23:08 22 November 2017
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    Karte des Osmanischen Reiches um 1900

    Chance Astana

    © Wikipedia/ Juris Tiltins
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    von Zivilist
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    Russland bringt viele Betroffene zu Gesprächen zusammen, schon ertönt der Vorwurf der Einmischung in innere Angelegenheiten, der Bevormundung. Während unter US-Führung das Chaos in Syrien eskaliert wurde, gibt es jetzt die einmalige historische Chance, einige der vor 100 Jahren von den Briten in der Region geschaffenen Probleme zu entschärfen.

    Historischer Exkurs 1

    Preußen wurde durch Effizienz stark und schickte sich an, aus dem Pudding der westlichen Kleinstaaten einen Staat zu formen. Deutscher Zollverein, und weiter? Deutschland konnte es nicht sein, wollte doch die Donaumonarchie nicht mitspielen, auch Luxemburg blieb draußen, es war die 'kleindeutsche Lösung'. Im Hintergrund gab es das absurde 'heilige römische Reich Deutscher Nation', also wurde es das 'Deutsche Reich', Deutsch, also mit historischer Referenz, ohne alle Deutschen einzuschließen, auch nicht 'großpreußisch', so dumm waren die Preußen nicht. Es war zugleich weniger und mehr als Deutschland. Die XXL-Option hat dann der Braunauer ergriffen, mit der Preußischen Loyalität, die dort gewissermaßen genetisch verankert war, nahm die Katastrophe ihren Lauf.
    Aber: das Problem war der Geburtsfehler des 'Deutschen Reches'.

    Historischer Exkurs 2

    Im Krimkrieg unterstützten die Briten das Osmanische Reich, es war ihnen nützlich zum Schutz ihres Monopols auf den (See-) Weg nach Indien, also das Monopol zur Ausbeutung des Subkontinentes und Kontinentaleuropas, da nämlich ging die Ware hin.

    1869 Suezkanal, 1903 Kuweit selbstbestimmt, denn dort wäre der Endpunkt der Bagdadbahn gewesen, eines Deutschen Projektes zur Modernisierung des Osmanischen Reiches. Es hätte jeden Inder in die Lage versetzt, Tee nach Kuweit zu schippern, und er wäre per Bahn nach Berlin gerollt, der Wohlstand wäre in Indien, im Osmanischen Reich, im Deutschen Reich angefallen, aber nicht im UK. 1906 Ägypten unter Britischer Kontrolle, man war also bereits auf den Appetit gekommen, hatte gelernt, daß es relativ leicht ist, 'Nationalstaaten' aus dem Osmanischen Reich herauszulösen, außerdem lief die Royal Navy seit 1913 auf Öl, man war also an billigen Tanken interessiert.

    1916 waren die Europäischen Mächte soweit, den Krieg zum Status Quo Ante zu beenden, Wilson vermittelte, die Kriegsziele sollten auf den Tisch, das Britische: Zerschlagung des Osmanischen Reiches (auch der Donaumonarchie) Entsetzen in D, gerade bei den Pazifisten. Die Kasaren überzeugten die Briten, daß sie ihnen den Krieg doch noch gewinnen können, für sie fällt eine Heimstätte in Palästina ab. 1917 Revolution in Ru, sämtliche Geheimverträge des Zaren kommen auf den Tisch, Trotzki führt die Verhandlungen öffentlich. Russlands Anteil an der Beute wäre der Bosporus gewesen. Die Briten wußten, daß es in Mossul Öl gibt, also sollte aus dem Vilayet Mossul und den beiden südlichen Provinzen (Verbindung zum Meer) der Irak werden. Wilson, der wiedergewählt worden war, weil er den Amis versprochen hatte, das Land aus dem Krieg rauszuhalten, mußte die Kredite retten und mit den 14 Punkten lieferte er ein blasses 'me too' Produkt. Zur Selbstbestimmung der Araber setzten die Briten als nützlichen Idioten Lawrence von Wales ein. Von Sevres 1920 bis Lausanne 1923 kriegten die Franzosen das mit dem Öl spitz, also wurden F und US an den Öleinnahmen beteiligt. Atatürk hatte bereits W Churchill auf Galipolli blamiert und jetzt ertrotzte er sich, mit den Kurden, eine Türkei, besiegte die Griechen, das waren die Einzigen, die für ihren Beuteteil zu kämpfen bereit waren. Als er seine Türkei hatte, vergaßen er und Alle die Kurden.

