17:36 17 Februar 2020
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    Eines der Dinge, die ich heute noch untrennbar mit Italien in Verbindung bringe, ist der sechsbeinige Hund, der einem heute noch nahezu an jeder zweiten Tankstelle Italiens begegnet. Es ist das Symbol des italienischen Ölkonzern ENI.

    Wer schon mal mit dem Auto von Deutschland über die Schweizer Alpen nach Italien und wieder zurück gefahren ist, dem dürfte aufgefallen sein, dass er sich dem Gebirge unmerklich nähert, während er von Italien kommend, schon kurz nach Mailand, imposanten Bergen gegenübersteht.

    Das liegt an der afrikanischen Kontinentalplatte, die seit Äonen auf die europäische Kontinentalplatte drückt und so die Alpen entstehen ließ. Dieser Prozess ist immer noch im Gange und könnte dazu führen, dass die Gipfel der Alpen eines Tages höher in den Himmel ragen werden, als die des Himalaja — doch bis dahin müssten noch ein paar Jährchen vergehen.

    In meiner Kindheit und frühen Jugend fuhren meine Eltern öfters mit mir nach Italien. Immer dieselbe Strecke durch die Kantone Basel LandschaftSolothurn und Aargau mit ihren saftigen Wiesen, ihrem intensiven Stallgeruch, soliden Gewerbebetrieben und weiter an den sonnigen Ufern des Vierwaldstätter Sees entlang, immer dem Sankt Gotthard entgegen.

    Wer keine Lust hatte, mit dem Auto über den Gotthardpass zu fahren, lud sein Auto einfach auf einen Autozug, der ihn innerhalb kürzester Zeit durch den Gotthardtunnel ins Tessin beförderte. Ansonsten musste man auf 2100 Meter Höhe den Gotthardpass überqueren, was kein Spaziergang war. Überall lauerte Gefahr, sei es, dass jemand auf der schmalen serpentinenreichen Bergstraße einen Unfall baute und es somit zu einem kilometerlangen Stau kam, sei es, dass herabstürzende Felsen die Fahrbahn blockierten.

    War man endlich auf der anderen Seite angekommen, dauerte es nicht lange, bis man die schweizerisch-italienische Staatsgrenze erreichte, an der italienische Zöllner mit dem Spürsinn eines Lagotto Romagnolo scheinbar sporadisch die Pässe kontrollierten. Hatte man die Grenze passiert, ging es schnell an Mailand vorbei auf der Autostrada del Sole weiter durch die Pianura Padana immer an der alten Via Emilia entlang. Man war in einer anderen Welt angekommen. Heute kann man sich das nicht mehr so richtig vorstellen – aber damals in den 60er bis in die späten 70er Jahren war das so.

    Egal ob es sich dabei um die Autos, Häuser, die Farbe der Hausfassaden, Kleider, Musik, Lebensmittel, Gerüche, Pflanzen, Bäume, Verpackungen, Werbung, Sprache, Schrift, Zeitungen, Bücher, Boote, Gestik, Mimik, der Gang der Menschen, das Lachen der Menschen, Kinofilme, Zeichen oder Symbole handelte — nichts erinnerte wirklich (mehr) an Deutschland.

    Eines der Dinge, die ich heute noch untrennbar mit Italien in Verbindung bringe, ist der sechsbeinige Hund, der einem heute noch nahezu an jeder zweiten Tankstelle Italiens begegnet. Es ist das Symbol des italienischen Ölkonzern ENI.

    Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich meinem Vater auf eines dieser Italienreisen fragte, wieso der Hund mit der roten Zunge sechs Beine hatte. Wir waren gerade auf der Autobahn A1 zwischen Mailand und Bologna unterwegs und hielten an einer dieser Tankstelle, um zu tanken. Er konnte mir darauf keine Antwort geben, meinte aber, dass der Chef – er sagte dazu Besitzer – all dieser Tankstellen vor Jahren nicht weit von unsrem Standort bei einem  Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Viele Jahre später erfuhr ich, dass es sich dabei um Enrico Mattei handelte. (Fortsetzung folgt)

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Sechsbeiniger Hund, Lagotto Romagnolo, Autobahn A1, Via Emilia, Autostrada del Sole, ENI, Enrico Mattei, Pianura Padana, Bologna, Mailand, Sankt Gotthardpass, Vierwaldstätter See, Aargau, Solothurn, Basel, Schweizer Alpen