01:31 15 Dezember 2017
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    Amphibien-Offroader Sherp

    Sherpa ohne A

    © Sputnik/ Alexei Danichev
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    von Ambuya
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    „Je älter du wirst, desto verrückter wirst du!“

    Des öfteren muss ich mir das sagen lassen und einmal habe ich – frech wie ich bin – geantwortet:  „Mit irgendwas muss ich ja die Schönheit ersetzen!“ Eine Landung mit einem reichlich bockigen Jet durch ein Gewitter hindurch und über die Kapriolen des Fliegers lachen, ein Motorboot ausleihen, bei Sonne losfahren und in einem Sturm zurück, das erste Bungee-Jumping-Erlebnis mit über 60 Jahren als es mir endlich keiner mehr ausreden wollte (mit dem andererseits ich nicht streiten mochte) und so weiter, und so fort. Das Leben kann so herrlich sein, wenn man nicht ständig damit beschäftigt ist, sich zu Tode zu fürchten! Man sollte sein Leben nicht vorsätzlich aufs Spiel setzen, aber wenn es denn kribbelig wird, dann sollte man das Gebotene schon genießen können, nicht jedes kleine Abenteuer ist gleich das letzte.

    Mag ja sein, dass ich eine Schraube locker oder eine Sicherung verloren habe. Dann bin ich aber jedenfalls nicht allein damit. Die Protagonisten der hier verlinkten Videos hatten es auch nicht so sehr mit der Vorsicht. Diesmal habe ich auf RUSSIA INSIDER etwas gefunden, was ich gleich dreimal habe ablaufen lassen.

    Von der Beschreibung her informativer ist das Video von SPUTNIK auf YT, das wurde an dieser Stelle von der Russischen Botschaft in Wien eingestellt.Super Musik dabei, „A New Error“ von „Moderat“ (bzw. Ausschnitte daraus), passt toll dazu, die Gruppe läßt es genauso donnern wie die Männer in den Autos. Diese hatten sicht- und hörbar ihren Spaß daran, das Eis herauszufordern. Bei der Musikauswahl hatte auch jemand Humor – den Sherp kann man weder als Irrtum noch als moderat bezeichnen! Die Aufnahme ist u.a. mithilfe einer Drohne (man sieht sie manchmal) im Winter entstanden, an und auf einem zugefrorenen See, da hat sich der Kleine mit den dicken Pfoten glorreich als Eisbrecher betätigt.

    Leider war die Jagdmesse, bei der der Sherp in Österreich war schon im Februar, das Ansehen lohnt sich aber trotzdem. Hier bin ich nicht auf die Musik draufgekommen, klingt aber schön wild, sehr passend! Darüber hinaus gibt es noch viele andere, mit dem Suchbegriff „Sherp“ quillt es einem auf YT nur so entgegen.

    Videos haben ja die Eigenschaft, den Bewegungsablauf stark zu dramatisieren, besonders aus dem Fahrzeug heraus, mit diesem Effekt kann man die Regie solcher Arbeiten gut aufpolieren, aber auch von außen wirkte der Umgang der Fahrer mit diesen Amphibienfahrzeugen nicht schüchtern, die sind herumgekurvt wie Kinder auf neuen Inline-Skates. Einmal möchte ich da mitfahren dürfen! Selbst traue ich es mir nicht zu, das wäre wohl wirklich Selbstmord, da würden die Parzen mir sehr ungehalten den Lebensfaden kürzen, aber mit einem geübten Fahrer müsste es ein höllischer Spaß sein.

    Auf RBTH war ein anderes Video zu finden, mit mehr Erklärungen und Daten auf Deutsch, hier ein kleiner Auszug:

    „Technische Daten:

    Diesel-Motor mit 1,5-Liter-Hubraum

    Max-Geschwindigkeit: 45 km/h im Gelände, 6 km/h auf dem Wasser

    Gewicht: 1.300 kg bei 1.000 Zuladung

    Kraftstofftank: 60 Liter, weitere Tanks im Fahrzeuginneren und in den Rädern (plus 200 Liter) möglich

    Kraftstoffverbrauch: 3 Liter pro Stunde.“

    Der Wert über den Verbrauch könnte allerdings eine Gummizahl sein, keine Angabe über die Betriebsart, für die sie gilt. Man sieht, die Parameter wirken eigentlich recht harmlos, aber was man damit tun kann, ist nicht mehr harmlos! Und man kann es tun, bis man müde ist. Abstellen, eine Kleinigkeit essen (kochen geht auch) und schlafen. Richtig, genau da, wo man gerade ist. Fragen Sie mich bitte nicht, was das für ein Raumgefühl sein muss in der Nacht, aber immerhin – es funktioniert! Dass man in der kalten Jahreszeit nicht still und heimlich im Schlaf erfriert, dafür ist gesorgt: der Sherp hat nicht nur eine Standheizung, sondern deren zwei. Möchte man dann doch umkehren, braucht er nicht mehr Platz als Wendekreis als er selbst lang ist, er dreht über dem Mittelpunkt wie ein hartes Ei, das man auf dem Tisch wirbelt!

    Die auf RBTH eingefügten Links rentieren es übrigens auch, ihnen zu folgen. Besonders der Jalopnik ist voll des Lobes und unterstreicht das noch mit dem etwas fiesen Foto von einem kläglich versunkenen Hummer (Auto, nicht Krustentier!), mit einer Schar Ratloser um ihn herum. Vielleicht ein bisschen asymmetrisch, dieser Hummer ist ja kein Amphibienfahrzeug, aber um ehrlich zu sein – lachen musste ich dennoch.

    Haben wollen? 50.000 Dollar (dürften so gegen 45.000 Euro sein) und willkommen im Club! Grundausstattung, versteht sich. Extra Spaß kostet auch hier extra Geld, aber eigentlich klingt mir das günstig.

    Echte Hindernisse kennt der Sherp ohnehin keine, außer vielleicht eine senkrechte Felswand. Wo Fahren nicht mehr geht, wird geschwommen. Motorboot. Hatte da hinten nicht jemand Probleme mit der Wattiefe…? Den müssen wir wohl unterwegs verloren haben.

    Zum Abschluss, gewissermaßen als Dessert, habe ich besonders für jene unter Ihnen, die Russisch können, noch ein längeres Video (20 Min.), das ist kein inszeniertes Kunstwerk, das ist offensichtlich ein Amateurvideo mit den üblichen Schwächen der Bildführung, aber es ist der reine Spaß an der Freude! Da sind vier Männer nachts mit dem kleinen Monster unterwegs, einer erklärt die Sache recht gut (ich arme Maus habe davon leider nur „Privjet!“ und „Super Aggregat“ verstanden) und alle vier lachen sich buchstäblich kaputt. Ich glaube, das Auto hat stellenweise auch gelacht… Jedenfalls hatte ich manchmal den Eindruck, dass es ein bisschen eigenen Willen entwickelt hat zwischen verschneiter Straße und Wasser mit Eisschollen darauf :-) Jedenfalls machte es nach einer Viertelstunde kräftig „PLATSCH!“ und die vorne Sitzenden waren ziemlich nass, dank der geöffneten Windschutzscheibe. Viel Spaß damit!

    Tags:
    Sherp, Russland