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01:16 15 Oktober 2019
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    Katzen auf der japanischen Insel Aoshima

    Miiiaaaooouuu auf Russisch

    © REUTERS / Thomas Peter
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    Ein wenig Entspannung in hektischen Zeiten mit gar nicht musealen, pelzig-charmanten EntertainerInnen, NervenpflegerInnen und bildschönen Mitwirkenden in Museen, auf Flughäfen, Schiffen und sonst noch allerorten.

    Die kürzliche Meldung, dass russische Wissenschaftler drauf und dran seien, die Katzensprache zu enträtseln (ich hätte nicht immer wissen wollen, was unsere beiden Haustiger über uns gesagt haben), hat mich auf die Idee für diesen Artikel gebracht.

    Die Unterhaltung mit diesen besonderen Wesen dürfte wohl international sein, wenigstens dabei rechne ich mir keine Sprachbarriere aus, sollte ich diese Orte einmal besuchen können, wo ich Sie in der Folge virtuell hinführen möchte. In über 18 Jahren dankbar-ergebener Dienerschaft für zwei überirdisch intelligente und sehr irdisch schmusefreudige und verfressene (muss leider auch gesagt werden) Kater durfte ich mir rudimentäre Sprachkenntnisse und Höflichkeitsregeln aneignen, liebevoll unterstützt von meinem Mann.

    Keiner von diesen wunderbaren dreien ist mehr bei mir, keiner hat einen echten Nachfolger gefunden, zu einem spürbaren Abstieg hatte ich keine Lust. Im Erwachsenenalter sind Männer erziehungsresistent und Katzen kann man höchstens marginal disziplinieren. Weitergegangen ist das Leben trotzdem, die Rechnung zahlt jetzt jede Katze, die sich meine Zudringlichkeiten gefallen läßt samt gelegentlicher Bestechung für besondere Hoheiten. Die Männer (zweibeinige) bleiben davon verschont, nicht dass sich hier seltsame Vermutungen bezüglich meiner Aktivitäten einschleichen!

    In Russland schätzt man Pelz und erfreulicherweise auch bewohnten. Das zeigt sich an den interessantesten Orten in vielen Spielarten und für die angenehmen Façetten des Lebens in Russland werde ich besonders leicht auf RBTH fündig. Suchbegriff „Katzen“ eingegeben und da waren sie — abwechselnd mit anderen Tieren – Katzen, große und kleine. Über die hochoffiziellen Schutzprogramme der Regierung für Amurtiger & Co muss ich ohnehin nicht viel sagen, die sind bekannt und für Details machen Sie sich besser auf der offiziellen Website des Kreml kundig. Der Link hier ist nur ein Wegweiser, da gibt es mehrere Programme und alle haben eine höchst lebendige Galionsfigur, nämlich den Präsidenten der RF persönlich!

    Insgesamt scheint man also Katzen zu mögen in Russland. Besonders im Winter finde ich das sehr verständlich – weich, warm, schnurrrrrrrrr…!

    Möchten Sie mitkommen und sich mit einigen der süßesten und interessantesten VertreterInnen der Schar mit den Spitzöhrchen bekannt machen lassen?— Gut. Gehen wir. Warme Jacke nicht vergessen, an einigen Orten wo ich Sie nach der Ankunft in Moskau hinführen möchte dürfte es noch kühl sein und wir Menschen haben ja keinen so eleganten Natur-Kälteschutz!

    Kampfkatze am Sheremetyevo-Airport

    Bleiben wir noch kurz in Moskau vor der Weiterreise, da scheint ordentlich was los zu sein in Sachen „Miau“! Schauen Sie sich an, was Mitte Februar 2016 eine Bengalkatze geschafft hat. Eine wie diese, genießen Sie diesen Schmusekätzchen-Blick:

    Bengalkatze – Teilnehmer einer Katzenausstellung in Rom.
    © REUTERS / Max Rossi
    Bengalkatze – Teilnehmer einer Katzenausstellung in Rom.
    Ist doch optimal für das Kopfkissen in einer Winternacht – oder etwa doch nicht?

    Eine teure Dame übrigens, diese Katzen kosten ein kleines Vermögen – was offenbar keine Garantie für Manieren ist, wie dieser Beitrag zeigt, den ich auf Sputnik International in der englischen Version entdeckt habe.

    Einrichtung und System in der Boutique dürften ihr zutiefst missfallen haben und bis zum Erscheinen des Artikels waren nicht einmal Spezialisten imstande, das Tierchen einzufangen! Vielleicht gelang das später den dringend gesuchten Besitzern. Ich weiß nicht wie lange die Vorstellung auf dem Moskauer Flughafen danach noch weiterging. Da hat die Samtpfote wohl ihre Bengaltiger-Gene wiederentdeckt und das fehlende Volumen durch Temperament ausgeglichen (satte Tiger sind ziemlich faul).

