02:02 23 November 2019
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    Kategorisierungen und Klischees führen zu falschen Feindbildern. Die Projektion mancher sagt mehr über den Überbringer einer Botschaft aus als über den Wahrheitsgehalt der getätigten Anschuldigung.

    Ein Graffiti an einem Gebäude in Warschau während des Nato-Gipfels
    © Sputnik / Mikhail Voskresensky
    Der Mensch neigt dazu sich seine Realität und die Dinge die er wahrnimmt zu vereinfachen. Ein Denkmuster in diesem Zusammenhang ist die Kategorisierung. Diese Methodik dient dazu Elemente die sich ähneln oder die in einem bestimmten Naheverhältnis stehen unter einer Metakategorie zusammenzufassen oder zu clustern. Der Sinn und Zweck einer derartigen Einordnung von einzelnen Elementen zu einem großen Ganzen ist Informationsreduktion, die wiederum einen Vorteil beim schnelleren Ziehen von Schlüssen oder Schlussfolgerungen bringen soll. Diese Methode kann aber, wie viele andere auch, zu gravierenden Fehlschlüssen führen. Nämlich dann, wenn man Elemente oder Inhalte zu einer Kategorie oder einem Cluster zusammenfasst, die nichts oder nur wenig miteinander gemeinsam haben und dadurch eine höhere Komplexität in der Realität auf etwas Banales reduziert, das nicht der Wahrheit entspricht.

    Simplifizierungen und falsche Kategorisierungen
    führen zu Fehlschlüssen und falschen Feindbildern

    Ein derartiger Fehlschluss passiert oft in Zusammenhang mit ethnischen Gruppen, Personen mit bestimmter sexueller Orientierung oder auch oft bei Bewohnern eines Landes oder bei Volksgruppen. Vorurteile und falsche Fremdbilder können fatale Folgen haben, wenn sie in Feindbildern resultieren. Niemand kann etwas für seine Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe, seine Staatsbürgerschaft oder seine sexuelle Orientierung. Dennoch werden leider allzu oft Menschen aufgrund von Klischees in ein politisches oder anderes Eck gedrängt für das sie nichts können und wo in vielen Fällen die damit verbundene Einordnung oder Kategorisierung diesen Menschen in keinster Form gerecht wird.

    Die Guten ins Töpfchen die schlechten ins Kröpfchen

    Übergeneralisierungen sind im Allgemeinen nie sonderlich intelligent. So auch die Aussage eines ranghohen türkischen Politikers, der Österreich als die Hauptstadt des radikalen Rassismus bezeichnet hat. Ebenso belegt das Beispiel Russland und dessen aktuelle Einordnung in ein gewisses Schema stark rechts der Mitte diesen unreflektierten konditionierten Reflex eindrucksvoll. Eben jenes Volk das zentral dazu beigetragen hat Nazi-Deutschland zu besiegen und dadurch den zweiten Weltkrieg zu beenden. Geradezu paradox mutet es nun an, dass gerade dieses Russland mit manifesten kommunistischen Wurzeln und Traditionen von vielen Analysten und Medienvertretern ins rechte Eck gestellt wird. Die Frage ist mit welcher Begründung und basierend auf welchen Fakten?

    Eines stimmt schon. Wladimir Putin ist nur schwer durch sein selbstsicheres und bestimmtes Auftreten in ein softes linkes Kategoriensystem einzuordnen. Doch sind das Land und er deswegen automatisch rechts? Sieht man sich Russland und auch die Person des Wladimir Putin genauer an so kann man in der Geschichte beider klare Spuren finden, die auf kommunistische Wertesysteme hinweisen, die nur schwer mit rechtem Gedankengut in Verbindung zu bringen sind.

    Nur weil ein Land und dessen Machthaber bei manchen Themen eine härtere Gangart pflegte und pflegt, kann man nicht alle Menschen und deren Kultur gleich voreilig abklassifizieren. Gerade Russen neigen zu einer tiefgehenden, stark emotionalen sowie selbstaufopfernden Art, wie der Einsatz an humanen Ressourcen der Roten Armee im Kampf gegen den Faschismus im zweiten Weltkrieg traurigerweise bewiesen hat.

    Gewachsene Kulturen und Länder wie Russland oder ebenso Österreich, das zur Hauptstadt des radikalen Rassismus aufgrund der bewussten Assoziation mit gewissen schwarzen Schafen abtituliert wurde, in ein bestimmtes Eck zu drängen wird den Russen wie auch den Österreichern nicht gerecht. Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile. Dies gilt auch für die Türkei und die Türken, die nicht nur auf Aussagen und Handlungen von einzelnen politischen Akteuren zu reduzieren sind. Hier gilt es Weitblick zu beweisen und ein klares Zeichen gegen Ignoranz und mentale Eindimensionalität zu setzen. Daher Weltoffene aller Länder vereinigt euch.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Feindbild, Wladimir Putin, Österreich, Russland