11:34 06 Dezember 2019
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    Alle Wege führen nach Rom (Symbolbild)

    Italien macht den Anfang

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    Die Wege mögen heute noch alle nach Rom führen, die Kloakendeckel an ihrem Platz und die Pissoirwände noch dort stehen, wo Wolfgang Koeppen möglicherweise sein kleines Geschäft tätigte – die Cäsaren aber haben ihren Sitz längst ins nördliche Gallia Belgica verlegt.

    „Rom ist die Poesie des Urbanismus“, schrieb der deutsche Schriftsteller Wolfgang Koeppen, in seinen Reisebücher "Nach Rußland und anderswohin", der blendendste Triumph des Menschen über seine nackte Geburt; es ist die Erzstadt, Stadt von alters her und nichts als Stadt, und die Welt war immer nur die Peripherie dieser Stadt, in Besitz genommen durch das Siegel S. P. Q. R. Senatus Populusque Romanus, heute noch das Wappen Roms und Petschaft seiner Behörden, zu sehen auf allen obrigkeitlichen Verordnungen, Kundmachungen an den Anschlagmauern und Schreiben an den Bürger, geprägt auf die Türen des Capitols, auf die Altertumsfunde, auf alle Kloakendeckel und Pissoirwände.“

    Lieber der Erste in Brüssel als der Zweite in Rom

    Die Wege mögen heute noch alle nach Rom führen, die Kloakendeckel an ihrem Platz und die Pissoirwände noch dort stehen, wo Wolfgang Koeppen möglicherweise sein kleines Geschäft tätigte – die Cäsaren aber haben ihren Sitz längst ins nördliche Gallia Belgica verlegt.

    Brüssel schickte die freiwillige Feuerwehr

    Unlängst hieß es, mehrere Kohorten sollen nach Rom losgeschickt werden, um nach dem Rechten zu sehen. Doch dann wackelte ohne Ankündigung jenseits des Rubikon die Erde und plötzlich war nicht mehr davon die Rede. Bis in Brüssel durchsickerte, dass sich in Mittelitalien Erdbeben der Stärke 5 bis 7 durchschnittlich alle 10 bis 12 Jahre wiederholen würden. So lange wollte Brüssel dann doch nicht warten, denn wie sagte der US-Amerikaner Benjamin Franklin, der auch als Gründer der ersten freiwilligen Feuerwehr in Philadelphia gilt, Zeit ist Geld.

    Die Katze ist aus dem Sack

    Eigentlich hatte man sich Anfang 2016 darauf verständigt, dass das Defizit für Italien bei 1,8 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen soll. Doch dann ließ Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan kurzerhand die Katze aus dem Sack und bestand darauf, dass das Defizit für das folgende Jahr 2017 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen soll. Italien hätte zur Zeit mit der Flüchtlingskrise zu kämpfen und nun käme noch das vermaledeite Erdbeben hinzu, was Brüssel jedoch nur zu einem knappen Räuspern bewegte.

    Der Anfang vom Ende

    In einem Interview vom 23.10.2016 mit der römischen Tageszeitung La Repubblica resümierte Pier Carlo Padoan noch einmal kämpferisch:

    „Europa muss entscheiden, auf welcher Seite es stehen will. Wenn die europäische Gemeinschaft Italien nicht entgegenkommt, dann stellt es sich auf die Seite Ungarns, das auf die Flüchtlinge mit Zäunen antwortet. Dies wäre der Anfang vom Ende.“

    Die EU-Granden in Brüssel bleiben von dieser Drohung unbeeindruckt. Schließlich hat die italienische Regierung noch vor Jahr und Tag versprochen sein Haushaltsdefizit auf nahezu null hinunterzufahren. Doch darauf wartet man in Brüssel bis heute.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen. 

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    Tags:
    Erdbeben, Migranten, Nach Rußland und anderswohin... (Reisebuch), Zeitung La Repubblica, Senatus Populusque Romanus, Pier Carlo Padoan, Wolfgang Koeppen, Ungarn, Italien, Brüssel, Rubikon, Gallia Belgica