    Die Kurden wurden also zum inneren Feind (wo sonst sollten sie Hilfe holen, wenn nicht im Ausland) von 4 labilen Staaten, waren also aufgrund dieses Siegerdiktates viel schlimmer dran, als Elsässer oder Katalanen.

    Gegenwart

    Die Staaten des ehemaligen Osmanischen Reiches bestehen also gewissermaßen nur aus Geburtsfehlern. Und so, wie die USA das Chaos in Syrien förderten, um doch noch einen Regimechange zu schaffen, kann das Chaos auch eine Chance sein einige Weichen für die Zukunft zu stellen, ohne Grenzen neu zu ziehen, ohne 'nation building'. Daß Ru in irgendeiner Weise Verrat übt, kann ich nicht entdecken, im Gegenteil, aufgrund der Vergangenheit, weil es (die SU) sich nicht an der Osmanischen Beute beteiligt hat, ist es prädestiniert, hier zu moderieren. Solange auch nur einer der osmanischen Trümmerstaaten den Anspruch auf das Ganze im Rucksack hat, kann es nichts werden. Das ist die Türkei mit Erdowahn's osmanischen Träumen und den wohlarchivierten Grundbesitz von Türken im Irak, das ist Hussein mit seinem Einmarsch in Kuweit, das ist das Arabische der Syrischen Republik, das ist Al Jazeera in Katar, Jazeera ist das Land zwischen Euphrat und Tigris! Es gab ja nach dem letzten Weltkrieg starke panarabische Bestrebungen, im Ergebnis wählte Ägypten die 'Kleindeutsche Lösung' vereinigte sich mit Syrien, um es zu dominieren, worauf Syrien sehr schnell dankend verzichtete. Daß uns Al Jazeera Bilder mit Demonstranten vom in Katar nachgebauten grünen Platz zeigte, während in Tripolis Millionen Libyer FÜR Gaddafi demonstrierten, dürfte den Informierten bekannt sein.

    Jeder der Osmanischen Trümmerstaaten Britischer Provinienz muß auf alte Ansprüche verzichten, (Im Verfassungsentwurf ist Syrien nicht mehr Arabisch, nur noch Syrisch) damit sich die Region in Frieden entwickeln kann, keiner tut das gerne, aber Syrien ist eine große Chance, hier Vorbildliches zu schaffen, Bashar ist ein moderner Regierungschef, der nicht an der Macht klebt, Syrien hat seine Kurden noch am Besten (meinetwegen: am wenigsten schlecht) behandelt, die Orthodoxen Christen wurden nach eigenen Worten nicht schlecht, sondern eher besser als die Moslems behandelt. Syrien war ein Vorbild für das friedliche Zusammenleben verschiedener Ethnien und Religionen, darum hat das Aufhetzen auch nicht funktioniert. Das mit der Gleichberechtigung der Kurden und ihrer Sprache ist nicht so einfach, wie man denkt, Syrer, Türken, Iraner, Iraker müssen dann nämlich auch Kurdisch lernen. Man stelle sich vor: Im Militär ein kleiner Klüngel, der seine Geheimsprache hat, mit der er sich auch bestens mit einem Klüngel im Militär des Nachbarstaates verständigen kann, das geht gar nicht!

    Es muß nicht Astana sein, es können die Russen sein, aber die Chance, aus dem US- Westlich angerichteten Chaos in der Region die Weichen für eine bessere, kooperativere Zukunft zu stellen, sollten auf keinen Fall verspielt werden.

    (den Ausdruck 'Naher Osten' meide ich bewußt, das ist ein Ausdruck aus der Britischen Kolonialgeschichte und eine Frechheit. Genauso gut könnten die Inder die Briten etc. als 'Fernen Westen' bezeichnen)

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

    Tags:
    Kurden, Osmanisches Reich, Naher Osten, Astana, Syrien
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