23:00 13 November 2019
SNA Radio
    Portugals Verteidiger Pepe auf dem Rasen mit seinen beiden Töchtern nach dem Sieg gegen Polen im EM-Achtelfinale

    Kinderverbot der Uefa: „Blutgrätsche gegen die Freude“

    © AFP 2019 / Valery Hache
    Zum Kurzlink
    Von
    Euro-2016 in Frankreich (135)
    2328
    Abonnieren

    Endlich, will man sagen, die Uefa greift durch. Korruption, Schwarzgelder, Hooligans – es gibt genügend Betätigungsfelder, auf denen die Europäische Fußballunion mal richtig aufräumen könnte. Was aber tut sie? Sie zeigt den Spielerkindern die Rote Karte.

    Der Regen ist vorbei. Müller steht auf seinem Balkon und schaut sich um. Die Sitzkissen sind pitschnass, ebenso sein Liegestuhl. „Ach guck, hast vergessen, die Sachen reinzuholen?" Nachbar Anders steht auf seinem Balkon und grinst. Offenbar hat er alles, was keinen Regen verträgt, vor dem selbigen in Sicherheit gebracht.

    „Was war das Beste beim Viertelfinale Polen – Portugal?“ fragt Müller plötzlich. Anders ist überrascht. Er murmelt etwas und antwortet schließlich: "Der letzte Elfmeter. Denn danach war das Elend endlich vorbei." „Nicht schlecht", sagt Müller. „Ich meinte aber eher Pepe. Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als das alte Raubein hinterher mit seinen Töchtern auf dem Rasen spielte. Der gemeinste Verteidiger der Welt zeigte sich auf einmal – tja, als Mensch.“ Anders lächelt und nickt: „Ja, das ist immer ganz niedlich. Hat der Bale von Wales nicht auch mit seinen Töchtern gespielt?“ Müller nickt: „Ja, hat er. Aber solche Bilder werden wir in Zukunft nicht mehr sehen. Die Uefa verbietet den Spielerkindern ab sofort den Rasen zu betreten.“

    Mehr zum Thema: Das Aufflammen der Anarchie

    Anders schaut Müller entgeistert an: „Ach was? Du willst mich veräppeln?“ „Leider nicht“, sagt Müller. „Martin Kallen, das ist der Turnierdirektor, also ein Uefa-Mann, gibt zwar zu, dass die Bilder ja eigentlich ganz schön gewesen seien. Aber er betonte: Das ist Europameisterschaft und keine Familienveranstaltung!“ Anders schaut Müller entrüstet an. „Echt? Und was ist mit den Einlaufkindern, das sind ja auch Kinder. Sind die auch verboten?“ Müller schüttelt den Kopf: „Ach wo! Die laufen doch für den Sponsor auf, das ist ja was anderes, dann ist in Ordnung!“ „Boh ey, mir Platz gleich der Kragen! Jeden Käse müssen diese Sesselpupser von der Uefa reglementieren!“

    Müller hat Anders noch nie so sauer gesehen. „Pass auf“, fährt Müller fort: „Es geht noch besser: Weißt Du, was dieser Kallen noch gesagt hat? Stadien seien nicht der sicherste Platz für ein Kind.“ Ach was“, Anders ringt mit der Fassung: „Wer ist denn für die Sicherheit in den Stadien verantwortlich, wenn nicht die Uefa? Hooligans, Pyrotechnik, Raketen – das alles lassen sie rein, aber Kinder nicht? Geht´s noch?“

    Müller räuspert sich: „Ich denke vor allem, dass Fußball ein Sport für Kinder ist. Die sollen sich die Spiele ansehen, sollen Fans werden, vielleicht einmal selber spielen. Die Uefa grätscht die Freude am Spiel weg, sie haut ihre eigene Zukunft in die Pfanne! Anstatt mal etwas anzupacken, was wirklich im Argen liegt – da gibt´s ja genug: Korruption in ihren eigenen Reihen – hat der Platini eigentlich schon einen Nachfolger?“ „Ach, diese Schwarzgeldkassierer, das stinkt zum Himmel!“ der andere hat wieder übernommen: „Die Europameisterschaft aufblasen, das können sie!  24 Mannschaften lassen die mitspielen. Die Hälfte davon ist über – mindestens!!!“

    Uefa-Banner auf dem Tourrettes-Stadion bei der EM 2016 in Frankreich
    © AFP 2019 / Attila Kisbenedek
    Beide schweigen für einen Moment. „Das Beste ist, was auch Oliver Bierhoff dazu gesagt hat“, sagt Müller schließlich. „Er kann diese Entscheidung nachvollziehen, hat der DFB-Team-Manager gesagt. Die Zahl der Feiernden auf dem Platz wird einfach immer größer.“ „Ach ja, der Herr Bierhoff, „der“ Angela Merkel des Fußballs.“ „Wie meinst Du das jetzt: Optisch oder von dem was er sagt?“ will Müller wissen. „Beides“, sagt Anders.

    Beide schweigen wieder und lachen dann. „Wollen wir noch bei einem Bierchen über Deutschland – Frankreich reden“? fragt Müller. „Ne, lass mal, regnet gleich. Machen wir noch“, antwortet Anders. Beide gehen rein.

    Mehr zum Thema: Twitter-Gelächter — Zazas Trippelschritte beim Italien-Deutschland-Krimi

    Auf dem Weg in seine Wohnung blickt Anders noch einmal zum Himmel. Er sagt: „Weißt Du, was ich mir für heute Abend bei Wales gegen Portugal wünsche?“ Müller schüttelt den Kopf. „Egal wer gewinnt: Dass zum Schluss die Kinder aller Spieler auf den Platz stürmen und ihre Väter in die Arme nehmen.“ „Anarchist“, flüstert Müller. Der andere antwortet: „Lass mich doch auch mal.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Euro-2016 in Frankreich (135)

    Zum Thema:

    Deutsche Fans wollen Will Grigg
    Islands Präsident auf Russisch: Das EURO-2016-Märchen aus seiner Sicht – VIDEO
    Von wegen „bad hairday“!
    Fußball-Reporterin Neumann: Das EM-Finale kommentiert sie (noch) nicht
    Tags:
    Fußball, Kinder, Fußball-EM 2016