20:00 14 November 2019
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    Deutsche Fußball-Fans mit dem Plakat Jerome, ziehe neben uns ein

    Haus neben Boateng gesucht!

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    Die Amsel sitzt schon wieder auf der Antenne, Müller ein paar Meter von ihr entfernt. Er betrachtet seinen Balkon: eine leere Bierkiste und Mineralwasserflaschen. Er muss dringend zum Getränkemarkt. Auch der Grill ist noch nicht in EM-Form. Von den Blumenkästen mit den verdorrten Stängeln ganz zu schweigen.

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    © AFP 2019 / Staff
    Alles in allem ist sein Balkon in einem traurigen Zustand. Da muss Müller unbedingt ran. Was wohl die Nachbarn denken… Gegenüber erhebt die Amsel plötzlich ihr Gezwitscher. Müller schaut zu dem schwarzen Vogel rüber. Er hält inne. Moment, schwarz und Nachbar — da war doch was! Er hat es in den Nachrichten gesehen. Ein Politiker hatte etwas über Jerome Boateng gesagt. Den würden die Deutschen zwar als Fußballer toll finden. Aber neben dem dunkelhäutigen Mann wohnen möchte keiner. Mit der Behauptung hatte der Politiker überall für riesige Empörung  gesorgt.

    Neben Boateng wohnen… Müller denkt nach. Der Mann ist Weltmeister, spielt bei Bayern München und verdient Millionen. Der hat bestimmt ein riesiges Haus. Das hätte man als Nachbar dann sicher auch. Logisch.

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    © AP Photo / Hannibal Hanschke
    Müller schaut zur Amsel hinauf, die immer noch munter vor sich hin zwitschert. Ob Boateng wohl singen kann? Müller ist skeptisch. Anderseits: Wenn der so viel Geld verdient, dann hat er auch einen großen Garten. Selbst wenn er singen würde wie Dieter Bohlen, wahrscheinlich würden die Nachbarn davon nichts mitkriegen. Außerdem hätte Müller dann selber auch einen großen Garten. Er denkt weiter. Wenn beim Bolzen mit seinem Sohn der Ball mal über den Zaun fliegt, dann würde Boateng nicht schimpfen, sondern hätte bestimmt Verständnis. Der Fußballer würde den Ball einfach wieder zurückschießen. Ja, vielleicht sogar mitspielen. Hat der Boateng eigentlich Kinder? Müller beschließt, das später zu googlen oder zumindest seine Frau zu fragen. Jetzt lächelt er. So'n Fußballprofi, der muss am Wochenende ja immer arbeiten, also spielen. Große Partys mit nächtlichen Polizeieinsätzen wegen lauter Musik und Gegröle — die würde es mit Boateng wahrscheinlich nicht geben. Vielleicht könnte der Abwehrspieler, als guter Nachbar so zusagen, ja auch Tickets für seine Spiele besorgen. Müsste eigentlich drin sein. Im Gegenzug würde ihn Müller zum Grillen einladen. Sicher, in München wohnen, das wäre ein Problem. Die Stadt ist nicht so Müllers Ding. Aber wenn man ein großes Haus mit Garten hat, müsste man ja auch nicht ständig vor die Tür. Darüber könnte man also reden. Boateng als Nachbar, klingt echt gut, denkt Müller. Er wird gleich mal bei immoscout schauen, was der Münchener Wohnungsmarkt so hergibt. Man kann ja mal gucken.

    Die Amsel sitzt still auf der Antenne und scheint auf eine Reaktion ihrer Umgebung zu warten. Gleich morgen wird Müller den Balkon auf Vordermann bringen. Was sollen denn die Nachbarn denken…

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    Fußball-EM 2016, Jerome Boateng, Deutschland