23:53 20 November 2017
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    Farben der italienischen Flagge (Symbolbild)

    Il Rottamatore - Wie Italien verschrottet wird

    © Flickr/ Pasquale Paolo Cardo
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    von Humboldt
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    In einem erst kürzlich von Sputnik Politchef Marcel Joppa durchgeführtes Interview vom 27.10.2016 mit dem ehemaligen Präsidenten des Info-Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn ging es auch um die Frage, wie es um die Zukunft Italiens bestellt sei. Dazu der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn:

    „Wenn man alle EU-skeptischen Parteien in Italien zusammen nimmt, dann kommen erstaunliche 57 Prozent heraus. Die Zukunft bleibt in diesem Punkt also unsicher.“

    Bevor wir zu einer möglichen Deutung dieser sibyllinischen Aussage unserer grauen Eminenz der deutschen Wirtschaftsforschung Herrn Hans-Werner Sinn kommen, hier ein paar nützliche Hintergrundinformationen – sozusagen aus erster Hand. Danach werfen wir gemeinsam einen Blick in Matteo Renzi’s Leistungskatalog und sondieren, wie weit er mit der Verschrottung Italiens gekommen ist.

    Wenn man von grob geschätzten 48 Millionen wahlberechtigten Italienern ausgeht, dann ergeben besagte 57 Prozent EU-Skeptiker genau 27360000 Italiener, die für einen Ausstritt aus der EU votieren könnten. Das sind bei einer Gesamtbevölkerung von 60600000 knapp 45 Prozent. Zieht man davon noch  5 bis 7 Millionen Ausländer mit überwiegend islamischer Weltanschauung ab, dann wäre die Hälfte der angestammten Bevölkerung Italiens für einen Ausstritt aus der EU.

    Nun spricht Herr Sinn von einer Zukunft Italiens oder Europas, die von vielen Punkten abhängig sei. Einer dieser Punkte betrifft sicherlich die Frage, welchen  Ministerpräsidenten die Italiener – sollte Renzi frühzeitig seinen Hut lüpfen – als nächsten wählen werden. Diese Frage ist durchaus berechtigt, sind doch die drei letzten Ministerpräsidenten Italiens — Renzi, Enrico Lema und Mario Monti — von der Trilateralen Kommission und nicht vom Volk gewählt worden.

    Also schauen wir mal, mit welchen Problemen sich Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi momentan herumschlagen muss und welche Konsequenzen dies auf die nächste Wahl haben könnte. Denn  wir wollen ja nicht Gefahr laufen, aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen.

    So vergeht zum Beispiel kein Tag, an dem nicht ein Schiff in einen der zahlreichen Häfen Sizilien anlegt, um duzende von Menschen aus Afrika oder Asien kommend ins gelobte Schlaraffenland Europa zu bringen. Damit die Gemeinden Italiens Geschmack an den Neuankömmlingen bekommen und sich kein Widerstand unter der Bevölkerung formiert, hat sich Italiens Verschrotter Nummer Eins Matteo Renzi etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Pro Einwanderer soll die Gemeinde eine Prämie von 500 Euro bekommen.

    Damit das reibungslos über die Bühne geht, hat die italienische Regierung kurzerhand 100.000.000 Millionen Euro aus dem Ärmel geschüttelt. Wie aus einem Bericht der italienischen Tageszeitung Corriere della Serra hervorgeht, lohnt sich das Geschäft mit der illegalen Einwanderung auch für Einheimische.

    So haben sich alleine in der Region Lombardei 503 Gemeinden sofort bereit erklärt, Einwanderer aufzunehmen, was vom italienischen Staat gleich mit 10.550.000 Euro belohnt wird. Weitere 7.164.000 Euro gehen an die 122 Gemeinden auf Sizilien. Alleine Mailand erhält in diesen Tagen einen Scheck von 1.500.000 Euro.

    Die lombardische Hauptstadt ist übrigens Spitzenreiter, was die Unterbringung von Einwanderern anbelangt und das obwohl die Aufnahmezentren der Stadt längst aus allen Nähten platzen. Für Nachschub sorgt dabei ein steter Menschenfluss  von Einwanderern, der sich nach konservativen Schätzungen auf etwa 60 Millionen Menschen jährlich belaufen soll – also so viel wie Italien derzeit Einwohner hat.

    So dürfte es kaum verwundern, dass die Anzahl der angekommenen Einwanderer jetzt schon die des Vorjahres übersteigt. Alleine in der letzten Tagen gingen weitere 12000 Einwanderer in Sizilien an Land. Für die kommenden Tage rechnet man trotz unruhiger See und schlechtem Wetter mit zusätzlichen 5000 Einwanderern. Eine beeindruckende Entwicklung, die seit Jahresbeginn unterm Strich einen Betrag von 153450 Einwanderern ergibt und bei der es selbstverständlich nicht bleiben wird.

    Hinzu kommt natürlich die schlechte wirtschaftliche Situation der letzten Jahre, bei der die Hurra-Stimmung nicht mehr aufkommen mag. Wie auch, wenn man bedenkt, dass seit den frühen 80er Jahren bedeutende Teile der mittelständischen Produktion, wie Schuhproduktion oder textilverarbeitendes Gewerbe entweder ganz nach Asien verlagert wurden oder gewinnbringend an geschäftstüchtigen Han-Chinesen verscherbelt wurde.

    Aber auch Deutschland hat seinen gebührenden  Teil dazu beigetragen. Zunächst der Schröder Gerd mit seiner Agenda 2010, Hartz4 Reformen, Schaffung eines Niedriglohnsektors und Aufweichung des Kündigungsschutzes, was innerhalb von 15 Jahren zur Vernichtung es viertels der italienischen Industrieproduktion führte – und dann durch die Merkel Angela mit ihrer Einladung sämtliches Elend der Welt nach Europa einzuladen, während die europäische Jugend keine Zukunft mehr für sich sieht; ihrem verschärften Sparprogramm und  der Austeritätspolitik gegenüber Staaten, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

    Doch Italien ist nicht Griechenland, nicht Portugal und auch nicht Spanien. Sollte die EU mit dem Gedanken spielen, mit den Italienern auf selbige Weise zu verfahren, wie mit den Griechen, dann dürfte bei den Italienern wohlmöglich der alte römische Kampfgeist wiedererwachen. Was das bedeutet, kann man sehr gut am G8-Gipfel in Genua sehen.

    Zu guter Letzt stellt sich ohnehin die Frage, inwieweit Italien bereit sein wird, weiterhin die Sanktionen gegen Russland zu unterstützen oder allgemein gegen Russland zu wettern. Zwischen Italienern und Russen besteht eine starke Verbindung. Der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski verglich den Charakter seiner Landsleute einmal mit dem der Italiener. Seiner Meinung nach seien die Italiener mit den Russen das einzige Volk Europas, das problemlos mit einer ganzen Anzahl von Widersprüchen leben könne. Insofern ein dreifaches Hurra auf die Italienisch-Russische Freundschaft!

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

    Tags:
    Niedriglohnsektor, Hartz IV, Schlaraffenland, Islamische Weltanschauung, Verschrotter, Rottamatore, Info-Instituts für Wirtschaftsforschung, G8, Angela Merkel, Gerhard Schröder, Mario Monti, Enrico Lema, Matteo Renzi, Hans-Werner Sinn, Marcel Joppa, Lombardei, Sizilien, Mailand
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