03:41 21 November 2017
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    Dietrich Mateschitz (Archivbild aus dem Jahr2004 )

    Red Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz spricht Klartext

    © AFP 2017/ Peter Rigaud
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    von Daniel Witzeling
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    In einem seiner rar gesäten Interviews gibt der österreichische Selfmade-Milliardär Dietrich Mateschitz tiefe Einblicke in seine Wahrnehmung des aktuellen Weltgeschehens. Auch zum Thema der Sanktionen gegenüber Russland ist seine Meinung eindeutig: Ein Wirtschaftsboykott ist sinnlos.

    Anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Weltmarke Red Bull gab der österreichische Unternehmer Mateschitz eines seiner seltenen Interviews. In diesem bezog er eindeutig Stellung zu verschiedenen gesellschaftsrelevanten Themen. Unter anderem analysierte er aus kaufmännischem und unternehmerischem Blickwinkel die Sanktionen gegenüber Russland und das künstlich kreierte Feindbild eines Schurkenstaates unter der Führung Wladimir Putins. Die Kernaussage des Red Bull-Bosses ist eindeutig: Wirtschaftssanktionen um ein Land wie Russland in den Ruin zu treiben ergeben keinen Sinn. Gerade die EU sollte davon Abstand nehmen, denn dies würde für ganz Europa einen manifesten ökonomischen Nachteil bedeuten.

    Mateschitz sieht Russland ganz klar als einen Teil Europas. Daher sei ein Dialog mit Russland zielführend und anzustreben. Russland ist ein guter wirtschaftlicher Partner und nicht das Böse schlechthin. Hier zeigt sich der Weitblick des österreichischen Paradeunternehmers, der nicht in den dichotomen Kategorien „Gut“ und „Böse“ denkt. Die Meinungsfreiheit müsse gewahrt bleiben und dürfe nicht durch ein lineares Freund- und Feindbildschema ersetzt werden. Jeder Mensch solle das Recht haben, für sich selbst zu entscheiden, was für ihn oder sie richtig oder falsch ist.

    Kosmopolitischer Humanist

    Mateschitz sieht sich in seinem Selbstbild als Kosmopolit, Pazifist, Individualist und vor allem Humanist. Als solcher wehrt er sich gegen eindimensionale Kategorisierungen und Stigmatisierungen. Er will nicht in eine Schublade gepresst werden. Das Recht und die Freiheit auf seine Entwicklung will er sich von niemandem nehmen lassen, oder gar vorgeschrieben bekommen, wie er zu denken hat. Auch das polarisierende Thema Donald Trump sieht Mateschitz durchaus differenziert und aus seiner Perspektive eines erfolgreichen Unternehmers und Visionärs. Viele Dinge werden aus seiner erfahrenen Sicht zu Unrecht kritisiert. Wie der von Trump angestrebte versuchte Dialog mit Russland, der im Sinne des Weltfriedens und der Deeskalation zwischen den Weltmächten gerade in Zeiten des internationalen Terrors mehr als Sinn ergibt.

    Bei allen möglichen Spekulationen über die Intentionen von Mateschitz‘ Aussagen bleibt eine starke Außenwirkung und die Tatsache, dass Anpassung und Duckmäusertum nicht das Seine sein dürften. Als wohlhabender Mann könnte er es sich sicher viel leichter machen und einfach nur sein Leben mit Menschen, die ihm etwas bedeuten, genießen. Stattdessen beweist er Zivilcourage und Mut und gibt einen offenen Einblick in sein Wertesystem: Ein Stil und ein Wahrnehmen von Verantwortung der Nachwelt gegenüber, die man mit Geld alleine nicht kaufen kann.

    * Daniel Witzeling ist Psychologe und Sozialforscher. Er ist Leiter des Humaninstitut Vienna.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

    Tags:
    Sanktionen, Red Bull, Dietrich Mateschitz, Wladimir Putin, Donald Trump, Daniel Witzeling, Russland
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