03:45 21 September 2017
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    Hass (Symbolbild)

    Hasspostings und die Begleiterscheinungen - Eine sozialhygienische Analyse

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    von Daniel Witzeling
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    Das Symptom ist nicht die Krankheit.

    Das Ausschauhalten von Wächtern der Moral und von höheren Werten nach politisch inkorrekten Inhalten im World Wide Web und darüber hinaus nimmt in letzter Zeit interessante Formen an. Ist es nicht schön, wenn man sich in seiner moralischen und intellektuellen Überlegenheit dadurch selbsterhöht, indem man einen dieser Wutbürger und Vertreter des „Fake News“-Kultes identifizieren und ihn auf frischer Tat ertappen kann, um ihn dann sogleich über seine mentale Minderwertigkeit und am besten noch über den Bedeutungszusammenhang seiner unreflektiert und aufgrund mangelnder Bildung verwendeten Worte aufzuklären? Das beschriebene Phänomen scheint in einer starken Symbiose zur Bewegung der „Fake News“-Apostel zu stehen und vermehrt gepaart aufzutreten. Wer ist nun im Recht und wer im Unrecht? Medienvertreter per se als Produzenten von „Fake News“ abzukanzeln, das wird vielen dieser und ihrer ehrlich bemühten Arbeit nicht gerecht. Ebenso wenig ist es aber fair, die sogenannten Wutbürger reflexartig als Spinner und Aussätzige zu brandmarken.

    Ursachenanalyse von Wut und Frustration statt Anprangern

    Anstatt der Ursache von vermehrter Wut und Frustration in der Bevölkerung auf den Grund zu gehen und diese tiefgehend zu analysieren, gießen selbsternannte Experten noch zusätzlich Öl ins Feuer. Sie prangern Menschen an, die ihren Unmut kundtun. Zu allem Überfluss begegnen sie diesen mit Belehrungen über fälschlich verwendete Begriffe und deren negative historische Bedeutung. Hier scheint es vielmehr um die Trennung der Welt in Gut und Böse zu gehen als darum, die Beweggründe der Hasspostings zu erkunden. Dieser verhärtete Frontenbildungsprozess wird zu einer Verbesserung des Klimas in unserer Gesellschaft sicher nicht beitragen. Menschen gewinnt man nicht durch Strafandrohung und negative Konditionierung, sondern durch Verständnis für ihre Situation und ihre Empfindungen und Gefühle. Das wäre dann die vielzitierte und geforderte Empathie, die aber für alle Menschen gelten sollte. Das Dozieren über und das Anprangern von Personen mit weniger gesellschaftskonformen Meinungen erzeugt Abwehr und Aggressionen und führt zu keinerlei Erkenntnisgewinn bei den Angesprochenen. Im Gegenteil: Die daraus resultierende Abwehrreaktion hat zur Folge, dass ein „Jetzt erst recht!“-Gefühl bei den Angegriffenen entsteht.

    So abgedroschen es klingen mag: Die meisten Hassposter und jene, die ihren Unmut zum Ausdruck bringen, heischen eigentlich nur nach Liebe, Anerkennung und Verständnis ihrer individuellen Situation und Lage. Diese emotionale Zuwendung und Empathie gibt ihnen paradoxerweise die in der politischen Linie und Agitation so harte Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), indem sie signalisiert: "Ihr seid nicht alleine und bei uns haben eure Gefühlsregungen eine Heimat und ihr als Menschen einen Wert." Ein wahrscheinlich eher ungewollter, aber trotzdem nahezu therapeutischer Prozess. Humanistisch geprägten Menschen sollte klar sein, dass jemand, der eine höhere Bildung auf dem Papier genossen hat als andere, deswegen nicht mehr wert, intelligenter oder gar anderen Menschen überlegen ist, denen diese Chancen verwehrt blieben. Und schon gar nicht hat jemand deshalb das Recht, sich über andere zu stellen und diese zu bewerten. Denn die wichtigste Form der Bildung ist und bleibt immer noch die Menschenbildung.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

    Tags:
    Wutbürger, Tugendwächter, Sozialhygiene, Hasspostings