04:01 15 November 2019
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    Schreck lass' nach!

    © Sputnik / Grigoriy Sysoev
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    Die Fußball-EM hat ihre Anhänger noch voll im Griff für etwa drei Wochen, aber vielleicht schon jetzt wird so manche(r) mit Unbehagen feststellen, dass – im Gegensatz zu den Sportlern – ihr oder ihm das Sitzen vor dem Fernseher samt Verpflegung eine fülligere Taille einbringt.

    Fragen Sie Ihre Waage rechtzeitig, nach der EM ist das Problem nämlich sicher gewachsen, sprich: schwerer geworden. Ausgerechnet jetzt, zur Badesaison! Immerhin ist ja in einigen Teilen Europas bereits erfolgreich der Sommer eingeritten.

    Da heißt es nun erbarmungslos Flagge zeigen in Bikini und Konsorten. Au weia! Jetzt sind Notfallsmaßnahmen angesagt und dafür hat sich seit einiger Zeit ein neues Lebensmittel eingeführt, das sehr kontrovers diskutiert wird, sowohl von der Wirkung her, als auch vom kulinarischen Stellenwert: Konjak-Produkte in allen Variationen, vom puren Pulver aus der Wurzel bzw. Knolle der Pflanze (die wirksame Substanz darin sind die Glucomannane) bis zu fertigen Nudeln. „Shirataki“ werden die in Japan genannt, dort kamen sie ursprünglich her.

    Oh nein, ich beabsichtige nicht, hier eine Wertung abzugeben oder eine konkrete Produktwerbung, wo denken Sie hin! Einiges ist aber objektiv feststellbar: Sämtliche Arten dieser Teigwaren haben fast keinen Brennwert, max. 15 kcal auf 100 g, das ist sozusagen gar nichts und zum Abnehmen sehr positiv. Kohlehydrate nahe null (knapp 3 Prozent), wodurch auch der ärgerliche Effekt normaler Nudeln aus diversem Getreidemehl wegfällt, dass die leicht verfügbaren Kohlehydrate viel Insulin abrufen, schnell verstoffwechselt werden und man nach kurzer Zeit erst recht wieder Hunger bekommt (weißer Reis ist diesbezüglich noch heftiger). Der ganze Rest von gut 80 Prozent ist reiner Ballaststoff, es sind auch keine Proteine darin, die kann man selbst hinzufügen nach Geschmack.

    Die Shirataki (es gibt auch noch andere Bezeichnungen) sättigen lange, man hat über Stunden seine Ruhe, alles sehr angenehm. Übrigens ist auch kein Gluten enthalten. Billig sind die Nudeln nicht, aber in großen Shopping-Portalen im Internet bekommt man sie schon um ca. € 2,- für eine Portion, nach der man wirklich gegessen hat und täglich macht man das ja meist nicht. Ich selbst gönne mir so etwa zwei- bis dreimal pro Woche eine Mahlzeit damit. Immer dann, wenn ich bitteschön wieder einmal ordentlich satt werden möchte, so richtig mit Häubchen drauf, und das womöglich auch noch abends, der absolute Horror beim Abnehmen und ganz besonders bei Low Carb. Nudeln am Abend? Shocking!

    Der Preis für die Nudeln erklärt sich wohl u.a. aus dem Aufwand. Die Pflanze braucht volle vier Jahre, bis die Knolle so groß ist, dass man etwas damit anfangen kann. Bis dahin kostet sie, Platz und Arbeitszeit nämlich, danach muss das fertige Produkt sehr sorgfältig verpackt werden und hat oft einen langen Weg vor sich.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Glucomannane

    Ich muss sagen, die Ostasiaten haben wirklich Geduld. Wenn die bei uns so beliebten Kartoffeln auch so lange bräuchten, bis man die Knollen ernten kann – nicht auszudenken!

