08:24 18 November 2019
SNA Radio
    Mehmet Scholl für den WDR beim Relegationsspiel 2011 in BochumOliver Kahn

    „Ich sch… auf Bella Italia, mein lieber Scholli!“

    © Wikipedia / Adrian Zawislak © Flickr / Mesut Sahin
    1 / 2
    Zum Kurzlink
    Von
    Euro-2016 in Frankreich (135)
    33717
    Abonnieren

    Die Fußball-Experten Mehmet Scholl und Oliver Kahn sollen angeblich Millionen für ihre TV-Analysen bekommen. Das ist natürlich ein Thema für den Balkonplausch zwischen Müller und seinem Nachbarn Anders. Aber es geht vor allem um Italien, Deutschlands nächsten Gegner. Dabei werden alte Wunden aufgerissen.

    „Hast Du gehört“? fragt Anders und gräbt sich durch Hin- und Herwackeln seines Gesäßes tiefer in seinen Stuhl: „Scholl und Kahn sollen für den Senf, den sie im Fernsehen abgeben, richtig fett abkassieren. Angeblich zahlen ARD und ZDF Millionen.“ „Ja, habe ich. Und weißt Du was? Es ist mir völlig egal“, sagt Müller und schaut zu seinem Nachbarn rüber. „Aha“, die Antwort kommt prompt: „Und warum ist Dir das egal? Es sind auch Deine Gebühren, oder zahlst Du kein GEZ?“ Anders schaut grinsend zu Müller hinüber. Wie so oft garniert er seinen Blick mit einem auffordernden Nicken. „Weißt Du, was mich wirklich ärgert?“
     
    Trägt Scholl heute ein Italien-Trikot?
     
    Müller trinkt  einen Schluck Bier. „Der Scholl. Seit dem ersten Spiel nervt er mich mit seiner Schwärmerei über Italien. 2:0 haben die Azzurri gegen Belgien gewonnen. Was hat er die da gelobt, geniale Taktik, tolle Verteidigung und selbst diese typischen italienischen Gemeinheiten legt er noch als genial aus.“ „Ja, und?“ fragt Anders schulterzuckend, „wenn er es doch so sieht. Er mag die Italiener halt.“ „Das ist genau der Punkt, mein Lieber“, sagt Müller und schaut Anders direkt in die Augen. „Er kann sie ja mögen. Aber das ist seine private Sache. Ich möchte im deutschen Fernsehen keine Lobhudeleien über Italien hören!“ 
     
    Anders sieht Müller an: „Ist ein freies Land.“ Müller spricht weiter: „Seit der WM 1982 schaue ich Fußballspiele, seit dem Halbfinale gegen Frankreich. Du weißt, das Foul von Schumacher an Battiston, der Fallrückzieher von Fischer, das Elfmeterschießen. Das war wie Magie, seit dem bin ich am Ball.“ Müllers Augen erstrahlen kurz, dann spricht er weiter. „Und dann das Finale, eine Riesen-Treterei, Italien gewinnt 3:1, weil sie einfach ekliger spielen und der Schiedsrichter ihnen das durchgehen lässt.“  „Okay, ist lange her. Was hat das mit Scholl zu tun?“ will Anders wissen. „Warte… es geht weiter. 2006 die WM, zu Hause in Deutschland…“, Anders unterbricht ihn: „Da haben sie uns 2:0 geschlagen.“ „Ja, ich werde es niemals vergessen. Diese Hoffnung, dieses Bangen, diese Enttäuschung“, Müller blickt in die Ferne. „Das tut immer noch weh“, er schaut Anders wieder ins Gesicht: „Und weißt Du, was das Schlimmste war? Nicht die Niederlage, nicht der Jubel der italienischen Nachbarn. Sondern das vor dem Spiel. Die Sache mit Frings.“ 
     
    Müller atmet durch: „Erinnerst Du Dich? Nach dem Sieg im Elfmeterschießen gegen Argentinien gab es eine Schlägerei. Die Gauchos sind ausgerastet. Sie haben unsere Spieler geschlagen und getreten, weil sie die Niederlage nicht verkraftet haben. Und der Frings hat sich gewehrt. Er hat einem Argentinier eine gelangt. Ein italienischer Journalist hat das gemerkt, hat sich Fotos angeguckt und ist zur FIFA gegangen und har Frings verpetzt. Wenn die mal ihre Mafia mit dieser Akribie bekämpfen würden“, Müller schüttelt den Kopf. „Weißt Du noch, Frings hat ein super Turnier gespielt. Er war respektlos und selbstbewusst. Und weil er sich gegen einen schlagenden Argentinier gewehrt hat und die Italiener ihn verpfiffen haben, wurde er gesperrt.“ 
     
    Müller schweigt und Anders auch. „Und deshalb hasse ich den italienischen Fußball, ich hasse diese Trikots, ich hasse die schmalzigen Frisuren, diese Verschlagenheit, dieses versteckte Böse, das Schlechte, was nach außen blitzeblank aussieht.“ Müller schaut in die Ferne, dann schüttelt er den Kopf: „Ich kann mich nicht daran ergötzen, wenn einer sagt, die spielen clever, die verteidigen geschickt oder ziehen heimlich am Trikot. Ich finde das einfach schäbig und heuchlerisch. Wenn der Scholl bei uns im Fernsehen ins Schwärmen über Bella Italia kommt, dann geht mir die Galle hoch! Es ist ein schönes Land, die machen super Essen und tollen Wein und sind immer fröhlich – aber beim Fußball sch.. ich auf Bella Italia!“ 
     
    Beide schweigen und blicken in die Ferne. Schließlich bricht Anders das Schweigen: „Warte“, sagt er, geht in seine Wohnung und kommt mit zwei Gläsern wieder, in denen eine schwarze Flüssigkeit schwimmt. Er reicht Müller ein Glas: „Ob sie tollen Wein machen, weiß ich nicht. Aber ihr Ramazzotti, der ist Klasse!“ Sie stoßen an, die Gläser klirren. „Auf ein schönes Spiel!“ sagt Anders. „Salute!“ antwortet Müller.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Euro-2016 in Frankreich (135)
    Tags:
    Fußball-EM 2016, ZDF, ARD, Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Italien, Deutschland, Frankreich