03:42 25 September 2020
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    „Das Theater beginnt an der Garderobe“ – soll Konstantin Stanislawski gesagt haben. In Berlin beginnt das Theater manchmal mit einer Demo vor dem Eingang. So war es jedenfalls kürzlich vor der Premiere von Tschaikowskys „Nussknacker“ in der Choreographie von Nacho Duato in der Deutschen Oper.

    Die etwa 50 Demonstranten (hauptsächlich Demonstrantinnen) wollten, dass Sasha Waltz geht und Vladimir Malakhov wieder kommt. „Wir brauchen hier kein Tanztheater, für Sasha Waltz‘ Gehüpfe gibt es freie Bühnen, in der Deutschen Oper wollen wir echtes Ballett haben“, erläuterte eine davon, worum es geht.

    Demonstration vor der Deutschen Oper
    © Foto :
    Demonstration vor der Deutschen Oper

    Auf der Bühne ging es an dem Abend tadellos klassisch zu. In Berlin ließ Duato eigentlich seine 2013 in St. Petersburg kreierte „Nussknacker“-Fassung „austragen“ – ein, wie er selbst sagte, Abschiedsgeschenk an die russische Metropole im Norden, wo er mehrere Jahre tätig gewesen war.  Dies war eine Produktion, die nichts von Duato als braven Schüler des Ballett-Revolutionärs Jiri Kilian erkennen ließ,  eher das Werk eines Musterschülers der Petersburger Ballettschule – bodenlos anmutig und  technisch brillant (die meisten Solistinnen und Solisten trugen kennzeichnenderweise  russische Namen). „Minimalistisch“ bezeichnet Duato selbst dieses Werk — nicht zuletzt weil er unter anderem die Partitur des 1. Aktes um einiges gekürzt und auf choreographische wie visuelle Effekte weitgehend verzichtet hat.  Die Schönheit pur, die keine Wow-Erlebnisse voraussetzt. Eine Schönheit, wie man diese bereits im 19. Jahrhundert verstanden hat.

    Der Nussknacker
    Der Nussknacker
    Der Nussknacker
    Der Nussknacker

    Gerade das wünschten sich wohl aber die Zuschauer, die die Aufführung frenetisch bejubelten.  Denn es war eben nicht das  verhasste „Gehüpfe“.

    Während Malakhov zurück nach Berlin erst gerufen wird, signierte ein anderer Russe, Kirill Petrenko, am 6. Oktober seine Verträge als zukünftiger Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Der Verdacht, dass die Russen die Berliner Musik-Szene anscheinend unter ihre Kontrolle zu nehmen  beabsichtigen (ist es auch ein Element des „hybriden Krieges“, den Russland gegen den Westen angeblich führt?), verstärkt sich, wenn man erfährt, dass ein weiterer Russe  extra nach Berlin geholt wurde – allerdings nicht um die klassischen Traditionen zu pflegen, sondern um Klassik auf den Kopf zu stellen. Der Regisseur Kirill Serebrennikov rühmt sich nämlich dafür. Diesmal sollte es Rossinis „Barbier von Sevilla“ in der Komischen Oper sein.  Das Premiere-Publikum brüllte und tobte euphorisch. Wenn dies wirklich eine neue Front des „hybriden Krieges“ sein soll, scheinen die Berliner bereit zu sein, sich an allen Flügeln den Russen zu ergeben.

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    Tags:
    Hybrid-Krieg, Nussknacker, Vladimir Malakhov, Berlin