    Worüber vor allem ausgiebig gemeckert und gelästert wird, ist die Konsistenz der Nudeln, ebenfalls ihr Aussehen, sie haben etwas von Gummi an sich, sind opalartig halbtransparent (meist weiß), geschmacklos und durch die Lake, in der sie geliefert werden, sind sie glitschig. Ein Rezensent im Netz hat sich gar zu der Bezeichnung „japanische Regenwürmer“ verstiegen. Manche Sorten sind mit Karotten oder Spinat versetzt, die haben wenigstens Farbe, aber das war’s auch schon. Nicht zu ändern im ersten Moment. Abgeschreckt hat mich das nicht, das totale Glückserlebnis beim Essen war es aber auch nicht, also habe ich alter Küchendrachen (immer gerne gekocht und leider auch gegessen) mich auf meine winterlich etwas verbreiterte Kehrseite gesetzt und nachgedacht, wie dem beizukommen wäre. Hergeben aus meinem Küchen-Repertoire wollte ich diese Kalorienersparnis jedenfalls nicht mehr und Kampf-Meckerer wecken immer Widerstand in mir. Umso mehr, als gerade Nudeln, Reis sowie auch fetter Käse immer mein Untergang waren. Gegen Süßigkeiten bin ich glücklicherweise fast immun. Herausgekommen sind nach einer Weile folgende

    Shirataki-Nudel-Tricks:

    1) Bitte machen Sie sich von dem Gedanken frei, diese Nudeln wären ein Ersatz wofür auch immer. Bei dem Wort vergeht einem ohnehin von vornherein der Appetit. Konjak-Produkte sind ein völlig eigenständiges Lebensmittel, das man nehmen muss wie es ist oder es bleiben lassen. Aus einem Fisch wird auch nie eine Orange.

    2) Sie endlos in irgendeiner Flüssigkeit kochen zu lassen, wie es teilweise empfohlen wird, ist keine gute Idee. Die glitschige, gummiartige Konsistenz, die viele so stört (mich auch ein bisschen) wird dadurch nur noch schlimmer.

    3) Erinnern Sie sich auch bitte daran, dass alles, was porös ist, Einflüsse von außen besser aufnimmt. Die praktisch fertig gegarten Shirataki haben jedoch eine geschlossene Oberfläche. Die braucht lange, wenn sie etwas von außen (Gewürze, Aromen…) aufnehmen soll.

    Letzteres ist mir nach einigen Versuchen eingefallen. Bin kein sonderlich heikler Kostgänger, aber ein bisschen griffiger wollte ich sie doch haben. Daher habe ich es mit vorheriger Trocknung versucht. „Glitsch“ braucht Nässe und wenn man die reduziert, muss sich etwas ändern. Also 2 x im Sieb abspülen wie üblich, dadurch verschwindet auch ein eventueller leichter Geruch der Lake, dann den abgetropften Packungsinhalt auf einem Teller locker verteilen und bei 500-600 Watt für 5-7 Minuten ohne Abdeckung in die Mikrowelle stellen. Etwa nach der halben Zeit beginnt es im Gerät ordentlich zu dampfen. Teller heraus, die Nudeln wenden, wieder hinein für die restliche Zeit, es dampft nochmals tüchtig. Das funktioniert auch in einer Pfanne über kleiner Hitze auf dem Herd oder im Backofen, aber da muss man dabei bleiben und sehr aufpassen. Bitte nicht im Dampfgarer versuchen, der verhindert logischerweise das Abdampfen.

