, dass in diesen Unterlagen (nennen wir es einmal so) keinerlei US-Amerikaner enthalten waren. Da gab es Finnland und Island, Großbritannien und die Ukraine, auch deutsche und österreichische Banken, Prominenz abseits der Politik und natürlich – sehr breit aufgestellt – Russland mit einem dicht besetzten Zirkel von Menschen, deren Nähe zu Präsident Putin seit Jahrzehnten bekannt ist, auch nie verheimlicht wurde, mit Sergei Roldugin als Mittelpunkt. Jener Musiker und Jugendfreund des Präsidenten der RF erschien den Auftraggebern wohl am geeignetsten, die Pferde zu halten in der Schlacht. Darin angeführt auch Einzelne aus dem engsten Familienkreis, den der Präsident aus verständlichen Gründen aus der Öffentlichkeit heraushält. Würde mein Vater auch getan haben unter gleichen Umständen.

    Dass gegen den russischen Präsidenten derartige Attacken geritten werden, ist nicht das erste Mal, u.a. 2012 gab es ähnliche Angriffe, diesmal herausragend ist allerdings der Umfang und die Heftigkeit. Das scheint den Initiatoren der Kampagne wirklich wichtig gewesen zu sein. Ein Luke Harding taucht da auf, anscheinend der Anführer des Kesseltreibens, das von einer internationalen Journalistengruppe geleitet wird. Erstmals das Tageslicht erblickt hat die Ungeheuerlichkeit in der Zeitschrift „Süddeutsche Zeitung“, danach intensiv damit befasst hat sich „The Guardian“.

    Im RUSSIA INSIDER vom 4. April 2016 wurde das Ganze dann ein wenig kürzer gefasst, verständlicher, lesbarer, gewürzt mit der üblichen Prise Ironie, gipfelnd in der interessanten Feststellung, dass der Name Wladimir Wladimirowitsch Putin kein einziges Mal in dem ganzen Konvolut zu finden ist. Nun, selbsternannte Ermittler dieser Spielart pflegen um ihr Zielobjekt herum nicht vorsätzlich ein Vakuum zu lassen. Was man da aus den Datensätzen der Kanzlei Mossack Fonseca herausgeholt hat würde man auch nicht sorgsam um den Präsidenten herum ausgeschnitten haben, wäre er darin zu finden gewesen. Ein Video mit einer Auswahl an Tweets liefert RUSSIA INSIDER auch dazu.

    Dass diese Offshore-Briefkastenfirmen nicht grundsätzlich illegal sind, wusste eine aus unserem Laptop-Quartett schon von früher, sie ist juristisch von uns allen am besten beschlagen. Gut, damit war zumindest das geklärt. Alsbald begann sich aber wieder der Gedanke vorzudrängen, wo denn die Amerikaner seien in dem Spiel? Das gäbe es doch überhaupt nicht, dass die keine solchen Offshore-Firmen beschäftigten! Brennstoff bekamen unsere Überlegungen aber erst richtig bei Durchsicht der DEUTSCHEN WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN (DWN) vom 4. April 2016, dort tauchte nämlich eine aufschlussreiche Textstelle auf, ich zitiere: „Ein Whistleblower hat einem internationalen Medien-Verbund einen umfangreichen Datensatz zugespielt.“

    Aha. Damit wäre also der Gebrauch des Wortes „Leak“ oder „Leck“ obsolet geworden. Ein Leck entsteht zufällig, hat eine begrenzte Größe und ist meist unerwünscht. Letzteres dürfte es ja für Mossack gewesen sein, der Sprecher der Kanzlei der kurz in den ORF-TV-Nachrichten zu sehen war schien einem Herzinfarkt nahe, zufällig war es aber sicher nicht und schon gar nicht von mäßiger Größe, das waren mehrere Therabyte (in den Alltag übersetzt: eine externe Festplatte mit 1-2 Therabyte ist schon ein ziemlich kapitales Ding)! Weiter unten im Text der DWN kam dann ein weiteres Häppchen: „Interessant: Bei der ersten Veröffentlichung finden sich keine US-Politiker in den Aufstellungen. US-Kunden bedienen sich in der Regel anderer Offshore-Plätze als Panama.“

    Für mich persönlich, die ich bekanntermaßen weder mit den USA sympathisiere noch mit den Briten, war da erst richtig die Bombe hochgegangen im Stil eines Säurezünders. Ei freilich, sie hatten die Möglichkeit aus sicher abgedunkelten Kulissen heraus die Datensätze mit geschickt eingegrenzten Selektoren zu bestellen, ohne selbst ins Licht zu geraten. Und beide Staaten sind nicht gerade Archetypen der Freunde Russlands. Das ist nun meine ureigenste Sicht der Dinge, niemand muss sie teilen, aber viele werden sie teilen, tun es jetzt schon. Ich bin ja nicht der Erzengel Gabriel, den Leuten etwas Neues zu verkünden!

    In dem ganzen Wirrwarr flüchtig angespielt wurde auch das Thema des früheren russischen Präsidenten-Beraters Michail Lessin, der bereits am 5. November 2015 in seinem Hotelzimmer in Washington (sic) gewaltsam zu Tode kam, wie sich später herausstellte. Nun ist ja von November bis März kein so ewig langer Abstand. Wem war Lessin im Weg? Wollte er nicht die „richtigen“ Antworten geben? Wer hat warum das Gerücht in die Welt gesetzt, Lessin hätte 40 Tage später die USA verlassen — lebendig? Hatte Lessin sich auf beiden Seiten Feinde gemacht? Ein nicht eben freundlicher Artikel in der „Süddeutschen“ vom 11. März 2016 deutet in wenig in diese Richtung; was hat Lessin nun in den „Panama Papers“ für einen Platz? Eine schillernde Figur war er allemal; dass aber in diesem Hotel in Washington auch politisch nicht alles mit rechten Dingen (strafrechtlich war es ohnehin ein klarer Mord) zugegangen sein kann, zeigt die – für diplomatische Begriffe – ziemlich gepfefferte Tonart, in der Präsident Putin von Washington eine Erklärung gefordert hat. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die tragischen Vorgänge um Lessin schon mit den „Panama Papers“ zu tun hatten, und zwar aus dem maßgeblichen Hintergrund heraus, nicht so sehr in der Hinsicht dass Lessin auch darin erwähnt ist.

    Alle Informationsteilchen zusammen genommen, die wir finden konnten in einer halben Nacht, sind wir jedenfalls alle vier zu einer ebenso privaten wie einhelligen Meinung gekommen:

    Das war kein Leck, das war eine von langer Hand vorbereitete und bestellte Bohrung mit exakten Koordinaten!

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    Tags:
    Panama Papers, Offshore-Zonen, Michail Lessin, Dmitri Peskow, Wladimir Putin