    Jetzt geht es aber mit Schwung nach Norden, nach St. Petersburg, dort gleich an einen der kulturell wichtigsten Plätze, nämlich in die Eremitage. Nicht, dass sie unbekannt wäre, aber von dieser Seite kennen Sie sie vielleicht doch noch nicht:

    Die Katzen der Eremitage

    Bei der zu Recht weltbekannten Eremitage in St. Petersburg denkt man mit Sicherheit nicht in erster Linie an Katzen, viel eher wohl an wertvollste Kunstschätze. Allerdings sind beide Assoziationen richtig.

    Leider ging es den Katzen dort (es sind ziemlich viele) nicht immer so gut wie der majestätischen Dame auf dem Bild im Artikel von RBTH; sie haben viel Schlimmes erlebt bis sich endlich Menschen gefunden haben, die jetzt liebevoll für sie sorgen. Das scheint irgendwie sinnbildlich für die Stadt zu sein, das frühere Leningrad hatte im Lauf des 2. Weltkriegs ja eine Blockade auszuhalten, die unzählige Menschen das Leben gekostet hat aus schierem Hunger, von allem anderen ganz zu schweigen. Auch die Mutter von Präsident Putin wäre dieser Hungersnot fast zum Opfer gefallen und hat nur knapp überlebt. Schrecklich. Der Gedanke dass es diesen Präsidenten heute nicht gäbe, wäre seine Mutter damals gestorben, ist auch nicht gerade angenehm. Das war ja mehrere Jahre vor seiner Geburt. Wer weiß was da heute in Russland los wäre!

    Haben Sie sich von den Herrschaften im Pelz gebührend verabschiedet? Jetzt geht’s anschließend ein großes Stück nach Osten. Diese Strecke auf einem oder mehreren Wasserwegen zurückzulegen wäre ja verlockend, aber es ist leider nicht machbar, schon aus Zeitgründen. Nicht zu ändern, dass wir dadurch vielleicht nette Bekanntschaften versäumen.

    Schiffskatzen…

    …gibt es nämlich auch in Russland, oder genauer gesagt auf russischen Schiffen. Manchmal sogar mehrere, unter anderem auf einem Atomkreuzer der KIROV-Klasse. Genau dort lebt ein ganz lieber schwarzer Kater, „Botsman“ genannt, das dürfte die russische Adaptierung für „Bootsmann“ sein. Runder, fast querformatiger Pelzkopf, dickflauschiger Backenbart, riesige Augen wie Edelsteine, kurze dicke Beinchen und Pfoten, ein Bild von einem Kuschelkater – und ich finde den Link nicht mehr! Schade, ich hätte Ihnen Botsman zu gerne vorgestellt, Sie würden ihn mögen!

    So, da wären wir wo ich hinwollte. Krasnopolye heißt der Ort, in der Republik Chakassia. Wahrscheinlich wäre es den Bewohnern lieber gewesen, gänzlich unbekannt zu bleiben, als mit etwas so Schrecklichem wie den Sommerfeuern von 2015 bekannt zu werden. Glück im Unglück hatten sie aber trotz allem noch und eine süße kleine Tigerkatze ganz besonders:

    Der kleine Dickschädel von Chakassia

    Das bringt wohl nur eine Katze fertig, auf eine freundliche Aufforderung des Präsidenten einfach entschlossen „Nein!“ zu maunzen und das Weite zu suchen! Zumindest bis auf den Arm ihres angestammten Herrchens. Wie ich darauf gekommen bin? Sehen Sie selbst, nachher.

    Der Sommer 2015 hat wieder ganz furchtbare Brände gebracht, so auch in Chakassia, komplette Dörfer wurden zerstört, den genauen Grund weiß ich auch nicht, es war von Fahrlässigkeit mit Feldfeuern ebenso die Rede wie von Blitzen, aber ich glaube nicht dass man das noch schlüssig herausfinden konnte. Passiert ist die Katastrophe im Juni, den Menschen wurden neue Häuser zugesagt bis zum Winter anläßlich der Besichtigung durch Präsident Putin und im September kam er nochmals hin, inspizieren ob alles planmäßig fortgeschritten war. Wunderbarerweise hat auch eine junge Katze die Feuer überlebt, sie muss da noch ein richtiges Katzenbaby gewesen sein und hier ist auf YouTube zu sehen, was sich später zugetragen hat im neuen Haus der Familie.

    Aber so ist das – wenn Mieze nicht will, dann will sie nicht…

    Zwischen so vielen fremden Gesichtern, Geräuschen und Gerüchen schon gar nicht. Keinesfalls. Auch nicht in kundigen Händen. Wo käme man denn da hin mit seiner Katzenehre :-)

    Nur gut, dass die Menschen zugänglicher und vor allem dankbarer waren, wie man anschließend sehen konnte!

    Nun sollten wir aber wirklich an die Rückreise denken, am besten auf einem anderen Weg, damit wir in die Gegend südlich von Moskau kommen. Dort wartet nämlich die nächste Prominenz auf uns mit neugierig vorgestreckten Ohren und Schnurrhaaren. Sie heißt

    Marai…

    …und ist eine neue Mitarbeiterin im Museum von Serpuchow. RBTH hat sie zuerst vorgestellt, aber Sie müssen sie unbedingt auch kennenlernen!

