19:34 19 November 2018
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    Andreas Maurer, Russlanddeutscher und Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück, über seine Krim Besuche und Drohungen aus KiewAndreas Maurer, Russlanddeutscher und Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück, über seine Krim Besuche und Drohungen aus Kiew Andreas Maurer, Russlanddeutscher und Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück, über seine Krim Besuche und Drohungen aus KiewAndreas Maurer, Russlanddeutscher und Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück, über seine Krim Besuche und Drohungen aus Kiew

    Linken-Politiker über seine Krim Besuche und Drohungen aus Kiew

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    von Alex Ro
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    Andreas Maurer, Russlanddeutscher und Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück erreichte viel internationale Aufmerksamkeit durch mehrere Besuche der Krim und Auftritte im russischen Staatsfernsehen. Einreiseverbot und sogar Gefängnisstrafe droht ihm bei Einreise in die Ukraine.

    Herr Maurer, wie oft haben Sie die Krim besucht und wie kam es zu ihrem Projekt Volksdiplomatie?

    Ich habe die Krim mittlerweile zwei Mal besucht und eine dritte Fahrt steht bevor. Ich glaube das Projekt "Volksdiplomatie" ist wichtig, denn es bedeutet das die Gesellschaft Verantwortung übernimmt und versucht Kontakte aufzubauen umso mit einander ins Gespräch zu kommen, was sehr wichtig ist. Der ukrainische Regierungschef der Sowjetunion Nikita Chruschtschow verschenkte die Krim 1954 ohne jemanden zu fragen an seine Heimat die Ukrainische SSR. Man stelle sich vor Frau Merkel würde sich über Horst Seehofers Reisen nach Moskau so sehr aufragen, dass sie Oberbayern einfach so Österreich schenkt. Weder die russische Bevölkerung wurde damals gefragt, noch in diesem Beispiel die Bayern. Wäre dies in Ordnung? Würden die Bayern dies einfach so hinnehmen? Natürlich nicht. Das taten auch die Bürger der Krim und Russlands nicht.

    Der Westen sollte eins verstehen: Ein russischer Politiker wird sich niemals mit jemandem aus dem Westen an einen Tisch setzen, wenn dieser über den Status der Krim diskutieren will. Niemals. Wenn große Politiker nicht mehr miteinander sprechen, schlägt die Stunde der Volksdiplomatie.

    Was haben Sie dort gesehen und was hat sich seit der Wiedervereinigung mit Russland verändert?

    Ich habe gesehen, dass die Menschen dankbar sind, dass sie Frieden haben und dass sie die Möglichkeit haben ihre Identität frei ausleben zu dürfen. Nach den Begegnungen mit den Menschen vor Ort steht für mich außer Zweifel, dass dieses Referendum 2014 legitim war und die Entscheidung der Menschen aus Überzeugung war, was ich vor Ort immer wieder hören konnte.

    Stehen noch weitere Besuche an?

    Das Projekt Volksdiplomatie wird weiterentwickelt. Wir werden in den nächsten Tagen mit einer Delegation die Krim erneut besuchen. Eine weitere Fahrt steht im April an, im September starten wir ein neues Projekt für Jugendliche. Sie sollen dort gleichaltrigen begegnen und voneinander lernen. Ich glaube das ist die Perspektive für die Zukunft. Das Projekt wird in Deutschland immer bekannter, immer mehr Menschen melden sich und wollen bei der Volksdiplomatie mitmachen. Wir werden gerne über neue Projekte im Sommer berichten.

    Die russische Presse scheint sich seit ihrem ersten Krimbesuch auf Sie zu stürzen, glauben Sie nicht, dass sie möglicherweise etwas als Propagandamittel benutzt werden?

