03:45 21 November 2017
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    Bundesteam-Trainer Joachim Löw (Mitte) unter Spielern der deutschen Nationalmannschaft

    Confed-Cup: Gut, dass die Amerikaner nicht dabei sind

    © AFP 2017/ John Macdougall
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    Müllers EM Blog
    von Müller und über Fußball
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    Müller is back! Kaum hat Bundestrainer Joachim Löw sein Aufgebot für den Confederations-Cup in Russland bekanntgegeben, haben Müller und sein Nachbar Anders wieder was zu mosern. Natürlich nimmt Löw die falschen Leute mit. Wo ist Kruse? Außerdem atmet Donald Trump auf.

    Die Amsel sitzt auf Fernsehantenne und schmettert ein Frühlingslied. Müller sitzt auf seinem Balkon, lauscht dem Vogel und fragt sich, ob der Sendeempfänger  in Zeiten von Internet und Smart-TV überhaupt noch im Einsatz ist. „Muss ich gegenüber mal nachfragen“, denkt er. Ein Geräusch von rechts. Eine Tür geht auf und Müllers Nachbar Anders tritt auf den Balkon. In der Hand eine Halbliterflasche Bier. „Na, was sagste zu Löws Notelf?“ kommt der strak untersetzte Mitfünfziger gleich zur Sache. „Guten Abend“, antwortet Müller und hebt sein Bier zum Gruß. „Tja, war ja klar. Das Turnier interessiert halt auch keinen. Da haben Özil, Kroos und Co keinen Bock.“

    „Nee, mein Freund, so einfach läuft das nicht. Ich glaube, dieser Kader ist auch ein klares Statement gegen die Russen.“

    „Bitte? Warum das denn?“

    „Weil die keiner mag.“

    „Wieso? Und darum meinst Du lässt Löw seine Stars zu Hause? Das glaube ich nicht“, sagt Müller überzeugt.

    „Wenn der Cup bei den Amis gewesen wäre, dann wären die alle dabei!“ Anders lässt nicht locker.

    „Junge, so ´n Kroos und so ´n Özil und die Bayern-Stars die haben 50 Spiele und mehr in den Knochen. Die wollen auch mal entspannen und nicht quer durch das größte Land der Welt jetten.“ 

    „Cristiano Ronaldo will in Russland spielen. Und der hat mehr Spiele als alle anderen gemacht. Auch wenn der Hundert Millionen auf dem Konto hat, der will immer spielen und Tore schießen. Der weiß, was er den Leuten schuldig ist. Die Russen freuen sich doch auf das Turnier. Statt für die Leute zu spielen, machen unsere Millionäre Yacht-Urlaub in der Karibik“, schimpft Müller und trinkt sein Bier aus.

    „Mann, dafür sind sie dann aber fit bei der Weltmeisterschaft. Schließlich wollen wir doch alle den Titel verteidigen“, versucht es Müller mit Logik. Was nicht funktioniert.

    „So´n Blödsinn“, winkt Anders ab. „Wenn ich die Namen lese: Demirbay, Demme, Wagner, Younes… Nicht mal den Kruse nimmt er mit. Wieviel Tore hat der in der Rückrunde für Werder geschossen? 15?“

    „Gut, dass kann ich auch nicht verstehen. Löw mag den halt nicht so.“

    „Demirbay… spricht der überhaupt deutsch?“

    „Nun ist es aber gut!“ Müller ist aufgesprungen. „Jetzt fang noch mit der blöden Diskussion um die Nationalhymne an und ich geh sofort rein! Ich mein es ernst. Ohne Özil, Khedira, Boateng und Klose wären wir niemals Weltmeister geworden. Es ist wurscht, woher ihre Eltern kommen. Die Jungs sind hier in Deutschland aufgewachsen. Die sind so deutsch wie ich und du, verstanden?“

    Die beiden schauen sich an. Dann grinst Anders: „Ist ja schon gut, Brauner. Bleib mal auf dem Teppich. Ist doch nur Fußball.“ Er greift in seine Bierkiste und bietet Müller eins an. „Frieden?“

    Müller nimmt die Flasche, öffnet sie, gibt sie Anders zurück, nimmt die andere und öffnet sie. „Prost“, sagt er. Die beiden stoßen an und trinken.

    „Weißt Du, was ich wirklich gut finde?“ fragt Anders.

    „Nein, was denn?“

    „Dass sie Amis nicht dabei sind.“

    „Warum das denn?“ fragt Müller überrascht.

    „Stell Dir mal vor, die würden gegen die Russen spielen und gewinnen. Dann würden doch alle Zeitungen schreiben, dass Trump dem Lawrow im Oval Office die Aufstellung verraten hätte.“ 

    Müller schaut Anders an. Dann fangen beide lauthals an zu lachen. So laut, dass die Amsel ihren Platz auf der Antenne aufgibt, um sich ein ruhigeres Plätzchen zu suchen.

    Tags:
    Fußball, Fifa-Konföderationen-Pokal 2017, Joachim Löw, Russland, Deutschland
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