17:59 30 November 2020
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    DESASTER-POLITIK Imperiale Neuordnung und Angstproduktion (Teil I)

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    Im Krisenkapitalismus ist die Angst vor dem materiellen und sozialen Absturz für die meisten Menschen tägliche Realität. Ängste vor Terroranschlägen, Krieg, Umweltkatastrophen, Notstand und Chaos überschatten zusätzlich die allgemeinen Existenzsorgen.

    Die Mehrzahl der Ängste wird systematisch geschürt und ist Folge der westlichen Welt-Neuordnungspolitik.

    Blenden wir in diesem Beitrag die Sorgen von Millionen Menschen, die sich aus dem kapitalistischen Wettbewerbsregime zwangsläufig ergeben, einmal aus: die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, möglicher Altersarmut oder die Belastungen durch das tägliche Hauen und Stechen im Arbeitsprozess.

    Ein wesentliches Herrschaftsmittel von Diktaturen, aber auch von Regierungen, die sich selbst demokratisch nennen, ist das systematische Schüren von Ängsten. In Verunsicherung oder Gutgläubigkeit gefangen übersehen viele Menschen, dass die Angsterzeugung zum schmutzigen Handwerkszeug von Regierungen und ihren Propagandawerkstätten gehört, um die Massen unter Kontrolle zu halten. Denn nur eine desorientierte, angstvolle oder zumindest verunsicherte Bevölkerung lässt sich widerstandslos in Krisen oder Kriege manövrieren. Unabdingbarer Teil von Herrschaft ist es daher, sich mit allen verfügbaren Mitteln die Unterstützung der Massen zu sichern. Dies geschieht maßgeblich über die Beeinflussung der Realitätswahrnehmung der Massen sowie die Feindbild- und Angstproduktion. Die perverseste Form der Angstproduktion ist die Kriegspropaganda als unabdingbare Voraussetzung des Krieges. Die Dämonisierung ehemaliger Freunde, wie z. B. Muammar al-Gaddafi oder Saddam Hussein, hat die „Welt-Neuordnungskriege“ seit 1999 befeuert.

    Täter an den Schalthebeln der Macht

    Die Täter an den Schalthebeln der Macht sind seit Jahrhunderten — unabhängig vom Regierungssystem — mit allen Wassern gewaschen. Politische Führungspersönlichkeiten müssen keine moralischen und ethischen Mindeststandards erfüllen. Im Gegenteil. Keiner legt Kriegstreibern und Produzenten von Flüchtlingsströmen und deren medialen Hilfstruppen — kriminellen Elementen also — das Handwerk. Der internationale Strafgerichtshof in Den Haag wurde mehrfach als Herrschaftsinstrument der westlichen Staaten aktiv, während die Kriegsverbrecher der westlichen Wertegemeinschaft wie George W. Bush und Toni Blair bis heute straffrei herumlaufen. Einmal im Amt, haben Kriegstreiber in den Regierungen und ihre parlamentarischen Hilfstruppen zudem die Verfügungsgewalt über nahezu grenzenlose finanzielle Ressourcen, die sie ihren Völkern über die Steuereinnahmen zu Gunsten der Rüstungs- und Kriegshaushalte abpressen.

    Darum benötigen wir dringender denn je einen vollständigen System-Reset, der es Kriegstreibern und Kriegsverbrechern in welchem Amt auch immer nicht mehr gestattet, straffrei davon zu kommen.

    Welt-Neuordnungs-Kriege

    Die für Kriegsangst und Kriege verantwortlichen Täter des sogenannten freien Westens nehmen den Mund gern besonders voll: mit Demokratie, Friedenssicherung, Rechtsstaat, westlicher Werteordnung, internationaler Sicherheitsordnung etc. Wie sehr sie diesen Werten in aller „Selbstlosigkeit“ dienen, ist aller Orten eindrucksvoll zu besichtigen. Sie zerlegen und malträtieren unsere Gesellschaften, destabilisieren andere Länder und ganze Regionen, legen sie in Schutt und Asche und produzieren endlose Flüchtlingsströme. Die Täter sind nicht anonym, sie sind als (außen-)politischer Neuordnungs- und Aggressionsblock auszumachen: Es handelt sich um die neokonservativen Ideologen — Neocons — in den USA:

    „Im Hause des American Enterprise Institute befand sich übrigens das Project for the New American Century (PNAC), zu dessen Gründungsmitgliedern die Politiker Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz und Richard Perle gehörten. Das PNAC hat den Krieg gegen den Irak vorbereitet und, nachdem die Gründer an die Macht gekommen waren, auch durchgesetzt. Darüber hat der SPIEGEL-Redakteur Jochen Bölsche unter dem Titel ‚Bushs Masterplan: Der Krieg, der aus dem Think Tank kam‘ einen anschaulichen Artikel geschrieben (SPIEGEL Online, 4.3.2003).“ (Peter Becker, Rezension: Willy Wimmers neues Buch: „Die Akte Moskau“, in: Nachdenkseiten)

    Das ist jedoch nur ein Teil der Wirklichkeit. Diese bestens organisierten Hasardeure fanden ihre servile Gefolgschaft in Europa: in der EU, in Parteispitzen, Regierungen, Parlamentsfraktionen, transatlantischen Netzwerken. Sie entfalten ihren Einfluss bis in die Tiefe der Staatsbürokratien, der Kriegsvorbereitungsapparate (Verteidigungsministerien) und der Medien-/ Bewusstseinsindustrie. Die NATO-Strategen trimmen die Gesellschaften mit Hilfe eines ausgefeilten information warfare auf neue Feindbilder in Sonderheit gegen Russland sowie auf die Akzeptanz neuer Kriege. Sie sind eng mit dem militärisch-industriellen Komplex verfilzt und alle sind Anhänger des marktradikalen Kapitalismus. Sie eint der Wille, ihre imperialistischen Ansprüche auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Dabei geht es ihnen um
    geostrategische Neuordnung,  imperiale Markterweiterung und —eroberung (Marktöffnung/ „freier“ Welthandel), Einflusszonen- und allgemeine Machterweiterung über die eigenen nationalen Grenzen hinweg,  hineinregieren in souveräne Staaten sowie die Sicherung von Ressourcen, Energieströmen und Handelswegen.