    Nein, ich habe da gar keine bedenken. Ich bleibe wie ich bin und sage nur das was ich vor Ort gesehen habe. Ich habe gesehen, dass die Menschen in Frieden leben wollen und überzeugt sind, dass die Entscheidung richtig war. Ich sah, dass die Krimtartaren, Ukrainer, Russen und Krimdeutsche dort friedlich miteinander leben. Ich habe gesehen, dass die Kinder wieder eine vernünftige Ausbildung und ärztliche Versorgung bekommen. Das was die Ukraine in vielen Jahren nicht hinbekommen hat. Die Entwicklung ist sehr positiv. In den 25 ukrainischen Jahren wurden die Wirtschaft und die Infrastruktur auf der Krim leider sehr vernachlässigt, jetzt wird mit Hilfe von Russland alles nachgeholt und aufgebaut. Natürlich, kann dies nicht alles auf einmal gelingen, doch jedes Mal als ich dort war, sah ich schon Veränderungen. Ich trete in der Tat oft im russischen Fernsehen auf, aber ich muss ehrlich sagen, ich habe noch nie mit einem Journalisten Vorgespräche geführt, mir wurde nie gesagt was ich sagen soll. Ich trete nur in Live Sendungen auf, wo ich frei sagen kann was ich denke.

    Obwohl die Ukraine Ihnen mit Verhaftung droht, kündigten Sie eine Reise im Mai nach Odessa (Stadt in der Südwestukraine) an, steht der Plan noch oder konnte Ihre Familie Sie schon aufhalten?

    Es ist eine schwierige Entscheidung, aber ich habe weiterhin vor am 2.Mai Odessa zu besuchen und an einer Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Ich habe die ukrainische Regierung aufgefordert mir Sicherheit und eine sichere Rückreise zu gewährleisten, denn ich habe kein Verbrechen begangen, ich habe nur ein Territorium besucht, welches nun zur russischen Föderation gehört. Sogar das US-Außenministerium warnt vor Reisen auf die Krim, weil diese zur Zeit auf dem Staatsgebiet Russlands liegt, somit erkennt das US Außenministerium quasi die Wiedervereinigung der Krim mit Russland an.

    Was hält Ihre Partei von Ihrem Russlandengagement? Sie wurden nicht auf die Liste für die Bundestagswahl gestellt.

    Ich habe mich nicht um einen Listenplatz beworben, wurde aber gefragt ob ich als Direktkandidat antreten wolle. Ich habe für das Erste abstand davon genommen. Innerhalb meiner Partei genieße ich große Zustimmung. Ich werde oft von Ortsverbänden für Reden eingeladen. Demnächst trete ich am 5.April in Hildesheim beim Bürgertreff Moritzberg/Weststadt und bald in Berlin auf. Ich war schon in Hamburg, Oldenburg, usw. Alle unter dem Thema „Russland verstehen“, was zeigt, dass Die Linke sich mit dem Thema Russland neutral auseinander setzt und die Leute neugierig sind auf meine Ausführungen und Darstellungen wie ich es erlebt habe. Unsere Bundestagsabgeordneten besuchen Russland regelmäßig. Die Linke setzt sich für ein Ende der Sanktionen und für Frieden mit Russland ein. Möglicherweise habe ich auch ein bisschen dazu beigetragen.

    Durch Ihr Auftreten im russischen Fernsehen sind sie bei den Russlanddeutschen, immerhin ca. 4 Millionen Mitbürger unseres Landes, kein Unbekannter. Wie hoch schätzen Sie Ihren Einfluss auf diese Menschen?

    Um ehrlich zu sein, dass schmeichelt mir ein bisschen. Ich reise oft nach Russland und werde inzwischen auch oft erkannt, im Flugzeug zum Beispiel. Ich werde über die sozialen Medien angeschrieben und bekomme viel Zustimmung. Eine Überwiegende Mehrheit sind dabei tatsächlich Deutsche aus Russland und der ganzen ehemaligen Sowjetunion. Sie unterstützen meine Aussagen und stärken mich darin, aber ich denke es wäre vermessen zu sagen, dass ich einen Einfluss auf sie habe, aber die Rückmeldungen aus dem ganzen Bundesgebiet sprechen für sich. Natürlich gibt es gelegentlich auch sachliche Kritik und Diskussionen. Ich glaube gerade die Deutschen aus Ruslland sind dafür geeignet eine Brücke zwischen Russland und Deutschland zu bauen. Sie kennen die Menschen und die Mentalität beider Völker, sie können viel dazu beitragen zwischen unseren Ländern zu vermitteln. Ich freue mich sehr, dass meine Landsleute dem entgegenkommen.

    Vielen Dank für das Interview!

     

    Interview: Alexander Ro

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Volksdiplomatie, Die LINKE-Partei, Andreas Maurer, Ukraine, Russland, Krim