10:15 11 Dezember 2017
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    Der Grande der Granden – ein zweiter Ausflug in die bizarre Welt der EU

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    von Holger Eekhof
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    Der auf Bismarcks Spuren wandelnde Strippenzieher dreht seit nunmehr sechs Monaten an seinem Rädchen, um die Demokratie und die Meinungsfreiheit in Europa endgültig nieder zu walzen. Ihm zur Seite stehen die üblichen „Menschen“, die sich stets im Umfeld eines mächtigen Mannes finden.

    Ihm gegenüber steht ein moderner Don Quijote der ein letztes Häufchen aufrechter, freiheits- und friedensliebender Menschen anführt. 

    Klingt kompliziert? Klingt surreal? Klingt nach der Besetzungsliste einer Tragödie epischen Ausmaßes? Ist es auch. Deshalb nachfolgend nähere Details über den Granden der europäischen Granden, in Vorbereitung auf das politische Thema der nächsten Woche: „Die Verteidigungserklärung der EU“.

    Der auf Bismarcks Spuren wandelnde Strippenzieher – Elmar Brok

    Unbestritten einer der mächtigsten Männer Europas, wenn nicht gar der Mächtigste. Ausgestattet mit einem für seine Macht beinahe bescheidenem Habitus lenkt und leitet dieser Mann die Osterweiterung der EU, spielt in Israel „Guter – Böser Israeli“, in der Ukraine „Guter – Böser Nazi“ und ist selbstverständlich als lupenreiner Transatlantiker mit den Mächtigsten dieser Welt längst beim familiären „du“. 

    Seinen Spitznamen „Mr. Bertelsmann“ trägt er nicht zu Unrecht, war er doch parallel zu seiner Abgeordnetentätigkeit bis zum Renteneintrittsalter dort als Senior Vice President Media Development beschäftigt. Eine Tätigkeit, die ihn ganz offensichtlich geprägt hat: Media Development scheint auch heute noch seine erklärte Leidenschaft.

    Kurzum: wenn ein Brok pfeift, wird im deutschen, europäischen und sogar im US–amerikanischem Medienzirkus gesprungen, und hier ist es dann gleichgültig, ob man sich beim öffentlich–rechtlichen WDR oder bei der FAZ in Unabhängigkeit und Sicherheit wiegt. Hinter ihm steht zum einen die Macht Bertelsmanns, des größten Medienkonzerns der Welt mit 115 000 Mitarbeitern, und zum anderen die geballte Macht der deutschen CDU und der europäischen EVP. 

    Selbst die sonst auf „Angst, Hass, Titten und den Wetterbericht“ setzende Bild verschweigt dann selbstredend eine dieser sonderbaren „Femen“-Attacken, bei der Herr Brok zugegebenermaßen nicht ganz so prima dasteht. Die Macht des Herrn Brok wird dann zur Allmacht im Medienzirkus, wenn die Bild auf „Titten“ verzichtet.

    Das Brok´sche Dilemma

    Mehr Erfolg geht nicht – könnte man sich denken. Und doch hat dieser Mann ein Problem, seine Lebenszeit verrinnt unaufhörlich und er hat seine beseelende Mission, den Bau des europäischen Hauses als eine einzige große Einheit, immer noch nicht verwirklichen können. Dabei wollte er nichts anderes als ein freiheitliches, demokratisches, friedliches aber doch mächtiges Europa im Bündnis mit den USA.

    Stattdessen steht er nach nun 36 Jahren als vermeintlicher Baumeister Europas vor einem einzigen riesigem Scherbenhaufen. Bei sich selbst Fehler zu suchen, sich und seine eigene Politik einer kritischen Reflexion zu unterziehen und wenigstens im Rückblick nach den Kreuzungen zu suchen, an denen er falsch abgebogen sein könnte – dies kommt ihm nicht in den Sinn. Er selbst würde bereits den Rückblick als Rückschritt verstehen. Ein allzu menschliches Verhalten, insbesondere wenn man stets nach vorne strebte und stets vorweg rannte.

    Angriff als Überlebensstrategie

    Und was macht ein Brok, wenn er nicht weiter kommt: Er steigt in den Ring, um wenigstens so weit zu kommen wie nur irgend möglich – aufgeben ist nicht. Und in diesem Fall hat er ein deutsches Vorbild: Auch Bismarck konnte erst in ideologischer Abgrenzung zu Frankreich zu einem geeinten Deutschland finden. Und dies genau ist Broks Plan: Die Einheit über einen ideologischen Kampf über das vermeintlich Gute und Erstrebenswerte herzustellen.

    Ob Brok allerdings wie Bismarck einen realen Krieg in Kauf nehmen würde, dies wage ich zu bezweifeln, würde es in Anbetracht seines fortgeschrittenen Alters allerdings auch nicht für unmöglich erachten. Auch weiß man nicht unbedingt, wer die von ihm gelegten Grundsteine zukünftig missbrauchen kann oder gar will. 