    Der imperialistische Hegemonie-Anspruch der US-amerikanischen Neokonservativen und ihrer befreundeten EU-Vasallen reicht erklärterweise bis in die Tiefe des eurasischen Raumes. In diesem trüben, ideologischen Fahrwasser bewegen sich auch die maßgebenden Entscheider des außen- und sicherheitspolitischen EU-Bürokratie-Komplexes, in Sonderheit Deutschlands, Frankreichs, der russophoben baltischen Staaten, Schwedens, Finnlands, Polens und Rumäniens. Großbritannien ist nach dem Brexit noch stärker an die USA angebunden.

    Die geopolitischen Vorhaben des westlichen politischen Establishments unter US-Führerschaft finden ihren konkreten Niederschlag in der EU- und NATO-Expansion, die im Kombi-Pack verfolgt werden. Das geostrategische Gesamtkonzept hat Zbigniew Brzezinski bereits 1997 in seinem Buch „The Grand Chessboard“ formuliert. Es steht weitgehend im Zeitplan und wird flankiert von einer aggressiven Vorwärts-Strategie, die sich gegen die Russische Föderation aber auch gegen China und gegen jeden aufsteigenden Staat richtet. Regime-change-Operationen bis tief in den Eurasischen Raum sowie eine Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens gehören zum Gesamtplan.

    „Eurasien ist somit das Schachbrett [Chessboard, U.M:] auf dem sich auch in Zukunft der Kampf um die globale Vorherrschaft abspielen wird.“

    „Europa [ist, U.M:] Amerikas unverzichtbarer geopolitischer Brückenkopf auf dem eurasischen Kontinent.“

    „Die alte Welt ist für die USA von enormem geostrategischen Interesse. Anders als die Bindungen an Japan verankert das Atlantische Bündnis den politischen Einfluss und die militärische Macht Amerikas unmittelbar auf dem eurasischen Festland.“

    „…mit jeder Ausdehnung des europäischen Geltungsbereichs [erweitert sich, U.M.] automatisch auch die direkte Einflusssphäre der Vereinigten Staaten.“ (Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht, Amerkas Stategie der Vorherrschaft, Rottenburg 2015, S. 16 und 79)

    Länder, die sich dem Verwertungsregime des westlichen Freihandelsimperialismus durch eigene nationale Wege zu entziehen wagten oder wagen — wie Irak, Libyen, Syrien, Iran, Venezuela, Kuba, Russland und China — wurden und werden zur Zielscheibe des westlichen Aggressionsverbundes EU und NATO. Sie werden mit Sanktionen, Überflugverboten, Kontensperrungen, Einreise- und Kontaktverboten etc. terrorisiert.

    Den Atomkrieg „gewinnbar“ machen

    Damit nicht genug: Die „Aufwertung“ der Atomwaffen durch Modernisierungsprogramme und revitalisierte nukleare Erstschlagsstrategien der USA und Großbritanniens unterstreichen die aggressiven Absichten der westlichen Konspiratoren:

    Die Idee der Nuklearwaffenreduktion „wurde von einem Plan der Regierungsadministration ersetzt, eine neue Generation von US-Nuklearwaffen und Nuklearproduktionsstätten zu schaffen, die die Nation ohne weiteres bis in die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts verfolgen könnten. Dieser Plan erhielt von den Massenmedien nahezu keinerlei Aufmerksamkeit. Er schließt die Überarbeitung der Nuklear-Sprengköpfe, neuer Atom-Bomber, U-Boote, langgestützter Raketen, Waffenlaboratorien und Produktionsstätten ein. Die geschätzten Kosten? 1.000.000.000.000 $ …“ /Lawrence S. Wittner, The Trillion Dollar Question the Media Have Neglected to Ask Presidential Candidates, in: historynewsnetwork)

    Eine Billion $ = 1.000 Milliarden (in den USA = 1 Trillion) sollen für diese Modernisierung ausgegeben werden. Die US-Atomwaffenmodernisierung steht in direktem Zusammenhang mit den Absichten der britischen Regierung, die Trident Atom-U-Boot-Flotte mit geschätzten 30 Milliarden — realiter wohl eher 100 Milliarden £ — zu modernisieren.

    Integraler Bestandteil der Modernisierungsmaßnahmen ist die stete Miniaturisierung und Präzisierung von Atomwaffen, um den Atomkrieg führbar und „gewinnbar“ zu machen.

    „The build-it-smaller approach has set off a philosophical clash among those in Washington who think about the unthinkable.“
    (William J. Broad and Davis E. Sanger, As U.S. Modernizes Nuclear Weapons, ‘Smaller’ Leaves Some Uneasy, in: New york Times)

    Die Folgen dieser verheerenden Welt-Neuordnungspolitik sind für den politisch aufgeklärten Zeitgenossen offensichtlich:
    failed states, regime-changes,  traumatisierte Menschen, zerstörte Infrastrukturen und Kulturen, hunderttausende Tote und Verletzte, gezielte Ermordung/ Dezimierung der akademischen Führungsschichten und endlose Flüchtlingsströme.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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