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21:36 20 Oktober 2019
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    Marco Reus

    Von Reus' Storchenbeinen: völlig ballaballa!

    © AFP 2019 / Tobias Schwarz
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    Euro-2016 in Frankreich (135)
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    Heute mal keine Amsel und kein Balkon. Schuld sind die Unwetter in Deutschland. Auch in Müllers Heimatstadt regnet es in Strömen. Statt auf seiner Holzbank unter freiem Himmel sitzt er auf dem Sofa im Wohnzimmer. Grübeln kann er aber auch hier.

    Michel Platini bei der Europameisterschaft 1984 in Frankreich
    © AFP 2019 / Staff
    Zwei Frauen gehen ihm nicht aus dem Kopf. Beide hatten etwas über Fußball gesagt. Die eine war seine eigene. Sie hatte beim Abendessen gesagt: "Hast Du gehört? Der Reus darf nicht mit zur EM. Das muss hart sein für ihn, er hat ja schon die WM verpasst!" Donnerwetter, denkt Müller, während es draußen wie aus Eimern schüttet. Seine Frau ist normalerweise jemand, den Fußball so viel interessiert wie ihn selbst — nun, vielleicht  "Germany 's next Topmodel" oder so etwas. Trotzdem hat sie die Meldung interessiert – wegen des menschlichen Aspekts. Nun gut, denkt Müller, sicher ist das doof für Reus, schon wieder verletzt, schon wieder nicht dabei bei einem großen Turnier. Sein Mitleid hält sich aber in Grenzen. Ist Reus nicht der Typ, der jahrelang mit dem Lamborghini und ohne Führerschein durch die Welt geheizt ist? Als er erwischt wurde, musste er über eine halbe Million Euro bezahlen. Nein, mit dem hat Müller kein Mitleid. Dann schon eher mit Max Kruse vom VfL Wolfsburg. Der darf auch nicht mit nach Frankreich. Nicht, weil er verletzt ist. Und auch nicht, weil er sich und andere Menschen in Gefahr gebracht hat. Kruses Vergehen waren diese: Er hat beim Pokern gewonnenes Geld im Taxi liegen gelassen, auf Facebook erzählt, mit welcher Frau er nachts in die 3. Halbzeit gegangen ist und einer Reporterin das Handy weggenommen, weil sie ihn trotz mehrfachen Widerspruchs auf seiner Geburtstagsparty fotografiert hat. Vergleichsweise schwere Vergehen…

    Gut, denkt Müller, das zeugt alles in allem auch nicht von allzu hoher geistiger Erleuchtung. Trotzdem gibt es beim Deutschen Fußballbund eine Doppelmoral: Dem Raser ohne Führerschein wird vergeben, dem tratschenden Zocker nicht. Hatte nicht auch der Bundestrainer selber Ärger wegen zu schnellem Fahren?

    Müller schüttelt den Kopf: "Reg Dich nicht auf, Du kannst eh nichts ändern."

    Bundestrainer Joachim Löw nominiert Nationalmannschaft-Kader für Fußball-EM 2016 in Berlin
    © AP Photo / Hannibal Hanschke

    Er schaut auf den Balkon. Der Regen lässt nach. Die Gedanken wandern. Reus verletzt — sportlich ist das sicher ein Verlust. Er hält inne… Moment mal, steht jetzt eigentlich noch ein einziger Dortmunder im deutschen Kader? Er schaut nach. Gut, Hummels wird noch beim BVB geführt. Nach der Europameisterschaft ist er aber bei Bayern München. Er geht die Liste weiter durch und stellt fest: In Löws 23er Kader gibt es nur einen "echten" Dortmunder: Julian Weigl. Das ist der Dreikäsehoch aus dem defensiven Mittelfeld. Müller lässt sich in das Sofa sinken. Er überlegt. Reus und Gündogan, der zu Manchester City wechselt, sind verletzt. Marcel Schmelzer, Sascha Durm, Matthias Ginter, Gonzalo Castro — diese BVB-Spieler wollte der Bundestrainer nicht. Aber sicher! Das machen die beim DFB, um die Bundesliga wieder spannender zu machen. Während sich die Bayern in Frankreich abhetzen, können die BVB-Spieler urlauben und ausgeruht in die neue Saison gehen… Logisch.

    Deutsche Fußball-Fans mit dem Plakat Jerome, ziehe neben uns ein
    © AFP 2019 / Andreas Gebert / dpa

    Müller schüttelt den Kopf und lacht. Völlig ballaballa. "Was für ein Blödsinn …", denkt er. "Es wird Zeit, dass die EM losgeht, sonst dreh ich noch durch!" Fast so wie die andere Frau, an die er ständig denken muss, diese Politikerin. Die war auf eine Satiremeldung hereingefallen — aber

    krachend! Die Meldung lautete: Die Bundesregierung strebe eine gemeinsame EU-Mannschaft an und wolle die Nationalmannschaften abschaffen. Müller schüttelt den Kopf. Wie kann man so einen Quatsch ernst nehmen? An der Bundesregierung gibt es sicher jede Menge zu kritisieren. Aber eher schafft sie die Steuern ab als Nationalmannschaft. Er erhebt sich vom Sofa und steuert das Badezimmer an. Eine EU-Mannschaft – wie viele Dortmunder da wohl mitspielen würden…

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    Zum Thema:

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    Tags:
    Fußball-EM 2016, Marco Reus