    Primär strebt er den Sieg in den Köpfen an, und genau dies ist sein Spezialgebiet. Hier kennt er sich aus, dies ist sein Spielfeld, hier liegt seine einzige Chance auf Erfüllung seines Lebenstraumes noch zu seinen Lebzeiten oder gar noch durch ihn selbst.

    Wer bleibt bei einer solchen Strategie als erster auf der Strecke?

    Eventuell hätte man Herrn Brok einmal daran erinnern sollen, das Bismarck von der Geschichtsschreibung ex post für das Scheitern der Demokratie in Deutschland verantwortlich gemacht wurde. Ich hätte mich da gerne als Hofnarr zur Verfügung gestellt, weil sich von den ihn umgebenden „Menschen“ offensichtlich keiner dazu traute.

    Ich habe es im Vorfeld dieser Resolution versucht, ob des blanken Entsetzen über einige Inhalte des Entwurfs, wie z.B.: 

    „Das europäische Parlament … erkennt an, dass Russland in aggressiver Weise eine große Bandbreite an Werkzeugen und Instrumenten einsetzt, darunter spezielle Stiftungen (Russki Mir), mehrsprachige Fernsehsender (Russia Today, RIA Novosti), Nachrichtenagenturen (Sputnik), gesellschaftliche und religiöse Gruppen (darunter die orthodoxe Kirche), soziale Medien und Trolle im Internet, um die westlichen Werte infrage zu stellen, Europa zu spalten, inländische Unterstützung zu gewinnen und in den Ländern östlichen Nachbarschaft der EU den Eindruck zu erwecken, als stünden ihre staatlichen Strukturen vor der Auflösung.“

    Dieser Passus erregte dann doch den größten Ekel, die orthodoxe Kirche als Werkzeug der Russen, um westliche Werte in Frage zu stellen, um Europa zu spalten? Solche Formulierungen sollten einem jeden in Deutschland lebenden Menschen aufstoßen.

    Waren es doch die deutschen Nationalsozialisten, mit der Unterstützung weiterer europäischer Triebtäter, die schon einmal eine Religion diskreditierten. Die schon einmal eine Religion als Werkzeug darstellten, die schon einmal behaupteten, das eine Religion damals noch „Arische  Werte“ in Frage stellt. Die schon einmal behaupteten, das eine Religion mit einem Deutschland nicht vereinbar sei, das sie ein Gegner Deutschlands sei.

    Wo und wie dieses endete, braucht man hoffentlich keinem mehr zu erzählen. Aber orthodoxe Gläubige als die neuen Juden Europas, als Feinde Europas? Das übertraf mehr als ich mir jemals an Schweinerei von diesem europäischen Parlament vorstellen konnte und wollte. 

    Ich habe es als in Deutschland lebender Christdemokrat zuerst über die Deutsche CDU unter Führung von Frau Merkel versucht, ich habe es schlussendlich sogar in Elmar Broks eigenem Büro versucht, ich habe ihn auf die bestehenden Risiken hinweisen lassen – ich habe alles mir nur Mögliche versucht. Und doch: Ich stieß auf nahezu taube Ohren. Es ist eben nicht die Zeit für Narren – schließlich ist werteverteidigendes Europa angesagt. Und gute alte Errungenschaften, die sich Jahrtausende lang bewährt haben, gehören in vergangene Zeiten.

    Das Brok´sche Paradoxon

    Elmar Brok, der inzwischen 70 jährige Boss, der Macher, der ungekrönte König des „Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments“, der allmächtige Entscheider hinter der am Montag im EU-Parlament zu verlesenden „Verteidigungserklärung der EU“ – auf bürokrateneuropäisch auch „Strategische Kommunikation der EU, um gegen sie gerichteter Propaganda von Dritten entgegenzuwirken“ genannt – er lebt in einer nur ihm eigenen Welt, in der er alleine entscheidet, was richtig und was falsch ist.

    Womit er einen ganz normalen europäischen Bürger zwingt, sich eben andere Wege zu suchen, um sich Gehör zu verschaffen. Wege über unabhängige Medien – wie z.B. Sputnik und RT. Medien, die ihm als europäischen Bürger eine Teilhabe an der politischen Meinungsbildung in Europa ermöglichen – auch wenn er eine vom Mainstream abweichende Meinung vertritt. Über deutsche Medien und über deutsche Parteien ist eine solche politische Partizipation inzwischen de facto unmöglich – wenn auch noch nicht per Gesetz, aber was nicht ist, darf nach dem Willen von Elmar Brok gerne von den jeweiligen nationalen Regierungen innerhalb der EU verwirklicht werden.

    Womit dann wieder einmal bewiesen wäre, das die EU sich selbst der größte Feind ist. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank aber auch.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.
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