    Danach werden Sie feststellen, dass die Nudeln sich deutlich trockener und rauer anfühlen. Kunststück, nach den Dampfwolken:-D Jetzt geht’s weiter nach Wunsch. Entweder in Sauce, Suppe, Gemüse oder Salat geben, oder die Nudeln braten oder wie folgt eine Art Auflauf daraus machen:

    Die losen Nudeln gut würzen (nicht nur Unmengen von Salz sondern alles, was Aroma hat), glutamatfreies Suppenpulver, Kräuter, Zwiebel, Knoblauch, Paprika, Curry, Piment, alles was Ihnen schmeckt an Würze und nicht geradezu flüssig ist. Wer mag, kann auch Würfelchen von vorgegartem (!) Fleisch oder Fisch dazu geben, klein geschnittenes Gemüse… Wochenschau welcome, die meisten Aufläufe eignen sich zum Reste-Versenken :-) Je kleinteiliger geschnitten, umso besser hält es anschließend zusammen, gilt auch für die Nudeln selbst, falls die sich sträuben.

    Alles gut mischen und damit die Sache eine Auflauf-Masse wird, rührt man pro Packung noch ein  ganzes Ei unter und einige Tropfen Öl als Geschmacksvermittler. Keine weitere Flüssigkeit. Das sollte eine dicke Paste ergeben, keinen dünnen Brei. Wer sich vegan ernährt, weiß sicher ein anderes Bindemittel statt dem Ei. Eventuell ein bisschen Käse darüber streuen, nicht zu viel, sonst kommen die Kalorien durch die Hintertür zurück. Ab in den Backofen oder wieder in die Mikrowelle, nochmals ungefähr 7-10 Minuten stocken oder auch bräunen lassen, bitte beobachten. Heraus kommt ein eher fester Auflauf mit dem gewünschten optimalen Geschmack, in dem man etwas zum Draufbeißen hat, keine Rede mehr von „glitschig“ oder „rutscht einem durch die Zähne“! Den kann man nun als Sättigungsbeilage servieren (hübsch, wenn man für den zweiten Durchgang Förmchen nimmt) oder als Hauptgericht etwa mit einer farblich appetitlichen Sauce umgießen und frische Kräuter aufstreuen. Als Beilage reicht eine Packung (brutto 300-480 g, abgetropft 180-250 g) locker für zwei. Man kann die fertige Masse auch als Fülle für z.B. gebratene Kohl-Rouladen benützen oder nach Rösti-Art flach in der Pfanne braten mit nur einem Hauch von Öl, wird sehr gut und nimmt fast kein Fett auf. Sie entscheiden.

    Durch die anfängliche Geschmacklosigkeit der Nudeln funktioniert auch eine süße Variante: Mit gehackten Nüssen, Beeren oder Kleingeschnittenem, ein paar Rosinen oder Trockenfrüchte, Vanille, Zimt, abgeriebener Zitrusschale, einem Löffel Sahne statt Öl, je nach Figur Vollzucker, Honig, oder Ersatz wie Xylit oder Steevia etc. Zum Servieren etwas Cremiges drumherum, z.B. pürierte Früchte – fertig!

    Sie sehen, man kann allerhand anfangen damit. Absolut verboten ist bei den Konjak-Teigwaren eigentlich nur eines: Bitte NIE einfrieren! Weder vorher noch das fertige Gericht, sie versteinern regelrecht, werden ungenießbar hart und das läßt sich nicht mehr korrigieren. Keine Ahnung, warum das so ist. Normaler Kühlschrank mit Plusgraden ist problemlos, falls etwas übrig bleibt. Ansonsten – lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf, man erspart sich damit wirklich etwas an den Hüften oder am Bäuchlein und wie man sieht, kann es auch schmecken mit wenig Mühe.

    Noch etwas, nur zur Vorsicht: ich bekomme keinen löchrigen Cent dafür, dass ich soeben versucht habe, Sie an eine praktische Diäthilfe heranzuführen! Ich muss genauso wie alle anderen im Versand meinen Obulus plus Porto berappen, mich haben bloß die unsachlichen Kritiken und die mangelnden Küchenkenntnisse mancher Leute gereizt und hier kann ich bequem einen ganzen Artikel darüber posten, samt praktischen Tipps.

    So, und jetzt – bitte zu Tisch und guten Appetit! Wem es geschmeckt hat, bitte den Text ausdrucken und weitergeben an Interessierte!

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