04:49 21 November 2019
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    Sambou Yatabare, Mittelfeldspieler bei Werder Bremen

    Volle Lotte in die neue Saison!

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    Müllers Start in die Fußballsaison ging ordentlich daneben. Sein Lieblingsverein Werder Bremen schied aus dem DFB-Pokal aus, als einziger Bundesligist gegen die Sportfreunde Lotte. Was Müllers Nachbarn Anders ganz köstlich amüsiert.

    Mit einem Feierabendbier im Arm sitzt Müller auf seinem Balkon. Auf der Fernsehantenne schräg über ihm thront wieder die Amsel. Der Vogel zwitschert vergnügt, denn es ist warm, der Sommer gibt noch einmal Vollgas. Müller lehnt sich in seinen Stuhl zurück und streckt sich. Gerade hat er den Keller ausgerümpelt. Er ist mit sich und der Welt zufrieden. Da geht die Balkontür der Nachbarwohnung auf. Anders tritt heraus. Er blickt zu Müller hinüber. „Ach guck, Herr Nachbar“, sagt Müller, „na, dass man dich auch mal wieder sieht.“ Anders nickt ihm zu und lächelt merkwürdig. „Sag mal, Deine Frau heißt doch Ulrike, oder?“ Müller runzelt die Stirn. „Ja, wieso?“

    Anders mustert kurz die Amsel auf der Antenne und grinst Müller dann direkt ins Gesicht: „Ich meine ja nur, da bist Du sicher froh, dass sie nicht Eva-Lotte oder Lise-Lotte heißt, oder?“ Müller fragt verständnislos: „Äh, nein, wieso?“ Sein Nachbar zuckt die Schulter und blickt wieder zur Amsel hoch: „Ich meine ja nur, wenn ich an das letzte Wochenende und an Deine Lieblingsmannschaft Werder Bremen denke…“

    Müller verzieht genervt das Gesicht: „Och, nee, bitte, darauf hab ich jetzt keine Lust.“ „Ich meine ja nur. Ist natürlich auch nicht leicht, gegen so einen unberechenbarer Drittliga-Aufsteiger, neues Stadion und so, die weite Anreise…“, fährt Anders mit Unschuldsmine einfach fort. „Bitte, erspare mir das“, protestiert Müller. „Tjaaa…“, fährt sein Gegenüber unbeeindruckt fort, „…da kann man dann schon mal Ausscheiden aus dem DFB-Pokal. Passiert jedem mal“. „Alter…“, flüstert Müller mit drohender Stimme, aber Anders ignoriert das.  Stattdessen runzelt er die Stirn und fragt Müller mit aufgesetzter Ahnungslosigkeit: „Sag mal, wie viele Bundesligisten sind ausgeschieden?“ „Jetzt reicht ´s!“ Müller ist aus seinem Stuhl aufgesprungen. „Okay, du hast es geschafft, ich bin sauer! Bravo, Anders!“

    Aber sein Nachbar ist in Topform: „Auf Facebook habe ich gelesen, dass die zur Auslosung der zweiten DFB-Pokalrunde ein Public Viewing in ihrem Stadion veranstalten. Das klingt doch nett. Ich überlege hinzufahren. Kommst Du mit?“ Müller atmet tief ein. „Ich hab nachgeguckt wo das ist. Lotte liegt direkt bei Osnabrück. Am Lotter Kreuz, das kennt jeder. Lustig, oder?“

    „Was habe ich Dir getan, warum quälst Du mich so?“ fragt Müller mitleidserregend. Anders betrachtet ihn für einen Moment. Dann fährt er fort: „Das war gemein, du hast Recht. Ich möchte mich entschuldigen und dir etwas anbieten.“ Er schaut Müller mit großen Augen an. Dieser blickt misstrauisch zurück, beruhigt sich aber immerhin. „Freitagabend beginnt ja die Bundesligasaison. Du, ich hab gesehen, dass da meine Bayern auf Deine Bremer spielen. Hab 5:0 für Bayern getippt.“

    Bevor Müller etwas sagen kann, winkt Anders ab. „Ja, ich weiß, dass ist ein vorsichtiger Tipp. Aber der Ancelotti, der Italiener, lässt sicher vorsichtiger spielen als früher. Darum habe ich mir Folgendes überlegt:„Für jedes Tor, was die Bayern mehr schießen, bekommst du ein Bier von mir. Das ist doch was, oder?“ Mit einem Satz steht Müller am Geländer, beugt sich darüber und holt mit der Hand aus. In diesem Moment geht hinter ihm die Tür auf. Seine Frau tritt auf dem Balkon und gibt ihm das Telefon. „Es geht um den alten Schrank, den du bei Ebay reingestellt hast. Eine Frau interessiert sich für ihn, eine Charlotte.“ 

    Müller hört, wie seine Frau wieder ins Haus geht, dann hört er ein Glucksen vom anderen Balkon. „Char- Lotte … LOTTE…“. Müller sieht Anders an, der puterrot anläuft und dann ein ohrenbetäubendes Lachen ausbricht. „Char-LOTTE, hahahaaa…!“ Der kleine, dicke Mann schüttelt sich. Mit der einen Hand klammert er sich am Geländer fest, mit deren anderen schlägt er darauf. Müller ist sicher: Ohne das Geländer würde sein Nachbar vom Balkon stürzen. Schade eigentlich, denkt er. Dann öffnet er die Tür, nimmt das Telefon ans Ohr und sagt: „Hallo?“

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