    Hundert Punkte für Sie, wenn ihnen Serpuchow schon vorher ein Begriff war. Mir nicht, Schande über mein Haupt. Jetzt bin ich allerdings klüger, das ist in der Nähe von Moskau, keine 100 km nach Süden, eine ca. 700 Jahre alte Großstadt, die auch über Jahrhunderte als Bollkwerk für Moskau funktioniert hat, aber nicht nur das. Mit der Zeit wurde aus Serpuchow auch ein religiöses Zentrum. An Kriegen hat es ohnehin nie gefehlt. Auf die Dauer bleiben da Erinnerungen haften, schöne wie traurige, auch im dritten (Industrie-) Jahrtausend sorgsam bewahrt u.a. auf einem Soldatenfriedhof und im Museum. Es ist bestimmt kein Nachteil, wenn der Blick in die Vergangenheit ein bisschen aufgelockert wird durch ein bisschen gegenwärtigen Charme!  

    Die Dame um die es geht hat einen sehr intensiven, interessierten Blick, versucht sich offenbar rasch und gründlich zu orientieren. Jedenfalls wird sie eine Zierde des Hauses sein, so schön wie sie ist mit ihrem kupferfarbenen Fell. Schadet auch nicht in einem Museum, die statischen Artefakte durch bewegliche zu bereichern, die sich vielleicht sogar streicheln lassen, erlaubterweise nämlich. Das sprichwörtliche „Berühren der Figüren mit den Pfoten“ ist bei Marai wohl nur dann verboten, wenn Madame die Krallen ausfährt. Diesen Unterhaltungswert dürfte man erkannt haben, sie ist buchstäblich angestellt (für gutes Futter als Lohn) und darf mit ihrer ästhetischen Erscheinung die Kunst ergänzen.

    Vermutlich entfernt sie auch die eine oder andere Maus, die die Sperrstunde missachtet hat.

    Unsere Reise geht jetzt bald zu Ende, gleich sind wir wieder in Moskau und wir sollten uns wirklich ein bisschen ausruhen, die Eindrücke im Kopf verarbeiten. Kurz überlegen, wo wir jetzt am besten hingehen – doch, ich weiß etwas Schönes!

    Das Katzencafé von Moskau

    Wir haben uns wirklich eine Pause verdient, das war eine ordentliche Strecke! Setzen wir uns, bestellen wir etwas Gutes, das unsere fluchtbereiten Lebensgeister wieder einfängt und lassen wir diesmal die Herrschaften im Pelz sich selbst vorstellen. Doch, das passt zusammen, in Moskau gibt es tatsächlich ein Katzen-Café!

    Genießen Sie das Video, es ist einfach allerliebst, die Katzen sind wunderschön, das Lokal ist ganz zauberhaft eingerichtet mit allgegenwärtigem Bezug auf die Katzen und ich hoffe inständig, dass es das noch gibt! Vielleicht hat der Beitrag auf RBTH mitgeholfen. Das Video ist nicht mehr ganz neu und das Lokal war umstritten, eben wegen den Miezekatzen. Das Beste zum Schluss: Die Katzen konnte oder kann mitnehmen, wer sich eine gewünscht hat! Das war die eigentliche Idee dahinter, Katzen die eine Zuhause brauchen zu präsentieren in einer schöneren Umgebung als im Tierheim. Hoffentlich ist das erhalten geblieben!

    Zuletzt noch etwas zum Lachen auf der Heimreise, von dem ich nicht weiß wo das Video entstanden ist, gefunden habe ich es im Sputnik-Videoclub des internationalen Teils.

    Was sich da täglich (!) abspielt kann man wohl nur mehr als bedingungslose Kapitulation bezeichnen. Vorsicht mit der Lautstärke, die Kätzchen wissen sich deutlich auszudrücken! Mein Liebling darin ist übrigens der dickpelzige Schwarze (ich vermute zumindest einen Kater). Laut Beschreibung auf YouTube sind es die Katzen eines Bauernhofs, werden sehr geschätzt und müssen sich durchaus nicht von einigen zufälligen Mäusen und gelegentlichen milden Gaben ernähren!

    Das waren also einige der kuriosesten Beispiele, die ich bei lockerer Suche gefunden habe, ich denke man könnte das Thema „Katzen in Russland“ fortsetzen ad infinitum. Allerdings würde sich das Interesse daran bald abnützen, das wäre dann nur mehr etwas für so eingefleischte Katzennarren wie ich einer bin. Vielleicht irgendwann später wieder. In der Zwischenzeit suche ich ein bisschen weiter herum, was ich finde zu dem Thema.

    Konzentrierte Suche
    © Foto : Blogger Ambuya
    Konzentrierte Suche

    Bis dahin – eine schöne Zeit allen Katzenfreunden und jenen, die es noch werden könnten!

    Miau!

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    Tags:
    Katzen, Tiere