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20:26 17 Oktober 2019
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    Die Russlandsanktionen verstehen

    © Sputnik / Alexei Kudenko
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    Die Russlandsanktionen stützen das westliche Finanzsystem. Deshalb braucht der Westen das Feindbild zur Selbsterhaltung.

    Ich muss gestehen, dass ich die Sanktionen gegen Russland trotz eines gewissen ökonomischen Hintergrundwissens in ihrer Tragweite erst einmal unterschätzt habe. Sicherlich denkt der normale Bürger genau wie ich zuerst an Hightech-Produkte, medizinische Produkte, Ersatzteile usw.,  die Russland nun nicht oder nicht über den günstigsten direkten Weg einführen kann. Auch wenn Russlands Technik und Wissenschaft in manchen Bereichen weltanführend ist, so ist das doch nicht in allen Bereichen möglich. Deshalb sind Sanktionen immer schmerzhaft, auch wenn sie für manche russische Firmen als Chance angesehen werden dürfen.

    Die Sanktionen haben aber noch eine viel tiefsinnigere Bedeutung, auf die ich erst gekommen bin, als ich mir nochmals den Vortrag des russischen politischen Schriftstellers Nikolaj Starikow zur Rolle der Russischen Zentralbank vorgenommen habe, der in Youtube aufgerufen werden kann.

    Russland beliefert Westeuropa mit Gas und wird selbstverständlich dafür bezahlt. Unabhängig davon, ob die Bezahlung nun in US-Dollar, Euro oder Rubel vereinbart ist, immer liefert Russland wertvolle Rohstoffe und erhält dafür Geld in Form von Papier oder Gutschriften in Computern westlicher Banken. Was macht man nun mit diesem Papier bzw. Gutschriften, wenn man aufgrund der Sanktionen keine Waren aus Europa oder den USA kaufen kann? Die Alternativen, die Russland dann nur noch hat, dürfte das westliche Finanzsystem hoch erfreuen. Russland ist gezwungen, die Devisen in irgendeiner Form im Ausland zu halten. Sei es als Gutschrift bei den Banken (bei derzeitigen Negativzinsen!) oder alternativ in Form von irgendwelchen Wertpapieren, was letztlich die westlichen börsennotierten Konzerne und bankrotten Staaten finanziert. (Siehe hierzu: Vorschläge zur Bankenrettung — Das Bankenrettungsmodell „Zukunft“). Jede dieser Möglichkeiten unterstützt das westliche Finanzsystem und verhindert, dass Russland sich vor einem Crash im westlichen Finanzsystem schützen kann.

    Es würde auch nicht helfen, wenn Russland darauf bestehen würde, dass Westeuropa das Gas in Rubel zahlen muss. Dann würden sich diese Devisenberge nur bei der russischen Zentralbank ansammeln, da die westlichen Gaskäufer ihre Euro und Dollar bei ihr tauschen würden. Ohne die Möglichkeit zu importieren und somit diese Devisen wieder auszugeben, würde die Rubelgeldmenge steigen, steigen und nochmal steigen. Nicht nötig zu erklären, dass dies zu einer Inflation in Russland führen würde.

    Russland könnte noch versuchen, Waren aus anderen Ländern zu importieren, die sich nicht an den Sanktionen beteiligen.  Auch das freut den Westen überaus. Bedeutet es doch, dass Russland seine Handelspartner dann mit westlichen Währungen bezahlt. Genau das wünscht sich doch ein Leitwährungsland  wie die USA mit ihrem Petro-Dollar und würde den derzeitigen Bemühungen vieler Länder, sich vom US-Dollar abzukoppeln, entgegenwirken.

    (Russland und China ermöglichen gegenseitige Verrechnungen in ihren Nationalwährungen)

    Es ist also auch eine Selbsterhaltungsstrategie der am westlichen Geld- und Finanzsystem hängenden Lobby, dass die Sanktionen gegen Russland weiterbestehen. Den Schaden, den die Russlandsanktionen in der westlichen Wirtschaft verursachen, belastet diese Lobby wohl weit weniger als ein Finanzcrash oder den Verlust der leitwährungsfinanzierten Einflussnahme auf das Weltgeschehen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das westliche Geld- und Finanzsystem auf ewig dieses Spiel weiter spielen kann. Sowieso können Russlandsanktionen nicht die systembedingten Probleme des Westens kompensieren. Es wäre weise, statt auf Gedeih und Verderb auf den Erhalt des Geld- und Finanzsystems sowie Leitwährungsposition zu setzen, lieber das Geld- und Finanzsystem mit dem ganzen Rattenschwanz zu reformieren und dabei Russlands Hilfe anzunehmen. Ich bin mir sicher, dass Russland sich nicht verweigern würde. Nur steht den Betonköpfen und Lobbyisten im Westen das Wasser noch nicht so zum Hals wie dem einfachen Volk.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Sanktionen, USA, Russland